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E-Scooter haben eine schlechte Umweltbilanz

Kolumne

E-Scooter haben eine miserable Umweltbilanz und sorgen für Chaos

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E-Scooter sind schlechter als ihr Ruf: Sie steigern nicht nur das Verkehrschaos in den Städten, sondern haben auch nicht eine miese Umweltbilanz. Die Kolumne.

Den Blick verzückt in die Ferne gerichtet, nur nicht nach links oder rechts, mit elegantem Schwung über die Kreuzung, gänzlich unbeeindruckt davon, welche Farbe die Ampel zeigt – so präsentiert sich ein ganz neuer Typus von Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern.

Ihr Auftreten ist untrennbar verbunden mit den neuen E-Rollern. Es scheint kein Transportmittel zu geben, dessen Nutzung im Straßenverkehr so viel Spaß macht. In der Tat ist das zweirädrige Gefährt kein richtiges Verkehrsmittel, sondern ein Spielzeug. Problematisch ist, dass es sich unter all die anderen Verkehrsteilnehmer mischt.

Fahrradfahrer müssen in die Pedale treten, Fahrtrichtungen anzeigen und aufpassen, dass sie nicht umfallen. Und sie wissen zumindest, wo sie fahren dürfen und wo nicht. Immerhin. Aber die euphorisierten Piloten auf den E-Rollern? Dürfen sie auf Fußgängerwegen fahren?

Für das Abstellen der E-Scooter scheint es keine Regeln zu geben

Nein, aber sie tun es. Und auf Radwegen? Ja, aber sie fahren auf der Straße, auch wenn Radwege da sind! Die wenigsten wissen Bescheid. Es scheint eine Art anarchischer Glücksmodus auszubrechen, sobald diese 20-km/h-Piloten ihren Führerstand eingenommen haben.

Die Unklarheiten im Fahrmodus setzen sich im Ruhemodus fort. Für das Abstellen dieser E-Scooter scheint es keine Regeln zu geben. Sie blockieren Haustüren und Fußgängerüberwege oder stehen kreuz und quer als Stolperfallen herum und nach ein paar ordentlichen Windböen tun sie das Gleiche im Liegen.

Fahrradfahrer legen in aller Regel Wert darauf, ihre Drahtesel nicht einfach irgendwo abzustellen. Dagegen sind die meisten E-Roller Leihgeräte, die dem Fahrzeugnutzer nicht gehören. Nachts kommen fleißige Helfer, welche die leergefahrenen Flitzer einsammeln und nach dem Aufladen der Batterien wieder sorgfältig an den Startplätzen aufreihen. Die Gewerkschaft Verdi hat bereits gewarnt, dass auf diesem neuen Arbeitsfeld erschreckend schlechte Arbeitsbedingungen herrschen. Es scheint, als ob selbst Paketzusteller da noch besser dran sind. Ähnlich mies scheinen Bedingungen und Bezahlung nur bei den Fahrradboten zu sein, die mit ihren viereckigen Styropor-Rucksäcken bestelltes Essen ins Haus liefern.

Umweltbilanz der E-Scooter ist miserabel

Doch von den namenlos im Dunkeln schaffenden, ordnenden Kräften bekommen die Nutzer nichts mit. Sie sind ja ganz überwiegend auf dem Fun-Trip. Allerdings ist der ziemlich unfallträchtig, wie die Erfahrungen in vielen europäischen Städten inzwischen zeigen. Schließlich sind die E-Roller-Ritter von keiner Knautschzone umgeben und gewissermaßen ihr eigener Airbag. Entsprechend hoch ist die Verletzungsgefahr. Selbst Inlinescater tragen wenigstens Knieschoner.

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Der ganze Spaß sei denen gegönnt, die weder sich noch andere in Gefahr bringen, könnte man postulieren. Wären da nicht all die Schattenseiten. Das Chaos auf den Straßen wird noch größer, und die Umweltbilanz der E-Roller ist miserabel. Ihre Herstellung verschlingt wertvolle Ressourcen, ohne gleichzeitig einen positiven Beitrag für ein nachhaltiges Verkehrskonzept zu leisten.

Man nutzt sie vor allem zur Überbrückung städtischer Kurzstrecken, statt zu Fuß zu gehen oder in öffentliche Verkehrsmittel zu steigen. Ein Auto können sie nicht ersetzen. Da ihr Leben nur von kurzer Dauer ist, werden sie schnell zu Elektroschrott. Was soll so ein umweltschädliches Wegwerf-Spielzeug? Als ob wir nicht schon genug Müll und Verkehrschaos hätten.

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