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Da war Trumpland noch in Ordnung: Donald Trump, Paul Manafort und Ivanka Trump beim Parteitag der Republikaner im Jahr 2016.

Donald Trump

Trumplands feine Gesellschaft

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Wenn man sich mit Kriminellen umgibt und sich von ihnen beraten lässt, zu was macht das einen? Manchmal zum US-Präsidenten. Ein Kommentar zur Entourage von Donald Trump.

Es hat immer noch niemand US-Präsident Donald Trump eine Straftat nachgewiesen. Schon gar nicht eine, die die hohe Hürde eines Amtsenthebungsverfahrens nehmen könnte. Das ist auch nach der Verurteilung von Paul Manafort so. Der einstige Wahlkampfmanager Trumps wurde wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt.

Dafür kann Trump nichts, er ist nicht Manaforts Steuerberater. Sein Bedauern über die damals bekannt gewordenen Anschuldigungen brachte er natürlich trotzdem per Twitter zum Ausdruck, verbunden mit einem mafiamäßigen Lob an Manafort, weil der dicht hielt und nicht mit der Justizbehörde kooperierte. 

Im Gegensatz zu Michael Cohen. Auch hier konnte Trump nichts dafür, dass sein Ex-Anwalt, mittlerweile zu drei Jahren Haft verurteilt, vor dem Kongress gelogen hat. Cohen behauptet etwas anderes, aber beweisen kann er nichts. Es ist auch nicht Trumps Verschulden, dass sowohl sein ehemaliger nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn als auch sein außenpolitischer Berater George Papadopoulos dem FBI eine Falschaussage gegeben haben. Oder dass sein Ex-Politikberater Richard Gates Steuern hinterzogen hat.

Roger Stone: Fadenkreuz und Richard Nixon

Es ist kein Verbrechen, sich mit Kriminellen zu umgeben, und es macht auch niemanden zum Verbrecher. Es lässt aber mutmaßen über die Gepflogenheiten und moralischen Standards, die da herrschen in Trumpland, in dem auch Roger Stone viel Zeit verbrachte. Der langjährige Politstratege der Republikaner, Spin Doctor nennt man das in den USA, ist ebenfalls angeklagt. Wegen Falschaussage, Zeugenbeeinflussung und Behinderung einer Untersuchung. Stone hatte ein Bild der für ihn zuständigen Richterin auf Instragram veröffentlicht, mit einem Fadenkreuz am oberen Bildrand.

Dafür entschuldigte sich Stone. Es sei ein Missverständnis gewesen, er habe das Fadenkreuz für ein keltisches Symbol gehalten, sagte der Mann, der sich (kein Witz) ein Portrait von Ex-Präsident und Superschurke Richard Nixon zwischen die Schulterblätter tätowieren lies.

Es ist kein Verbrechen, sich von solchen Personen beraten zu lassen, genauso wie es auf der Hand liegt, was es über jemanden sagt, wenn seine Entourage aus Steuerhinterziehern, Lügnern und Betrügern besteht.

Lederjacke aus Pythonhaut

Ändern wird sich nach dem Urteil gegen Manafort ganz sicher nichts. Man brauchte von Anfang an keinen Richter, um festzustellen, wessen Geistes Kind Trumps Vertrauter ist, der für Beratertätigkeiten Rechnungen in Millionenhöhe an Diktatoren wie Mobutu Sese Seko oder Ferdinand Marcos geschrieben hat, und der 18.500 US-Dollar für eine Lederjacke aus Pythonhaut bezahlte.

Vom Wahlkampfmanager zum Gefängnisinsassen: Paul Manafort vor der Kamera des Sheriffs von Virginia.

Trump wird einfach weiter machen. Es gibt keinen einzigen Anklagepunkt gegen ihn, der ein Amtsenthebungsverfahren begründen würde. Die Hoffnung der liberalen Kräfte in den USA, dass Sonderermittler Mueller derartiges zu Tage fördern wird, schwindet zusehends.

Laut einer aktuellen Umfrage sind 64 % der registrierten Wählerinnen und Wähler in den USA der Meinung, dass Donald Trump in der Vergangenheit an kriminellen Aktivitäten beteiligt war. Unter den republikanischen Wählerinnen und Wählern sind es immer noch 33 Prozent.

Gleichzeitig sind aber 82 Prozent dieser Gruppe der Meinung, dass Trump der richtige Mann für den Job des Präsidenten ist. Ihnen ist ganz offensichtlich egal, dass er damit prahlt, Frauen belästigen zu dürfen, dass er sich offen mit Neonazis und Rassisten solidarisiert, dass er Schweigegelder bezahlt oder Diktatoren hofiert.

Es wäre absurd zu glauben, dass kriminelle Freunde auf einmal einen Unterschied machen.

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