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Donald Trump auf der UN-Vollversammlung.
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Donald Trump auf der UN-Vollversammlung.

UN-Vollversammlung

Donald Trumps erhellende Weltsicht

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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Drohungen, Lob des Nationalismus, Aufrüstung: Vielleicht trägt der Präsident ungewollt dazu bei, dass wir sehen, wie es um die Welt steht. Der Leitartikel.

Präsident Donald Trump hat mal wieder Tacheles geredet: Nordkorea muss atomar abrüsten, sonst riskiert es, „völlig zerstört“ zu werden. Ein besseres Argument für eine atomare Aufrüstung als diese Drohung ist nicht denkbar. Niemand weiß, wie Nordkorea einzudämmen ist, aber völlig klar ist: Wem mit der Atombombe gedroht wird, der weiß, dass die einzige Möglichkeit, sich zu verteidigen, darin besteht, auch eine zu haben.

Das ist die Stelle, an der Trumps Unwille, sich wirklichen Verhandlungen auszusetzen, deutlich wird. So gerne er vom Deal spricht, so sehr achtet er darauf, in Verhandlungen als der Überlegene hineinzugehen, der den anderen seinen Willen aufzwingen kann. Da das immer seltener funktioniert, sieht er es als seine Hauptaufgabe, die USA wieder groß zu machen.

Donald Trumps Umgang mit dem fernen Osten

So beängstigend die Lage im fernen Osten und Trumps Umgang damit ist – vielleicht ist etwas anderes in Trumps Rede noch deutlich schlimmer: Er nutzte die Vereinten Nationen dazu, kruden Nationalismus zu predigen. Natürlich sei jeder der in den UN vertretenen Staaten sich selbst der Nächste, so Trump. Es ginge immer um  die eigene Souveränität, die eigene Sicherheit, den eigenen Wohlstand. Das hämmerte er den versammelten Staatsführern fünf-, sechsmal ein.

Ebenso energisch betonte Trump, dass die einzelnen Staaten unterschiedliche Organisationsformen, auch unterschiedliche Werte verträten. Das halte er für richtig. Die USA hätten niemals versucht, anderen ihre Sicht der Dinge aufzuzwingen. Sie hätten zum Beispiel, als sie als Sieger aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgingen, nicht ihren Herrschaftsbereich erweitert, sondern Europa auf die Beine geholfen und die Vereinten Nationen gegründet. Eine eigentümliche Sicht. Sie lebt davon, die Existenz der Sowjetunion und den Konflikt mit ihr zu vergessen.

Patriotismus und Nationalismus wieder beleben

Es gehe darum, so Trump, Patriotismus und Nationalismus wieder zu beleben. Die Stärke der UN läge in der Stärke der einzelnen Nationen. Zwischen ihnen müssten Deals geschlossen werden zum gegenseitigen Nutzen. Es ginge darum nicht an, dass die USA als nur eines von 193 Ländern in den UN mehr als 22 Prozent der Aufwendungen der Organisation finanzierten.

Wir haben es heute mit die ganze Menschheit bedrohenden Problemen zu tun – man nehme nur Bevölkerungs- und Klimaentwicklung – und Trump stellt sich in der einzigen Institution, in der die überwältigende Mehrheit der Nationen zusammensitzen, hin und fordert sie auf, sich ja um nichts als um ihre eigenen Interessen zu kümmern.

Es wäre falsch zu behaupten, das würfe uns um Jahre zurück. Tatsächlich läuft es zu 90 Prozent eh genau so ab, wie Trump fordert, dass es sein soll. Aber die Aufgabe wäre doch, da endlich herauszukommen.

Struktur der UN schadet der Weltgemeinschaft

Selbst die, die das wollen, wissen nicht wie. „Die UN stärken“ heißt es. Aber welche UN und wen darin? Die derzeitige Struktur der UN schadet der Weltgemeinschaft. Dieser Sicherheitsrat schafft Unsicherheit. Die Welt hat sich in den vergangenen 70 Jahren völlig geändert. Sie braucht neue Vereinte Nationen. Die werden kommen. Es ist allerdings ganz unwahrscheinlich, dass sie aus den heutigen UN sich fortentwickeln werden.

Die Aufgaben, vor denen die Weltgemeinschaft steht, können nicht angegangen werden mit der Zögerlichkeit, mit jenem „Einen Schritt vor, zwei Schritte zurück“, die sie bisher an den Tag legte. Trumps Politik, heißt es, zerstöre die UN. Vielleicht wäre das gut. Die List der Vernunft besteht ja darin, dass sie sich der Unvernünftigen bedient.

Noch aber regiert Trump und nicht die Vernunft. Also fordert er die Anwesenden auf, einer, ohne sie so zu nennen, „Koalition der Willigen“ beizutreten, die den Iran, Nordkorea und die Unterstützer des internationalen Terrorismus bekämpfen wird. Unter der Führung des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der USA, also unter seiner, das sagt er nicht, aber das macht seine Gestik deutlich.

Gleich zu Beginn seiner Rede hat Trump die Vereinten Nationen darauf hingewiesen, dass die USA bald ihrem Militär mehr Geld zur Verfügung stellen würden, als sie das jemals in der Geschichte getan haben. Also mehr als im Zweiten Weltkrieg. Das zusammen mit der Drohung gegen Nordkorea wird in Moskau und Peking zu verstärkten Aufrüstungsbemühungen führen.

Aber auch in vielen Ländern der Peripherie werden die unterschiedlichsten Regimes sich auf die Gefahr von Interventionen oder gar auf diese selbst vorbereiten. Der Atomwaffensperrvertrag ist schon vielfach gebrochen worden. Trumps Politik beflügelt das vielerorts bereits bestehende Verlangen nach einer eigenen Nuklearbewaffnung in immer mehr Staaten.

So fürchterlich Donald Trump ist, er hilft uns doch, die neuen Verhältnisse klarer zu sehen. Nicht weil er sie uns zeigt. Sondern sein Wunsch, eine Harry-Truman-Welt – ohne die UdSSR – auferstehen zu lassen, wirkt als Kontrastmittel, das uns unsere Zeit genauer erkennen lässt.

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