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E-Roller: Klimaretter, Ökosünde, Ärgernis?

Verkehr

E-Scooter sind ein Riesengewinn

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Die elektrischen Miniflitzer können die Verkehrswende voranbringen. Dafür muss die Politik jetzt die richtigen Bedingungen schaffen - der Gastbeitrag.

Viel wurde in den letzten Wochen über E-Scooter geschimpft. Oft ging es dabei auch um die angeblichen Schäden für die Umwelt. Dabei lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Ökobilanz. Klar! E-Scooter sind nicht ohne negative Wirkungen auf die Umwelt, denn sie verbrauchen Strom. Außerdem müssen die Fahrzeuge sowie deren Akkus hergestellt werden. Doch bei dieser Betrachtung fällt einmal mehr unter den Tisch, wie unfassbar ineffizient, raumeinnehmend und gefährlich Autos sind.

Wie viele Autofahrten die neuen Zweiräder ersetzen, wird sich zeigen. Eine erste Studie spricht von nur acht Prozent an E-Scooter-Fahrten, für die ein Auto stehen bleibt. Aber selbst wenn es nur acht Prozent wären: 100 E-Scooter brauchen circa ein Viertel der Energie, die acht Autos verfahren. Das ist energetisch gesehen ein Riesengewinn. Sicherlich ist der Anteil noch steigerungsfähig. Das zeigt uns das Ergebnis einer anderen Studie aus Portland. Dort wären 34 Prozent der Rollerfahrer sonst mit dem Auto gefahren.

E-Scooter brauchen nur einen Bruchteil des Raums

Gewohnheiten ändern sich langsam. Und so verwundert es nicht, dass die meisten Autofahrer wenige Wochen nach Zulassung der Roller noch in ihren Routinen hängen. Aber mit einer individuellen und flexiblen Fahrtmöglichkeit zum und vom Haltepunkt werden Bus und Bahn öfter zur attraktiven Alternative zum Auto. Mit einem solchen Umweltverbund von Tür zu Tür können wir Fortschritte bei der Verkehrswende machen. Wenn der Verkehr endlich mit Hilfe demokratisch gesetzter Rahmenbedingungen anfängt, zum Klimaschutz beizutragen, werden wir einen ganzen Mix an Alternativen zum Auto brauchen. Ein Drittel der Autofahrten sind übrigens kürzer als drei Kilometer. Eine perfekte Länge, um sie komplett mit elektrischen Miniflitzern zurückzulegen.

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Zweitens wird kritisiert, die Roller stünden im Weg herum. Auch hier lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Fakten: Was richtig viel Platz in unseren Städten wegnimmt, sind Autos. E-Scooter brauchen nur einen Bruchteil des Raums. Aber dieser muss ihnen genauso wie Fahrrädern auch eingeräumt werden. Denn auf dem Gehweg haben E-Scooter nichts zu suchen. Würden von vierspurigen Straßen die äußeren beiden Fahrbahnen für Räder und Scooter reserviert, käme kein Rollerfahrer mehr in Versuchung, sich auf den Gehweg zu quetschen. Außerdem könnten sich viel mehr Menschen auf der gleichen Fläche von A nach B bewegen, als dies im Auto der Fall wäre.

E-Scooter: Ob Fluch oder Segen, hängt von den Rahmenbedingungen ab 

Letztlich sind E-Scooter ganz neutral ein Transportmittel. Ob sie für die Gesellschaft Fluch oder Segen werden, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Und die muss die Politik richtig setzen. Ein ehrlicherer CO2-Preis zum Beispiel und die gerechte Aufteilung und Bepreisung des öffentlichen Raumes sind schon längst überfällig. Das könnte für manchen Autofahrer den Anstoß geben, über andere Arten der Mobilität nachzudenken, anstatt im Stau zu stehen und wertvolle Zeit mit der Parkplatzsuche zu verschwenden.

Ingrid Nestle ist Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion und Wirtschaftsingenieurin.

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