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Heftiger Regen und Gewitter in Bayern: Über Altenmarkt hat sich was zusammengebraut.
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Heftiger Regen und Gewitter in Bayern: Über Altenmarkt hat sich was zusammengebraut.

Gastbeitrag

Dreiklang fürs Klima

Katastrophenschutz, Strukturwandel und globales Handeln: Das sind die großen Aufgaben für die nächste Regierung. Der Gastbeitrag von Andreas Kuhlmann.

Längst noch nicht sind die Hilfsmaßnahmen abgeschlossen und noch immer lässt sich nicht abschätzen, wie teuer und anstrengend der Wiederaufbau in den von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen Deutschlands wird. Klar aber ist bereits: Sie wird – auch durch die Parallelität der Flut-, Dürre- und Feuerkatastrophen an vielen Orten der Welt – dem Energie- und Klimadiskurs eine markant andere Richtung geben.

Ja, der Klimawandel ist da. Schneller und vor allem gravierender als auch von vielen Wissenschaftlern gedacht. Die vollständige Wirkung dieser Ereignisse ist kaum modellierbar, denn das dynamische System der Atmosphäre, der Ozeanografie und der Meteorologie mit all seinen Kipppunkten und Wechselwirkungen ist viel zu kompliziert, als dass es persönliches Leid in den unterschiedlichsten Regionen der Welt abbilden könnte.

Erlebte Katastrophen sind überdies wirkmächtiger als ein langsam ansteigender gemittelter globaler Trend, von dem man in den Nachrichten hört. Kaum jemand ist wirklich vorbereitet, kaum jemand mit Herz und Verstand kann sich dem entziehen. Krisen und die berechtigte intensive Berichterstattung über den Klimawandel machen den Menschen bewusst, wie gewaltig die Herausforderungen sind.

Es ist ein Dreiklang, den der Klimawandel mit all der bereits sichtbaren Brutalität einfordert. Fortan müssen Anpassungsmaßnahmen und Katastrophenschutz, eine deutlich ambitioniertere Emissionsreduktion sowie eine konsequent geführte internationale Klimapolitik im Mittelpunkt stehen.

Katastrophenschutz: Bei Anbahnung von Gefahren und Katastrophen ist es ein menschliches Bedürfnis, sich selbst zu schützen: die Familie, das unmittelbare Umfeld, das Dorf oder die Kommune. Immer mehr rückt also die Frage in den Vordergrund, wie das eigene Umfeld in Zukunft gesichert werden kann. Damit Wälder nicht abbrennen, Landwirtschaft nicht unter Dürre leidet, man in der nächsten Großstadthitze bestehen und das eigene Haus vor der nächsten Flut schützen kann.

Auch die Sorge um klimabedingte Migration wird stärker in den Vordergrund rücken. Schwierige Debatten stehen uns bevor. Neue Anforderungen entstehen, die teuer, aufwendig und gesellschaftspolitisch schwierig werden.

Klimaziele: Das Verständnis für mangelnde Entschlossenheit beim Klimaschutz wird schwinden. Das heißt: Raus aus der Defensive! Klimaneutralität muss schnell erreicht werden. So schnell wie möglich. Auch das wird Konsequenzen haben: Neue Technologien und neue Jobs werden schneller kommen (müssen).

Aber auch der Strukturwandel in betroffenen Regionen wird sich beschleunigen müssen. Menschen werden sich dadurch zurückgesetzt fühlen, neue gesellschaftliche Spannungen entstehen. Allein mit klimapolitischen Instrumenten wird dem nicht zu begegnen sein. Ein bisschen Rückverteilung von CO2-Preis-Geldern hier oder da wird sicher nicht reichen.

Die notwendigen Entwicklungen der nahen Zukunft treffen auf jene der Vergangenheit, die zu einer größer werdenden Schere zwischen sozial schwachen und einkommensstarken Milieus geführt hat. Die transformativen Veränderungen bedürfen aber eines stärkeren Fokus auf die Leistungsfähigkeit aller sozialen Gruppen.

Die richtige Steuer-, Sozial-, Bildungs- und Kommunalpolitik sind jetzt gefragt. Anderenfalls drohen eine Vertiefung gesellschaftlicher Spannungen und wachsende Polarisierung. Eine Gemengelage, die den klimapolitisch erforderlichen Maßnahmen den Boden entziehen könnte.

Internationale Klimapolitik: Sie ist gnadenlos unterschätzt im gegenwärtigen deutschen Diskurs. Eine auf globalen Klimaschutz ausgerichtete Außenpolitik muss zum zentralen Politikfeld Deutschlands und der EU werden.

Wenn man dem lobenswerten European Green Deal etwas Kritisches entgegenhalten kann, dann dass er zu wenig über den Tellerrand der EU schaut. Ja, er enthält internationale Komponenten, aber das ist zu wenig. Jede Tonne CO2 trägt zum Klimawandel bei – ob in Deutschland oder sonst in der Welt ausgestoßen. Es braucht eine internationale Handelspolitik, die den geplanten europäischen CO2-Grenzausgleich und in Zukunft einzuführende Leitmärkte für klimaneutrale Produkte im internationalen Wettbewerb erst möglich macht.

„I want you to panic“, hat Greta Thunberg den Wirtschaftsführern der Welt 2019 in Davos zugerufen. Fast eine düstere Prophezeiung. Angst aber ist keine gute Begleiterin. Es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren und eine kluge Politik zu entwickeln, die den obigen Dreiklang zu einem konsistenten Pfad macht. Personelle und finanzielle Ressourcen müssen so effizient wie möglich eingesetzt werden. Die nächste Bundesregierung braucht viel Managementkompetenz, Entschlossenheit und eine eindeutige Richtung.

Andreas Kuhlmann ist seit 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Deutschen Energie-Agentur.

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