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Eine ergreifende Rede

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Von: Harry Nutt

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Autor Kermani überzeugt bei der Friedenspreis-Verleihung.

Die Frankfurter Buchmesse endet mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, die in diesem Jahr auch ein Höhepunkt der Ausstellung war.

Die „taz“ ist beeindruckt vom diesjährigen Preisträger: „Navid Kermani ist ein großartiger Redner. Er hat ein sicheres Gespür für einen guten Auftritt; bei dieser Friedenspreisverleihung, die doch so etwas wie die ultimative Ehrung eines Werkes ist, bleibt er als Person ganz zurückgenommen. Ihm sind effektvolle rhetorische Verdichtungen gegegeben, aber er stellt sie ganz in den Dienst der Sache. Diese Fähigkeiten hat er bereits in seiner Rede zur Feierstunde des 65. Jubiläums des Grundgesetzes bewiesen. Wenn man diese Rede mit der Friedenspreisrede vergleicht, kann man sehen: Es gibt eine interessante Verknüpfung von Kermanis Grundsätzen aus der Orientalistik und seinem westlichen Verfassungspatriotismus. Und zwar läuft sie über seinen Sinn für schöne Sprache, was zuerst harmlos klingt, aber schnell politische Implikationen entwickelt. Die Verknüpfung liegt darin, dass er an die zivilisierende Kraft gelungener, schöner Sätze nicht nur in einem theologischen, sondern auch in einem politischen Sinn glaubt.“

Die „FAZ“ schreibt: „Die große, bewegende Rede, mit der Navid Kermani für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gedankt hat, verlangt von uns, genauer zu formulieren. Die islamische Welt, so Kermani, werde nämlich in Wahrheit von einer inneren Auseinandersetzung erschüttert, einem Krieg gegen sich selbst, gegen seine besten Eigenschaften. Hier steht also nicht ein finsterer Traditionalismus gegen eine aufgeklärte Moderne. Was einst auf der Grundlage des Korans an Glaube, Moral und Intellektualität möglich gewesen sei, hat im Orient vielmehr gerade der moderne Islam verloren. Das Problem des Islams, so Kermani, sei darum vielleicht weniger die Tradition als der vollständige Bruch mit ihr. Vielerorts vollendet der religiöse Fanatismus ein Zerstörungswerk, das auch den vom Westen begünstigten Modernisierungsdiktaturen des Nahen und Fernen Ostens nicht fremd war. Nur, dass im Namen der Religion jetzt deren Pluralität bekämpft wird und im Namen einer zu politischen Zwecken erfundenen Tradition die tatsächliche ausgelöscht. Nirgends wird das absichtsvoller vollzogen als in den Zerstörungen von Museen und antiken Tempelstätten durch den ‚Islamischen Staat‘.“

„Die Welt“ ist schließlich bewegt von dem von Kermani angeleitetem gemeinsamen Gebet: „Spätestens hier mussten viele Zuhörer ihre Tränen verbergen. Es war ein Moment höchster Ergriffenheit, wie ihn der Friedenspreis in seiner jüngeren Geschichte noch nie erlebt haben dürfte. Zugleich ein Moment tiefer Trauer, aber auch der Hoffnung. Navid Kermani hat uns einen Augenblick der Rührung abverlangt.“

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