+
Nicht mehr ganz so eng miteinander: Donald Trump und Ex-FBI-Chef James Comey.

Comey-Entlassung

Donald Trumps Risiko

  • schließen

Die Art der Entlassung des FBI-Chefs James Comey spiegelt den Charakter von Donald Trump perfekt wider. Der Rauswurf offenbart mehr, als er verschleiert. Ein Kommentar.

Erst Freund, jetzt Feind: US-Präsident Donald Trump hat sich selbst noch nie für sein Geschwätz von gestern interessiert. Das zeigt sich auch in seinem neusten Manöver. FBI-Chef James Comey ist kurzerhand seinen Job bei der US-Bundespolizei los. Der Präsident reagiert damit auf die Empfehlungen seines Justizministers Jeff Sessions und dessen Stellvertreters Rod Rosenstein: Comey sei nicht mehr tragbar aufgrund von Verfehlungen in den Ermittlungen um die E-Mail-Affäre seiner ehemaligen Konkurrentin Hillary Clinton.

Die Entlassung ist ein weiteres Kapitel in Trumps Politkarriere, die seinen Charakter perfekt widerspiegelt: Wie sooft sind seine Handlungen überraschend, opportunistisch und gestützt durch fadenscheinige Begründungen.

Die E-Mail-Affäre hat Comey natürlich nicht sein Amt gekostet. Trump hätte ihn aus diesem Grund schon viel früher entlassen können. Noch im Wahlkampf war Trump dem FBI-Mann sogar dankbar, dass er die Affäre wenige Tage vor der Wahl noch einmal neu aufrollen lies. Das Ergebnis ist bekannt: Die Ermittlungen brachten Clinton weiter ins Straucheln, obwohl sie keine neuen Erkenntnisse lieferten. Comey brachte mit seinem Manöver Trump dem Wahlsieg einen entscheidenden Schritt näher.

Doch seit einigen Monaten entpuppt sich der ehemalige Wahlhelfer Comey als lästiger Ermittler gegen den Präsidenten. Zuerst verneinte er die von Trump geäußerten Abhörvorwürfe gegen dessen Vorgänger Barack Obama. Seit einiger Zeit interessierte sich der Chefermittler vor allem für die möglichen Verbindungen zwischen Trump und Russland. Der Umstand, dass Comey und das FBI sich offenbar nicht von Trump kontrollieren ließen, dürfte der wahre Grund für seine Entlassung sein.

Der Zeitpunkt des Rauswurfs ist für Trump günstig:  Zum einen verstrickte sich Comey zuletzt vor dem Kongress in falsche Angaben zu der Mailaffäre. Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, ist offensichtlich. Denn wenn sich jemand mit dem Verstricken in Widersprüchen auskennt, ist es Donald Trump.  Aktuell ist zudem Russlands Außenminister Sergej Lawrow zu Besuch in Washington.  Geplant war zunächst nur ein Treffen mit seinem Amtskollegen Rex Tillerson. Stunden nach Comeys Entlassung bestätigte das Weiße Haus, dass Lawrow auch Trump treffen werde.

Der Rauswurf Comeys offenbart mehr, als er verschleiert: Warum sollte Trump den Ermittler entlassen, wenn er durch Comeys Ermittlungen doch nichts zu befürchten hat? Mit der Ernennung eines neuen ihm hörigen  FBI-Chefs könnte für den US-Präsidenten erst einmal Ruhe einkehren. Das Risiko, dass er über seine möglichen Verstrickungen zu Russland stolpern wird, sind dadurch aber nur gestiegen. Viele Kommentatoren ziehen schon den Vergleich zur Watergate-Affäre um den ehemaligen Präsidenten Richard Nixon. Die Affäre nahm damals durch das sogenannte „Saturday Night Massacre“ Fahrt auf, als Nixon den Sonderermittler Archibald Cox entließ. Als Resultat trat er als bisher einziger US-Präsident von seinem Amt zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare