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Mächtige Protestwelle: Eine Initiative von Frauen aus Münster findet bundesweit Mitstreiterinnen.

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Eine Kirche der Frauen

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Die Frauen in der katholischen Kirche haben genug von der Herrschaft der Männer.

Die katholischen Frauen sind zornig. Es reicht ihnen – endlich! Jahrzehntelang haben sie versucht, ihre Kirche zu reformieren. Haben christlich gefleht und gebetet, haben Wünsche geäußert und Forderungen aufgestellt. Nach mehr Mitspracherecht, dem Ende des Zölibats, dem Zugang zum Priesteramt.

Dabei blieben sie trotz aller Unzufriedenheit ihrer Religion und der Institution verbunden. Es war ihre Kirche, die wollten sie von innen verändern, nicht aufgeben. Also haben sie die Strukturen in den Gemeinden aufrechterhalten und alles erledigt, was ihnen seit Jahrhunderten wie selbstverständlich an gemeinnützigen Aufgaben zugemutet wird. Rechte hast Du keine – bete und arbeite! Aus Überzeugung blieben sie der Sache treu. Für ihren Glauben. Und für die Hoffnung, dass sie irgendwann einmal erhört werden.

Ihre Loyalität hat ihnen nichts eingebracht – im Gegenteil. Weil sie den mühsamen Weg in der Institution gehen wollten, weil sie nicht laut wurden und sich nicht öffentlich gegen den Klerus wandten, wurden sie hingehalten. Kleine, ganz kleine Zugeständnisse hier und da. Dabei hat die feministische Theologie bereits Ende der 1960er begonnen, sich kritisch mit patriarchalischen Gottesbildern auseinanderzusetzen; hat die von Männern edierte Bibel und deren männliche Auslegetradition radikal infrage gestellt.

Jetzt, seit den Missbrauchsskandalen, wollen sich katholische Frauen nicht länger dem Klerus unterwerfen. Es empört sie zutiefst, dass die Verbrecher in den Soutanen von der Institution geschützt werden. Es macht sie wütend, dass eine erzreaktionäre Männerclique sich noch immer – wie seit Jahrtausenden üblich – die Kirche einverleibt. Und dass ein Papst, der sich modern gibt, ihnen dennoch verweigert, was längst selbstverständlich sein müsste: Frauen sind auch in der christlichen Kirche zu allem befähigt – auch dazu, die Sakramente zu erteilen und die Messe zu lesen.

Es brauchte nur einen Funken aus Münster, um vielen Katholikinnen schlagartig klarzumachen: Eine Befreiungsbewegung muss her! Eine, die hör- und sichtbar ist und nicht nur kirchenintern antichambriert. Die Rebellinnen berufen sich auf die Muttergottes als einzige Frau, die es im Christentum wirklich zu etwas gebracht hat. Denn schließlich geht es um ihre, die weibliche Kirche!

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