7. November 2020 in Leipzig: Behörden und Polizei lassen sich vorführen von Netzwerken, die für nichts Verantwortung übernehmen.
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7. November 2020 in Leipzig: Behörden und Polizei lassen sich vorführen von Netzwerken, die für nichts Verantwortung übernehmen.

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„Querdenker“ in Leipzig: Fiasko mit Ansage

  • Jan Sternberg
    vonJan Sternberg
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Ein Volksfest voller Aggression in einer Zeit der Kontaktbeschränkungen, eine Polizei, die nicht handelt: Der Samstag in Leipzig war ein Bankrott für Sachsen – und für die Vernunft. Der Kommentar.

Die Maßnahmen gegen die zweite Welle des Coronavirus sind hektisch, hilflos und willkürlich. Aber die Versammlungsfreiheit ist nicht pauschal beschränkt worden, und das ist auch gut so.

Doch was am Samstag in Leipzig geschehen ist, war ein Fiasko mit Ansage. Es war ein weiteres Lehrstück dafür, wie sich Behörden und Polizei vorführen lassen von Netzwerken, die für nichts Verantwortung übernehmen. Nicht für die Abstände, nicht für die Maskenpflicht, nicht für antisemitische Ausfälle, nicht für Hunderte Hooligans und Neonazis, die an diesem Tag in Leipzig zum ersten Mal seit langer Zeit Stärke demonstrieren konnten.

Die „Querdenker“ konnten vor Gericht durchsetzen, in der Innenstadt demonstrieren zu dürfen – auf einem viel zu kleinen Platz. Die Polizei hat lange zugesehen, sich zurückgehalten – und so den „Querdenkern“ wie auch den Neonazis einen Erfolg beschert. Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hat unter falschen Voraussetzungen den „Querdenkern“ recht gegeben. Es hat Vernunft vorausgesetzt bei jenen, die gegen die Vernunft rebellieren.

Ein Volksfest voller Aggression in einer Zeit der harten Kontaktbeschränkungen, eine handlungsunfähige oder handlungsunwillige Polizei: Der Tag war ein Bankrott für Sachsen – und für die Vernunft.

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