Kolumne

Was soll das mit den E-Rollern?

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Liebe Mitmenschen, warum macht ihr den Quatsch mit? Die U-Bahn kostet die Hälfte, eine Fahrt mit dem Fahrrad gar nichts. Die Kolumne.

Eigentlich ist ja erst mal alles gut, was kein Auto oder Motorrad ist. Sofern es sich nicht um ein Mountainbike handelt, dessen Benutzer wie vom Lumpensammler des Allmächtigen verfolgt durch den Wald prescht, ist jede Abkehr vom Verbrennungsantrieb grundsätzlich zu begrüßen.

Doch wie so oft im Leben folgt nun ein dickes „Aber“. Es betrifft jene Geschöpfe, die sich neuerdings so selbstvergessen durch die Städte bewegen, als wähnten sie sich im Ashram von Poona – und zwar auf elektrischen Rollern. Da muss ich nun frank und frei gestehen: Ich verstehe euch nicht. Und daran angeschlossen die Frage an die Behörden: Was soll das?

Ich bin ja überhaupt nicht dagegen, allein mir fehlt der Glaube an die Sinnhaftigkeit dieses Treibens. Okay, die Antwort der Verleiher weiß ich. Ihnen spült dieser Trend eine Menge Kohle in die Tasche. So erhöhten sie in Hamburg schon kurz nach der Einführung den Mietpreis von 4,50 Euro die Stunde auf 5,70. Und für den Kilometer sind statt vorher 15 Cent nun 19 zu berappen. Das ist ein klarer kapitalistischer Impuls, wenn es friert, steigen halt die Streusalzpreise.

Aber, liebe Mitmenschen, warum macht ihr den Quatsch mit? Warum rollert ihr in Scharen los, nur weil einer einen neuen Trend ausgetrötet hat? Was macht ihr sonst noch alles mit, nur weil es viele tun? Ich möchte das gar nicht wissen. Aber warum zahlt ihr fünf Euro für ein wackeliges und holpriges Fortbewegungsmittelchen von der Innenstadt zum Hauptbahnhof? Die U-Bahn kostet die Hälfte, eine Fahrt mit dem Fahrrad gar nichts. Und dabei könnt ihr auf dem Röllerchen nicht mal eine kleine Tasche mitnehmen, geschweige denn einen Koffer.

Und zum Einkaufen taugt das Ding allemal nicht, kann man doch damit bestenfalls einen halben Doppelkeks mit nach Hause transportieren. Und jetzt mal zur Ästhetik: Wirklich cool seht ihr nicht aus, wie ihr Euch an die spillerigen Gestelle klammert, so als versuchtet ihr, einen magersüchtigen Graureiher einzureiten.

Wenn die Menschheit danach gelechzt hätte, wäre das alles ja wenigstens im Ansatz zu verstehen. Doch das ideale Fortbewegungsmittel für kurze Strecken ist ja bereits seit zweihundert Jahren erfunden. Es nennt sich „Fahrrad“ und ist – im Gegensatz zu den E-Rollern – kein Spiel- sondern ein vollwertiges und ernst zu nehmendes Fahrzeug.

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Beachtet das doch bitte, liebe Stromrollerkinder, wenn ihr künftig einem solchen begegnet. Macht schön Platz, habt Ehrfurcht und Respekt vor den Erwachsenen. Die fahren nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil sie von A nach B müssen und dafür vernünftigerweise das Rad nehmen. Übrigens bei Wind und Wetter, auch wenn es regnet oder schneit. Da möchte ich euch mit euren Legolandrädchen mal sehen. Und, ach ja, umweltfreundlich wollt ihr sein? Jetzt mal von der Entsorgungsfrage eines Akkus ganz abgesehen: In Paris waren die Roller bereits nach vier Wochen Schrott. Nun versichern die Hersteller, sie arbeiteten an neuen Modellen, die zwölf Monate halten sollen.

Oh, là, là, kann man da nur sagen, ein volles ganzes Jahr? Potzblitz. Nur kurz mal so als Hintergrundinformation: Meine Freundin Claudia fährt ein Rad, das ihr Opa im Jahre 1952 gekauft hat. Und wisst ihr was? Sie sieht darauf atemberaubend cool aus.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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