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Erst killen, dann nachbauen: Eine riesige Mammutfigur auf dem Weg ins Museum.
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Erst killen, dann nachbauen: Eine riesige Mammutfigur auf dem Weg ins Museum.

Kolumne

Die Dinos vom Hühnerhof

  • VonKarl-Heinz Karisch
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Wäre es nicht eine wunderbare Verlockung, den Beutelwolf auf Tasmanien wieder erstehen zu lassen? Oder den tumben Mammut aus den Weiten Sibiriens? Vielleicht sogar den furchteinflößenden Säbelzahntiger? Aber darf der Mensch das überhaupt? Erst killen, dann nachbauen?

Nee, ist der süß! Zum Kuscheln. Der kleine Wonneproppen hat zwar noch keinen Namen, aber schon alle Herzen gewonnen. Der frisch geborene Pandabär ist der Knüller im Zoo von Washington. Wenn ich ein bisschen rücke, passt er auf mein Sofa. Aber gehört er da hin? Wir haben die possierlichen Bären aus dem chinesischen Bambuswald, viel hat nicht gefehlt, fast völlig ausgerottet. Wir sind nämlich einerseits Meister im Ausrotten, andererseits gibt es dann doch einige wenige Tierchen, die uns reuen, wenn sie weg wären. Und zu denen gehört, ganz klarer Favorit, der Pandabär.

Günstig in diesem Zusammenhang ist, dass unsere Tiermediziner mittlerweile wahre Wunder bei der künstlichen Befruchtung vollbringen können. Aber es gibt unzählige Kreaturen, die sich, seitdem wir die unumstrittenen Herren des Planeten sind, längst komplett von uns verabschiedet haben.

Wäre es nicht eine wunderbare Verlockung, den Beutelwolf auf Tasmanien wieder erstehen zu lassen? Oder den herrlich unbeholfenen Dodo, einen Vogel aus Mauritius? Oder den tumben Mammut aus den Weiten Sibiriens? Vielleicht sogar den furchteinflößenden Säbelzahntiger? Aber darf der Mensch das überhaupt? Erst killen, dann nachbauen?

Pandabär, rück' ein Stück

Warum denn eigentlich nicht! Es wird ihnen sehr viel besser gehen als den meisten Elefanten, Giraffen oder Delfinen im Zoo, von den bemitleidenswerten Kreaturen in unseren Tiermastfabriken ganz zu schweigen. Pandabär, rück’ ein Stück. Wir brauchen Platz auf der Couch.

Ganze Forschergruppen arbeiten weltweit daran, Erbgut von ausgestorbenen Tieren zu gewinnen und zu zerlegen. Material in Form von Knochen oder Gewebe ist reichlich vorhanden. Die genetischen Profile von ägyptischen Mumien und vom Neandertaler liegen schon auf dem Tisch.

Stopp! Wer will die denn? Wirklicher Ruhm winkt nur jenen, die den König aller ausgestorbenen Tiere zurück ins Leben basteln: Tyrannosaurus rex. Dessen vorerst endgültiger Abgang vor Millionen Jahren geht nämlich ausnahmsweise nicht auf unser Kerbholz, das waren andere Mächte aus dem All.

Ist es wirklich schon 20 Jahre her, dass die Horror-Dinos in Steven Spielbergs Film „Jurassic Park“ mit modernster Gentechnologie zu neuem Leben erweckt wurden? Wissenschaftlicher Berater für „Jurassic Park“ war damals der US-amerikanische Paläontologe Jack Horner. Der entdeckte die ersten Dino-Embryonen im Eigelege. Durch ihn wissen wir auch, dass Dinos ihre Brut liebevoll aufgepäppelt haben. Und wenn sie klein sind, sind sie alle süß, selbst der Mensch.

Horners Traum vom Chickenosaurus

Nur müssen wir uns, fürchte ich, noch kräftig in Geduld üben. Horner forschte nämlich zunächst im Hühnerstall. Das ist überhaupt nicht lustig für das arme Federvieh. Denn das, was wir gern als Broiler oder Brathendl verputzen, ist in Wahrheit eigentlich ein Dinosaurier. Ein paar Schalter im Erbgut zurückgelegt und schon rasen gefiederte Dinos mit langem Schwanz, spitzen Zähnen und kurzen Ärmchen über den Hühnerhof. Bislang allerdings passiert das nur in Horners Traum vom Chickenosaurus.

Sicher, all das ist Wissenschaft mit einem kräftigen Schuss Sensationslust und hohem Einsatz: Allein in Deutschland „verbrauchen“ Forscher rund drei Millionen wehrloser Versuchstiere jährlich. Dagegen erscheint der Neubau von Mammut und Dodo fast schon als ein edler Akt.

Und der Panda? Ich werde ihn bald vom Sofa schubsen, da kann er noch so traurig gucken.

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