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Schöne Bilder mit der Truppe.

Leitartikel

Ego-Trip zur Truppe

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Trump geht es nicht um die Situation in Syrien, im Irak oder in Afghanistan. Seine plötzlichen Initiativen sind vielmehr reine Ablenkungsmanöver von innenpolitischen Schwierigkeiten und Rückschlägen.

Eigentlich hatte sich Donald Trump die Feiertage ganz anders vorgestellt: zwei Wochen Florida auf seinem protzigen Anwesen, viel Zeit zum Golfspielen und ein paar Empfänge mit reichen Geldgebern. Doch dann hielt der Haushaltsnotstand den US-Präsidenten im kalten Washington fest. „Ich bin ganz alleine (ich Armer) im Weißen Haus“, twitterte er selbstmitleidig am Heiligabend. Dem Missmut ließ er in wütenden Tweets gegen seine Lieblingsfeinde freien Lauf. Der Regierungschef befand sich im Krisenmodus – mit ungewissem Ausgang.

Insofern ist es eine gute Nachricht, dass Trump seinen Frust am zweiten Weihnachtstag mit einem überraschenden Besuch der US-Truppen im Irak abbaute. Der Auftritt vor hundert amerikanischen Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad und auch ein kurzer Tankstopp im pfälzischen Ramstein verliefen ganz nach dem Geschmack des Präsidenten: die Uniformierten posierten für Selfies, ließen sich rote „Make-America-Great-Again“-Kappen signieren und jubelten ihrem Oberbefehlshaber zu. Stolz stellte Trump ein Video seiner Visite mit viel Pathos und Patriotismus ins Netz.

Schöne Bilder braucht der Narzisst im Weißen Haus zur Mitte seiner Amtsperiode ganz dringend. Seit knapp einer Woche stehen ein Viertel der amerikanischen Regierungsbehörden still oder müssen ihre Beschäftigten zu unbezahlter Arbeit zwingen, weil Trump den Streit mit dem Kongress über den Haushalt und die Mauer zu Mexiko auf die Spitze getrieben hat. Doch anders als im Vorjahr bleibt das Parlament bislang hart, und nach dem Jahreswechsel werden die Demokraten die Mehrheit in der ersten Kammer übernehmen. Dann wird das Regieren für Trump deutlich schwieriger.

Noch mehr aber müssen den Präsidenten die jüngsten, extrem nervösen Ausschläge an der Börse beunruhigen. Der auf große Zahlen fixierte Geschäftsmann hat die Aktienkurse zu seinem wichtigsten Bewertungsmaßstab gemacht. Und die zeigen – auch wenn der maßgebliche Index zuletzt einen Bruchteil der Verluste wettmachte – seit Oktober steil nach unten. Der Wirtschaftsboom, von dem Trump lange profitierte, gerät ins Wanken, und der Zollkrieg birgt zusätzliche, enorme Risiken für die Konjunktur.

In dieser Situation sucht der selbsternannte „Nationalist“ Trump sein Heil in der Außenpolitik. Der abrupte Abzug der 2000 US-Soldaten aus Syrien, mit dem der US-Präsident ohne Skrupel die kurdischen Verbündeten seines Landes ihrem wahrscheinlich schrecklichen Schicksal überlässt, ist an der kriegsmüden Wählerbasis in Iowa oder North Dakota grundsätzlich beliebt.

Allerdings hat Trump nicht nur die Verbündeten in Europa vor den Kopf gestoßen. Er sieht sich nach dem demonstrativen Rücktritt seines Verteidigungsministers James Mattis mit dem Vorwurf konfrontiert, in militärischen Fragen verantwortungslos zu dilettieren.

Dagegen sollen die Fotos im Kreis der Kampftruppen ein eindringliches Zeichen setzen. Der Oberkommandierende und die Soldaten – das zieht in den USA immer. Eine außenpolitische Linie oder gar Vision sucht man in Trumps Rede im Irak vergeblich. Im Gegenteil: Die Ausführungen erinnern an seine Auftritte im Kongresswahlkampf. Selbst im Bürgerkriegsland Irak kann es dieser Präsident nicht unterlassen, Oppositionsführerin Nancy Pelosi zu diffamieren und ihre Parteifreunde wie vaterlandslose Gesellen darzustellen. „Die Demokraten wollen nicht, dass wir sichere Grenzen haben“, pöbelte der Commander-in-Chief. Deutlicher kann man die innenpolitische Motivation des außenpolitischen Aktivismus kaum offenlegen.

Trump geht es nicht um die Situation in Syrien, im Irak oder in Afghanistan. Seine plötzlichen Initiativen sind vielmehr reine Ablenkungsmanöver von innenpolitischen Schwierigkeiten und Rückschlägen. In dieser Inszenierung verkommen die von Bürgerkrieg und Terror geplagten Bewohner dieser Länder ebenso wie die amerikanischen Soldaten zur Staffage. „Es ist eine Schande, was in unserem Land passiert. Aber davon abgesehen wünsche ich Ihnen sehr frohe Weihnachten“, hat Trump am Heiligabend in einer Fernsehbotschaft gesagt. Ganz anders, als von ihm gemeint, hat er damit den Nagel auf den Kopf getroffen. 

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