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Dürre in Ostafrika zwingt zu schnellem Handeln

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Folgen der Dürre: verendete Nutztiere in Südsomalia.
Folgen der Dürre: verendete Nutztiere in Südsomalia. © Michael Tsegaye/Save the children /dpa

Die Katastrophe war absehbar. Nötig sind mehr Hilfsgeld und die Einbindung der Menschen vor Ort, schreibt Florian Westphal von der Organisation Save the Children.

Seit Monaten ist Hawo unterwegs. Drei Esel tragen alles, was die Mutter von sieben Kindern aus ihrem Dorf mitnehmen konnte. Auf einem kauert ihr zweijähriger Sohn unter einem Sonnenschutz aus Ästen und Säcken. An den Flanken der mageren Tiere baumeln blaue Kanister. Sie sind leer. Die Familie findet nicht, was sie so dringend braucht: Wasser und Weideland. Ringsum nur ausgedörrte Erde und kahles Gestrüpp. Wohin gehen? Hawo, deren Namen wir zu ihrem Schutz geändert haben, weiß es nicht.

Ich treffe die 49-Jährige in Somali im Osten Äthiopiens. Wie im Nachbarland Somalia und der Region Turkana in Nordkenia wütet hier nach 2011 und 2017 die dritte große Dürre. Viele sagen, es sei auch die schlimmste. Unerbittlich facht die globale Klimakrise die Trockenperioden an, die in immer kürzeren Abständen auftreten. Die Zahl der Menschen, die am Horn von Afrika unter extremem Hunger leiden, hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt – von zehn Millionen auf über 23 Millionen. Die Zeit läuft davon, doch Hilfsgelder fließen immer noch viel zu zögerlich.

Vorausschauend handeln

Wie kann es sein, dass wir elf Jahre, nachdem in Ostafrika Hunderttausende der großen Dürre von 2011 zum Opfer gefallen sind, scheinbar nichts gelernt haben? Der Bericht „Dangerous Delay 2: The Cost of Inaction“, den Oxfam und Save the Children am Mittwoch veröffentlichen, gibt Antworten. Er beleuchtet, wo Regierungen, Hilfsorganisationen und Geber erfolgreich waren, aber auch, was noch geschehen muss, um vorausschauender zu handeln und schneller und umfassender auf Dürren zu reagieren, damit vor allem Kinder vor Hunger geschützt werden.

Was müssen wir also in Zukunft besser machen? Vor allem müssen wir enger mit den Betroffenen zusammenarbeiten.

Der Autor

Florian Westphal ist Geschäftsführer von Save the Children Deutschland.

Denn die Menschen vor Ort sind die Ersten, die eine Krise kommen sehen. Behörden und Helfende tun gut daran, genau diese Menschen einzubinden und sich mit Gemeindevertreter:innen und lokalen Organisationen abzustimmen. Und sie sollten Betroffene stärker als bisher mit Bargeld unterstützen, damit sie sich so schützen können, wie sie es selbst für richtig halten. Beispiele hierfür gibt es viele: So können die Menschen Wasserlager bauen, Brunnen sanieren, bessere Weidegründe erkunden oder Futter anbauen, um es in Dürrezeiten zu verkaufen. Sie können Rinder und Kamele impfen und entwurmen und Hilfsfonds für den Notfall anlegen.

Mehr Geld für Prävention nötig

Familien sind dann nicht gezwungen, auf der Suche nach Wasser ihre Dörfer zu verlassen oder ihre Kinder arbeiten zu lassen, um der Armut zu entgehen; stattdessen können diese weiter zur Schule gehen. Trotzdem wurden 2020 gerade einmal fünf Prozent der globalen humanitären Mittel für lokale und nationale Helfer bereitgestellt. Auch für vorbeugende Maßnahmen muss mehr Geld zur Verfügung stehen – sowohl von Gebern als auch von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds.

Funktionierende Sozialsysteme stärken die Resilienz der Menschen und ermöglichen rasches Handeln in Notfällen. Wer bereits bei den Behörden registriert ist, kann schneller Hilfszahlungen erhalten. Diese sozialen Sicherungsnetze in den betroffenen Ländern weiter auszubauen und mehr Menschen Zugang zu verschaffen, ist ebenfalls ein wichtiger Schritt.

Problem Extremwetter

Frühwarnsysteme für Extremwetter haben sich seit 2011 deutlich verbessert. Dennoch sind die Folgen von Dürren oder Überschwemmungen komplex und regional sehr unterschiedlich. Auch hier braucht es mehr Zusammenarbeit mit Partnern in den Gemeinden, die lokale Wetterdaten bereitstellen und ihre Auswirkungen auf die Menschen vor Ort am besten einschätzen können.

Save the Children setzt sich dafür ein, dass die Basisgesundheitsversorgung gerade in entlegenen Gebieten weiter auf- und ausgebaut wird. Gleichzeitig lohnt der Versuch, jungen Menschen durch eine berufliche Ausbildung Einkommensmöglichkeiten jenseits der Viehzucht zu eröffnen, um ihre Resilienz gegenüber Dürren zu stärken.

Globale Klimakrise in den Griff bekommen

Schließlich muss es uns und anderen Industrienationen endlich gelingen, die globale Klimakrise in den Griff zu bekommen. Denn die Folgen unserer Halbherzigkeit, die Erderwärmung zu stoppen, tragen in erster Linie Länder wie jene am Horn von Afrika, die hierzu kaum etwas beigetragen haben.

Die Hoffnung, es künftig besser zu machen: Sie bleibt. Jetzt aber braucht es mehr als Strategien und Masterpläne. Jetzt braucht es schnelles Geld, damit nicht 350 000 Kindern allein in Somalia bis zum Sommer der Hungertod droht, wie die Vereinten Nationen warnen. Die Welt ist es ihnen schuldig.

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