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Dilletantismus bei VW

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Von: Harry Nutt

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Die Manipulationen des Konzerns geben Rätsel auf.

Nach dem Eingeständnis des VW-Konzerns,    Abgaswerte für US-amerikanische Diesel-Fahrzeuge manipuliert zu haben, reibt sich die Fachwelt die Augen. Unser Volkswagen? Warum so viel Dilettantismus?

Die „FAZ“ sucht Erklärungen: „Man braucht kein Verschwörungstheoretiker zu sein, um nicht an Zufälle zu glauben. Die Sitzung des Aufsichtsrats, in der Winterkorns Verlängerung beschlossen werden soll, ist für diesen Freitag anberaumt. Und, wie praktisch, in Frankfurt findet gerade die bedeutendste Automesse der Welt statt, die IAA, es ist also für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt. (…) Warum VW trotz des überschaubaren Nutzens das immense Risiko eingegangen ist, entdeckt zu werden, ist ein Rätsel. Warum der Konzern nicht längst reagiert hat, ein anderes.“

Die „SZ“ sieht die Branche in der Klemme. „Es droht eine eklatante Vertrauenskrise, aber nicht nur für VW. Der Fall könnte abstrahlen, auch auf die anderen deutschen Hersteller, die seit Jahren versuchen, ihre Dieselfahrzeuge als saubere Alternative zum Benziner auf dem US-Markt zu verkaufen. Da Amerikaner bei Diesel eher an Lkw als an Autos denken, war es in der Vergangenheit schwer, sie von der Sprit-Alternative zu überzeugen. Jetzt dürfte es fast unmöglich werden.“

„Spiegel online“ gibt sich überrascht: „Wer nimmt eigentlich Normzyklen für die Abgastests noch so richtig ernst? Niemand, der die Hintergründe kennt. Bei der Festlegung der Grenzwerte dürfen die verschiedenen Lobbygruppen ebenso mitreden wie über den Aufbau des Labors, in dem die Abgase schließlich gemessen werden. In etlichen Tests haben Umweltgruppen und Autoklubs bereits den Nachweis geliefert, dass die tatsächlichen Verbrauchs- und Schadstoffwerte teils eklatant von denen abweichen, die auf dem Prüfstand ermittelt wurden. Nach dem zweiten Bier räumen auch Ingenieure der Autohersteller immer wieder ein, dass bei der Abstimmung der Autos das Abgasverhalten auf der Normrunde entscheidenden Einfluss hat. (…) Wenn aber im Grunde jeder weiß, dass der Abgastest eine Farce ist, wo liegt dann der Betrug?“

Die „taz“ stellt die Politik infrage. „Um zu klären, ob die illegalen Manipulationen auch in Europa eingesetzt wurden, plant das Verkehrsministerium nicht etwa schnelle eigene Untersuchungen, durch die der Skandal in den USA aufgedeckt wurde. Stattdessen fordert die Regierung allen Ernstes vom Konzern selbst Informationen darüber ein, ob er auch in Deutschland betrogen hat. Und das ist erst mal alles. Diese Naivität und Hilflosigkeit ist schockierend. Aber sie ist leider symptomatisch für den Umgang der deutschen Politik mit den Autokonzernen: Statt diese zu kontrollieren und zu reglementieren, präsentiert sich die Bundesregierung regelmäßig als deren oberste Interessenvertretung.“

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