Kolumne

Vom Düngen und anderen Dingen

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Kaum einer redet über Gülle, das Wetter ist zu warm und das TV-Quiz sowieso nicht live:So sieht es aus in Zeiten von Corona.

Ruhig und wissenschaftlich, jedenfalls wenig beachtet von der Öffentlichkeit haben sie 144 beziehungsweise 368 Jahre lang gewirkt. Doch jetzt haben die US-amerikanische Johns-Hopkins-Universität und die deutsche Akademie der Wissenschaften Leopoldina schlagartig Spitzenpositionen in den täglichen Nachrichten erobert.

Auch die Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts mit seinen knapp 130 Jahren zählen plötzlich zum Dauermobiliar der Medien-Berichterstattung. Corona dominiert die Nachrichtenlage und offenbart dabei so manches.

Selbst die ebenso überfällige wie heftig umstrittene Verabschiedung der neuen Düngeverordnung durch den Bundesrat kam nur kurz in den Medien vor. Dabei hätte sie zahlreiche gepfefferte Kommentare verdient, denn der flaue Beschluss erfolgte nicht etwa aus Einsicht, dass sich im Sinne einer besseren Umwelt wirklich etwas ändern muss, sondern aus Angst vor einem weiteren Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission.

Natürlich dachte der Bauernverband gleich über die Erfolgsaussichten einer Klage dagegen nach. Die Routineübung des Protests mit Treckern und Straßenblockaden durfte wegen der virusbedingten Ausgangsbeschränkungen nicht stattfinden. Das ist aus Umweltsicht an sich erfreulich. Es bleibt jedoch ein gülliger Beigeschmack, weil hier das demokratische Grundrecht auf Demonstration über die Seuchenregelung ausgehebelt werden konnte.

Die Nachrichten über Mitbürger, die vermeintliche Verstöße anderer Mitbürger gegen die Bestimmungen bei der Polizei anzeigen, kommen ungeachtet der vielzitierten Solidarität am unangenehmen Eindruck eines erstarkenden Denunziantentums nicht immer vorbei. Das gilt auch für Berichte über Anfeindungen von „Fremden“ in deutschen Urlaubsregionen, und es gilt natürlich auch für die gemeldete Fremdenfeindlichkeit gegenüber Deutschen in einigen exotischen Urlaubsländern, wo ihnen angelastet wird, sie hätten die Seuche dort eingeschleppt.

Andererseits wurde schon länger offenkundig, dass nicht alle Einheimischen ihre Heimat nur als klassische Urlaubsdestination für ausländische Touristen verstehen wollen. Gerade der Wegfall von Ferienreisen in Verbindung mit bitter aufgezwungener Freizeit wegen Kurzarbeit oder durch flexible Zeitgestaltung dank Homeoffice (das mit Heimarbeit nicht wirklich sinnvoll zu übersetzen ist) hat ja Folgen: Beides steigert das Verlangen, Ausgangsbeschränkungen bis an die Grenze des je nach Bundesland Empfohlenen oder Erlaubten auszureizen, um unbeschwert Sonne zu tanken.

Wer will sich schon, zumal gerade im Frühling, diese kleine verbliebene Freude durch sorgenvolle Gedanken um den Klimawandel kaputt machen? Dabei ist es viel zu warm, viel zu trocken für die Jahreszeit. Doch darüber jammern – verständlicherweise – derzeit nur Försterinnen, Bäuerinnen und eingefleischte Gartenbesitzerinnen sowie ihre männlichen Kollegen.

Und plötzlich offenbaren viele Fernsehshows und Quizrunden, die einem vorgaukeln, Livesendungen zu sein, dass sie lange vor der Pandemie aufgezeichnet wurden. Kenntlich sind sie am dicht gedrängten Publikum, manchmal auch durch entsprechende Einblendungen. Nur in ihnen kommt das Wort Corona sicher nicht vor.

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