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Für oder gegen Assad: Der Westen ist sich uneins.
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Für oder gegen Assad: Der Westen ist sich uneins.

Terrorangst

Diktatoren-Domino des Westens

  • VonTom Schimmeck
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Auf den Terror mit Gewalt antworten zu wollen, ist nachvollziehbar. Doch es wird Zeit für eine ehrliche Zwischenbilanz. Diese muss sich anschauen, wie die Invasoren mit ihrer Verantwortung umgehen. Die Kolumne.

Eigentlich soll der Kolumnist ja den Kopf ein bisschen lüften. Das Leben leichter machen und ihm Charme geben. Doch die Zeiten sind nicht danach. Der Ton verschärft sich stündlich. Kriegslärm überall. Fahnen flattern, schon werden wieder „Schicksalsgemeinschaften“ beschworen. „Starke“ Führer nutzen ihre Chance. Die brauchen starke Gefühle, leben von Angst und Hass. Putin, Orbán und viele andere. In den USA gibt nicht nur Donald Trump diesem Affen Zucker. Wer nun zweifelt, verrät schnell das Vater- beziehungsweise Abendland.

Den Reflex kann ich wohl nachfühlen: Dass man auf all den Terror mit Gewalt antworten will. Rache nehmen, zurückschlagen! Den groben Keil in den groben Klotz hauen, Auge um Auge. „Denen“ eine Lektion erteilen. Mit Feuer und Schwert, mit G 38, Granaten, Tomahawks und Boeing-Bomben. Bumm. Damit „die“ – es folgt eine weit ausschweifende Handbewegung, die mitunter halbe Kontinente umschließt – es endlich kapieren. Weg mit denen. Schlussaus! Und dann frohe Weihnacht.

Ich verstehe die Angst. Glaube auch nicht, dass sich Terrorismus völlig gewaltlos stoppen lässt. Doch eine Stimmung ist keine Strategie. Es wird Zeit für eine ehrliche, kühle Zwischenbilanz. Diese muss sich anschauen, wie die heute reichen und mächtigen Staaten, die ja als Kolonialherren, Invasoren und durch Wirtschaftsmacht die Welt geformt haben, mit ihrer Verantwortung umgehen. Auch, wie sie die eigenen Gesellschaften managen. Sie muss auch ein paar Fakten zum Stand des „Krieges gegen den Terror“ zur Kenntnis nehmen. Der tobt seit 9/11 mit voller Wucht, schon vierzehn furchtbare Jahre.

Er ist ein Fehlschlag und ein Katastrophe. 8000 Soldatinnen und Soldaten westlich dominierter Allianzen sind im Irak und Afghanistan gestorben. Doch die Zahl der toten Zivilisten dort wird auf mindestens 350 000, von anderen Quellen auf weit über eine Million geschätzt. Dazu kommen hunderttausende Opfer in Libyen und Syrien. In beiden Ländern spielte /spielt der Westen Diktatoren-Domino, mit Waffenlieferungen und Luftkrieg. Gaddafi ist tot, Assad noch im Amt. Beide Länder sind verheerende Schlachtfelder mit lausiger Perspektive. Es gibt heute viel mehr Terror als zu Beginn dieses Feldzuges. Das Institute for Economics and Peace erstellte unlängst einen neuen „Global Terrorism Index“. Allein 2014 sei die Zahl der Toten durch Terror auf der Welt um 80 Prozent gestiegen. Im Jahr 2000 zählte man 3329 Opfer, voriges Jahr waren es 32 685.

Das gelbe Trikot des Mordens trägt übrigens nicht der „Islamische Staat“, sondern, mit 6644 Ermordeten, Boko Haram in Nigeria. Der Bericht macht auch klar, wie eng unsere Wahrnehmung noch immer ist. Das zeigt schon die bloße Auflistung jener Länder, die eine – willkürlich definierte – Schwelle von über 500 Toten pro Jahr zuletzt überschritten haben: Somalia, die Ukraine, der Jemen, die Zentralafrikanische Republik, der Südsudan und Kamerun. Leider unterhalten deutsche Medien in diesen Ländern, vielleicht mit Ausnahme der Ukraine, keine Büros.

Zuletzt muss die Frage gestellt werden, mit wem wir hier wofür kämpfen. In Syrien zum Beispiel stehen wir derzeit in einer Koalition mit den Herrschern der Emirate, Katars und Saudi-Arabiens. Lesen Sie den letzten Satz bitte dreimal. Dann brauchen Sie einen Schnaps.

Tom Schimmeck ist Autor.

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