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Am Wochenende waren deutlich weniger "Gelbwesten" in Frankreich unterwegs als in den Wochen zuvor.

Gelbwesten

Eine Farbe, viele Ziele

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Gut, dass viele Franzosen ihre gelben Westen am Wochenende im Schrank gelassen haben. Nicht, weil es nichts mehr zu bemängeln gäbe - sondern weil alle Seiten Zeit zum Nachdenken brauchen. Ein Kommentar.

Gut, dass viele Franzosen ihre gelben Westen am Wochenende im Schrank gelassen haben. Aber nicht, weil es nichts mehr zu bemängeln gäbe, nachdem Präsident Macron in der vergangenen Woche hastig ein paar Schritte zur sozialen Befriedung verkündet hat. Sondern weil das Land eine Atempause braucht – und alle Seiten Zeit zum Nachdenken. 

Ganz dringend sollten sich die Gelbwesten sortieren und ihre teils disparaten Ziele überprüfen. Es passt nicht zusammen, Steuersenkungen zu fordern, aber mehr staatliche Hilfen zu verlangen. Sich einzig darin einig zu sein, dass Macron weg soll, hilft nicht, solange es keine Vorstellung davon gibt, was oder wen man stattdessen will. Auch ist es notwendig, sich zur Vereinnahmung seitens der Rechtsextremisten, aber auch der Linkspopulisten zu positionieren. Die Bewegung hat Leute auf die Straße gebracht, die noch nie demonstriert haben. Es wäre schade, wenn die gelbe Wut jetzt im Chaos verpuffen würde. 

Denn Bewegung wird gebraucht. Was Macron versprochen hat – mehr Mindestlohn, steuerfreie Überstunden, weniger Abgaben für Rentner – ist schön, hilft aber vielen nicht weiter. Zum Beispiel, weil sie keinen Job haben. Schon gar nicht ersetzt es ein Konzept für ein grundlegend gerechteres Land. Viel Arbeit also für alle.

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