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Die Onlinewelt für Kinder sicher machen

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Cyber-Mobbing betrifft weltweit eines von drei Kindern.
Cyber-Mobbing betrifft weltweit eines von drei Kindern. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbolbild)

Die EU und Unicef stärken digitale Kompetenzen und die Fähigkeit, Wahres von Falschem zu unterscheiden. Der Gastbeitrag.

Vor 33 Jahren wurde die UN-Kinderrechtskonvention aus der Taufe gehoben. Die Welt kam überein: Kinderrechte sind Menschenrechte und ebenso schützenswert. Die Verfasser des Übereinkommens haben Weitblick bewiesen, konnten aber 1989 noch nicht ahnen, wie drastisch sich Kindheitserfahrungen durch digitale Technologien und das Internet verändern würden. Und doch haben sie ein Fundament geschaffen, auf das wir in unserer zunehmend digitalen Welt aufbauen können.

Weltweit gehen immer jüngere Kinder ins Internet und verbringen dort immer mehr Zeit. Von 2010 auf 2020 hat sich die Bildschirmzeit der Kinder in vielen Ländern fast verdoppelt. Die Coronapandemie hat noch einmal stark zu diesem Trend beigetragen, und europäische Kinder verbringen etwa sechs bis siebeneinhalb Stunden pro Tag online. Die Chancen dieses tiefgreifenden Wandels liegen auf der Hand: besserer Zugang zu Bildung, Unterhaltung und neuen Angeboten. Doch auch die Risiken sind klar.

Cyber-Mobbing betrifft weltweit eines von drei Kindern. 33 Prozent der Mädchen und 20 Prozent der Jungen in Europa gaben 2020 an, mindestens einmal im Monat verstörende Inhalte im Internet zu sehen. In Teilen Afrikas und Asiens waren bis zu 20 Prozent der Kinder schon mindestens einmal sexueller Ausbeutung oder sexuellem Missbrauch im Internet ausgesetzt – das zeigen neue Daten zu den Jahren 2020 und 2021.

Auch eingebettete und unmerkliche Technologien wie Algorithmen, prädiktive Analytik und sogar Ortungsdienste zielen immer öfter auf Kinder ab und können ihr Recht auf Privatsphäre verletzen – oder Schlimmeres.

Jedes Kind hat das gleiche Recht auf Sicherheit und Teilhabe, unabhängig von seiner Herkunft. Alle Kinder verdienen es, in einem digitalen Umfeld heranzuwachsen, in dem diese Rechte geachtet und geschützt werden. Das ist ein Prinzip der Erklärung zu den europäischen digitalen Rechten und Grundsätzen, die Anfang des Jahres von der Europäischen Kommission vorgeschlagen wurde.

Auch das neue EU-Gesetz über digitale Dienste ist ein Meilenstein auf diesem Gebiet. Es wird zu mehr Sicherheit im digitalen Raum beitragen, denn es enthält strenge Anforderungen an digitale Plattformen zum Schutz Minderjähriger im Internet und es verbietet auf Kinder abzielende Werbung und potenziell schädliche algorithmische Inhalte.

Dass jedes Kind in Europa online geschützt, gestärkt und geachtet wird, dafür sorgt auch die neue Strategie für ein besseres Internet für Kinder als Teil der EU-Kinderrechtsstrategie. Dazu erarbeitet die Europäische Kommission gemeinsam mit Kindern einen Kodex für die altersgerechte Gestaltung digitaler Produkte und Dienstleistungen. Außerdem setzt sie sich für wirksame Tools zur Altersüberprüfung ein und unterstützt Länder, die sich im Bereich Medienbildung austauschen und voneinander lernen wollen.

Auch für Unicef hat der weltweite Schutz von Kindern im Internet und ihr Zugang zu digitalem Lernen und anderen Angeboten Priorität: Das UN-Kinderhilfswerk entwickelt gemeinsam mit Regierungen politische Strategien und Rechtsrahmen wie den der EU, unterstützt Bildungsministerien dabei, Kinder mit digitalen Kompetenzen und Wissen über Online-Sicherheit zu wappnen, und arbeitet mit Industriegrößen an innovativen Lösungen für ein sicheres Online-Umfeld für Kinder.

In Zusammenarbeit mit Regierungen und der Tech-Industrie will Unicef jedem Kind Zugang zu digitalem Lernen ermöglichen. Dazu werden im Projekt „Giga“ Kräfte gebündelt: die Erfahrung von Unicef in den Bereichen Bildung und Beschaffung, das Fachwissen der Internationalen Fernmeldeunion über Regulierung und politische Maßnahmen und die Fähigkeit des Privatsektors, technische Lösungen schnell umzusetzen, damit jede Schule dieser Welt einen Internetzugang bekommt. Zudem wurde 2018 die digitale Lernplattform Learning Passport für vertriebene Kinder eingerichtet und hat inzwischen über zwei Millionen junge Nutzerinnen und Nutzer in 17 Ländern.

Der Schlüssel ist die eigene Handlungskompetenz. Wir müssen Kindern und auch Eltern, Betreuungspersonen und Lehrkräften beibringen, wie sie Risiken im Internet erkennen, Wahres von Falschem unterscheiden und die Chancen der digitalen Welt bestmöglich nutzen können. Genau dabei helfen Safer-Internet-Zentren in ganz Europa, und sie bieten jungen Menschen ein Forum, um ihre Sicht der Dinge einzubringen. Digitale Unterstützungsangebote dieser Art sollte es in jedem Land geben.

Ein sicheres Online-Umfeld, digitale Handlungskompetenzen und digitale Inklusion sind weltweite Herausforderungen. Mit vereinten Kräften können wir sie besser und schneller meistern.

Dubravka Šuica ist Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für Demokratie und Demografie

Thierry Breton ist EU-Kommissar für den Binnenmarkt

Catherine Russell ist Exekutivdirektorin von Unicef

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