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Nicht die Einheit, sondern die Spaltung der Gesellschaft ist Trumps Geschäftsmodell.

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Der Spalter als Versöhner

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Was US-Präsident Donald Trump in seiner Rede vorträgt, ist nicht „die Agenda des amerikanischen Volkes“, wie er behauptet.

Mal klangen die Worte pathetisch, mal leidenschaftslos abgelesen. Auf eine klare Botschaft wartete man vergeblich. Und dann saß minutenlang auch noch die rote Krawatte, das Markenzeichen des Präsidenten, ziemlich schief. Bei seiner Rede zur Lage der Nation wollte Donald Trump den Staatsmann geben. Doch diese Rolle steht dem Poltergeist einfach nicht.

Seine Forderung nach Aussöhnung hatte er vor der Rede mit beleidigenden Ausfällen gegen führende Demokraten konterkariert. Das Angebot zur überparteilichen Zusammenarbeit knüpfte er an die ungeheuerliche Bedingung, dass der Kongress seine Affären nicht mehr untersucht. Die eigene Basis feuerte er mit der Diffamierung von Migranten und Abtreibungsbefürwortern an.

Ein paar versöhnliche Floskeln ändern nichts am Befund: Nicht die Einheit, sondern die Spaltung der Gesellschaft ist Trumps Geschäftsmodell. Den wachsenden Rassismus, die tägliche Waffengewalt und den Klimawandel erwähnte er nicht. Was der Präsident vortrug, war nicht „die Agenda des amerikanischen Volkes“, wie er behauptet. Es war die Agenda von Donald Trump. Dass der Narzisst den Unterschied nicht versteht, sagt mehr über die Lage der amerikanischen Nation aus als ein 90-minütiger Vortrag vom Teleprompter.

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