Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz soll es schnell gehen.
+
Nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz soll es schnell gehen.

Leitartikel

Beim Katastrophenschutz ist Eile geboten

  • VonKristina Dunz
    schließen

Die Schwächen des Katastrophenschutzes müssen beseitigt werden – in wenigen Monaten und nicht erst in zwei bis drei Jahren. Der Leitartikel.

Deutschland hat ein Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK), es hat Lagezentren und Leitstellen in Ländern und Kommunen, Hunderte Experten, Warn-Apps und noch einige Sirenen. Und trotzdem sind bei der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 170 Menschen gestorben.

Aus Ungläubigkeit und Erschrecken während der Corona-Pandemie darüber, was in diesem vergleichsweise reichen, technisch hochgerüsteten und gut organisierten Land alles nicht funktioniert, ist Ungläubigkeit und Erschrecken über die Mängel der deutschen Unwetterwarnkette geworden.

Das Ausland kann nicht fassen, dass ausgerechnet Deutschland Schwächen zeigt, die zum Beispiel Bangladesch überwunden hat. Das liegt zwar auch daran, dass die Bundesrepublik solch apokalyptischen Szenen bisher eher aus anderen Ländern kennt und Konflikte oft erst aus bitterer Erfahrung gezielt angegangen werden. Aber es hat auch etwas mit deutscher Schwerfälligkeit und Langsamkeit zu tun, erkannte Defizite zügig zu beheben. Und das Schlimmste ist, dass sich diese Unfähigkeit fortzusetzen droht.

Gut vier Monate ist es her, dass Innenminister Horst Seehofer (CSU) verkündet hatte: „Wir werden das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu einem wichtigen Dienstleister für Bund, Länder und Kommunen entwickeln.“ Das war sechs Monate nach dem pannenreichen Warntag, als der Probealarm in Deutschland danebenging, in dessen Folge der damalige BKK-Chef seinen Posten verlor und Armin Schuster zum Nachfolger berufen wurde. Deutschland war also selbst gewarnt – aber offensichtlich nicht alarmiert genug.

Nun wird darum gerungen, ob der Katastrophenschutz zentralisiert wird und der Bund die Verantwortung übernehmen soll – was Seehofer ablehnt. Es ist tatsächlich fraglich, warum ein Bundesamt die Lage in Erftstadt im Krisenfall besser beurteilen können sollte als das dortige Bürgermeisteramt. Aber wenn denn eine Grundgesetzänderung nötig ist, damit der Bund nicht nur für Bevölkerungsschutz im Verteidigungsfall, sondern auch in zivilen Zeiten tätig werden kann, dann muss eben das Grundgesetz geändert werden.

Jedenfalls wirkt es nicht vertrauenserweckend, wenn Seehofer sagt: „Das BBK wird künftig ein Kompetenzzentrum.“ Das ist es doch schon. Aber geschützt hat es vor dieser furchtbaren Katastrophe nicht.

Nötig ist zweierlei: Erstens ein funktionierendes Warnsystem mit batteriebetriebenen Sirenen, die auch funktionieren und deren vom Bund mit 88 Millionen Euro unterstütze Sanierung nicht wie angekündigt ein ganzes Jahr (!) dauert. Ferner digitaler Alarm auf allen – auch lautlos gestellten – Handys (so wie in anderen Ländern auch).

Schuster sagt, das „Thema Sirene, Cell Broadcast, wird in den nächsten zwei, drei Jahren garantiert Wirkung erzielen“. Man wundert sich, dass sich das ein Katastrophenhilfe-Amtschef zu sagen traut. In zwei, drei Jahren. Unerträglich. Zwei, drei Monate wären angemessen.

Zweitens: Deutsche Politikerinnen und Politiker sprechen verantwortungsbewusst vom menschengemachten Klimawandel, sie wissen um die Natur- und Umweltsünden. Aber es gibt immer noch kein radikales Umsteuern. Es ist zu hoffen, dass die zerstörten Gebiete im Westen nun die Chance haben, neu anzufangen und Milliarden für neue Siedlungsstrukturen auszugeben, die ansonsten wieder für die Beseitigung von Schäden aufgewendet werden müssten.

Im Wahlkampf sind das gute Themen. Aber die Gefahr ist groß, dass es lange dauern wird, bis sich die Politik nach der Bundestagswahl zurechtgerüttelt hat. Erfahrungen führen zum Umdenken, wenn sie nur bitter genug sind. Der Pannen-Warntag vor fast einem Jahr und die Unwetterkatastrophe müssen dafür ausreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare