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Das RTL-Dschungelcamp startet in die nächste Runde.
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Das RTL-Dschungelcamp startet in die nächste Runde.

Ich bin ein Star, holt mich hier raus

Dschungelcamp: Gaga, aber gekonnt

  • VonJörg Thadeusz
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Unser Kolumnist Jörg Thadeusz freut sich über die Existenz des RTL-Dschungelcamps. Auch wenn er die Kandidaten größtenteils nichts kennt, hat er einen klaren Favoriten - und sorgt sich um Maren Gilzer.

Ich freue mich wie wild. Nicht unbedingt auf das „Dschungelcamp“. Denn ich fürchte, ich werde es wieder nicht schaffen, richtig viel davon zu sehen. Aber ich freue mich über dessen schlichte Existenz.

Denn durch diese Sendung bekommt Castrop-Rauxel endlich nationale Bedeutung im deutschen Fernsehen. Für diejenigen von Ihnen, die finden, dass Castrop-Rauxel ein komischer Name für ein böhmisches Dorf ist: Diese romantisch-verträumte Stadt mit 75.000 Bewohnern schmiegt sich an seine Nachbarn Waltrop und Datteln. Es ist gewissermaßen das Long Island Dortmunds. Nur ohne Hochseezugang. Dafür mit der wahrscheinlich besten Konditorei Nordrhein-Westfalens.

Der lässige Micky

Der Marktplatz ist nicht ganz so schön. Sieht eher nach einem nordenglischen Sozialdrama aus, in dem 14-jährige Mädchen bereits zwei eigene Kinder an der Hand führen. Aus diesem Ort kommt aber vor allem ein Mann, ohne den dieses Camp im Pseudo-Urwald eben nur ein geschmackloser Klamauk wäre.

Die Moderatorin Sonja Zietlow würde ohne seine Pointen einfach nur rüberkommen wie eine Christdemokratin, die den Kampf mit dem Alter unter großen Anstrengungen momentan noch gewinnt. Und Daniel Hartwich wäre ohne die Würze aus Castrop nur callcenternett. Der Mann heißt Micky Beisenherz und ist ein ganz feiner Kerl. Was man im Mediengeschäft über ungefähr so viele sagen kann, wie sich in der Spitzenpolitik selbstlose Charaktere finden lassen.

Der lässige Micky steht aber nur symbolhaft für die Leichtigkeit, die im Fall des Dschungelcamps eben aus dem Westen kommt. Oder womöglich sogar kommen muss? Zwei Wochen bevor der vegetarische Ultra Dieter Kosslick seine wahrscheinlich wieder bitterernste Berlinale eröffnet, beginnt gekonntes Gaga-Fernsehen mit der Senderheimat Köln. Die Kandidaten kenne ich größtenteils nicht. Es sind einige sehr schöne junge Frauen dabei. Die ich bestimmt gerne kennenlernen würde, wenn ich Profi-Fußballer mit einem großen Kopfhörer auf den Ohren wäre. Selbstverständlich hoffe ich, dass Walter Freiwald gewinnt. Denn die Stimme des Harry-Wijnvoort-Kompagnons ist mir beinahe familiär vertraut. Ich hoffe, dass Maren Gilzer nichts Schlimmes widerfährt und sie früh mit viel Geld nach Hause fährt. Denn der schüttelte ich am Rande einer Veranstaltung einmal die Hand und würde sie gerne so edel parfümiert im Gedächtnis behalten.

Vor allem aber lese ich von unbekannten Freunden im sozialen Netzwerk, wie sehr sie sich auf das „Dschungelcamp“ freuen. Immer Menschen, die nicht in Berlin wohnen. Dieser Stadt, in der sich so viele als angebliche Kreative plustern. Es ist einfach eine Vorstellung, dass sich eine Bonner Politikstudenten-WG zum „Dschungelcamp“ einen fröhlichen Schaumwein öffnet. Während in einem Nebengelass der Berliner Volksbühne Gesinnungsdepressive den Untergang des Kapitalismus herbeibibbern.

Außerdem: In jeder Minute „Dschungelcamp“ kann bei RTL keine Todenhöfer-Reportage laufen. Die Einzigen, die in Australien zu Schaden kommen, sind religiös indifferente Maden. Das ist in diesen Tagen so tröstlich, dass ich Castrop-Rauxel vorerst zu meinem persönlichen Jerusalem erklären möchte.

Jörg Thadeusz ist Moderator.

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