US-Präsident Donald Trump in Phoenix, Arizona.
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US-Präsident Donald Trump in Phoenix, Arizona.

Afghanistan-Strategie

Donald Trumps Mogelpackung

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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In Afghanistan setzt US-Präsident Donald Trump auf Mittel, die bisher schon nicht erfolgreich waren. Doch das häufig völkerrechtswidrige Morden macht weder Amerika groß, noch hilft es Afghanistan. Unser Kommentar.

Bei US-Präsident Donald Trump ist nie drin, was draufsteht. Die vollmundig angekündigte neue Strategie für Afghanistan ist bei genauerem Hinsehen nur die Ankündigung, einfach weiterzumachen, wie bisher. Und das ist keine gute Nachricht. Denn nur wenig ist gut am Hindukusch, wo etwa die Zahl der Anschläge und der Toten seit dem Abzug der internationalen Kampftruppen im Jahr 2014 jährlich steigt – von einem traurigen Rekord zum nächsten. Doch statt darüber zu sprechen, was in den vergangenen knapp 16 Jahren des internationalen Einsatzes in Afghanistan falsch lief und was besser gemacht werden müsste, setzt Trump auf Mittel, die schon bisher nicht sonderlich erfolgreich waren. 

So werden US-Soldaten weiter Terroristen töten. Das kommt bei Trumps Anhängern sicher gut an. Das häufig völkerrechtswidrige Morden macht aber weder Amerika groß, noch schützt es US-Bürger oder US-Einrichtungen. Und Afghanistan hilft es auch nicht. Die Aufständischen haben sich davon jedenfalls nicht stoppen lassen. Die vielen zivilen Opfer – auch Kollateralschäden genannt – der Angriffe vergrößern zudem das Misstrauen der Afghaninnen und Afghanen. 
Wenig hilfreich sind die Widersprüche Trumps. Einerseits will er im Unterschied zu seinem Vor-Vorgänger George W. Bush keinen Staat aufbauen, andererseits soll die afghanische Regierung mehr Hilfen erhalten, um mit der eigenen Armee gegen die Taliban zu kämpfen - und damit gleichzeitig jenen Staat zu verteidigen und durchzusetzen, der mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft entstand. 

Trump hätte sich auch die abgedroschenen Appelle sparen können, wonach die afghanische Regierung die Korruption und Pakistan den Terror bekämpfen soll. Stattdessen hätte er sagen sollen, wie er dies mit welchen Mitteln erreichen will. 

Ähnliches gilt für den Vorschlag, andere Staaten der Region einzuspannen, den Konflikt zu lösen. Doch wer Indien ins Spiel bringt, der muss auch Iran und China in Verhandlungen einbinden. Doch wie das gehen soll, sagte Trump nicht. Er hätte übrigens Hillary Clinton um Rat fragen können. Sie versuchte als US-Außenministerin erfolglos, diese Idee umzusetzen.

Sicher, es hätte schlimmer kommen können. Wenn Trump seinen ursprünglichen Plan umgesetzt und den Abzug der US-Soldaten befohlen hätte. Dies hätte den afghanischen Konflikt angeheizt. Für Trumps Wende lobten ihn viele – allen voran, die umstrittene afghanische Regierung, die dank der weiteren Unterstützung im Amt bleiben kann. Ähnlich erleichtert waren andere Regierungen und der Nato-Chef Jens Stoltenberg. Doch Erleichterung ersetzt keine Strategie. Ohne sie wird der Schlamassel am Hindukusch einfach weitergehen. 

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