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Jugendliche stehen vor der U-18-Wahlkabine Schlange.
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Jugendliche stehen vor der U-18-Wahlkabine Schlange.

Leitartikel

Die Jungen sind dran

  • Eva Quadbeck
    VonEva Quadbeck
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In der Pandemie hat die junge Generation Rücksicht genommen. Es ist Zeit, ihr etwas zurückzugeben – nicht nur beim Klimaschutz. Und es ist Zeit, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken. Der Leitartikel.

Der jungen Generation ist im vergangenen Jahr viel zugemutet worden. Erst hat sie zum Schutz der Älteren harte Einschränkungen mitmachen müssen. Nun sind es die jungen Menschen, die noch länger auf ihre Impfungen warten, während die älteren Geimpften schon wieder mehr Freiheitsrechte genießen. Ganz zu schweigen von Bildungsrückständen, verpassten Klassenfahrten und Auslandsaufenthalten, abgesagten Abschlussfeiern und den fehlenden Chancen, die erste Liebe kennenzulernen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: An den Einschränkungen und Defiziten, die sich für die junge Generation in den vergangenen Monaten angesammelt haben, sind nicht die älteren Menschen Schuld. Ihnen liegen vielmehr rationale Entscheidungen in einer Pandemie zugrunde, die darauf abzielten, möglichst viele Leben zu schützen. Das war richtig.

Es ist aber höchste Zeit, in vielen anderen Bereichen wie Bildung, Klima, Finanzen und Altersvorsorge mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse junger Menschen zu nehmen. Dies hat die Politik in den vergangenen Jahren sträflich versäumt. Solidarität zwischen den Generationen darf keine Einbahnstraße sein.

In einer alternden Bevölkerung, wie sie in Deutschland lebt, wächst auch der Anteil der Wählerinnen und Wähler, der eher das Interesse der älteren Bevölkerung im Blick hat, als die Frage, wie es um Staatsfinanzen, Umwelt und soziale Sicherungssysteme in 30 Jahren steht. Eine Regierung, die alle vier Jahre gewählt wird, richtet Wahlversprechen und Politik danach aus. Die gescheiterte Rentenkommission der noch amtierenden Bundesregierung belegt diese Art des politischen Vorgehens einmal mehr.

Wie grundfalsch diese Haltung ist, hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz eindrucksvoll belegt. Karlsruhe hat die Bundesregierung zurechtgewiesen, dass der Klimaschutz nicht auf die nächste Generation abgewälzt werden dürfe. Eilfertig ist das Gesetz nachgebessert worden, freilich ohne die konkreten Schritte zu benennen, die Einschränkungen heute und mehr Beinfreiheit für die Zukunft bedeuten.

Das Urteil zum Klimaschutz sollte den politisch Verantwortlichen eine Mahnung sein, auch in der Finanz- und Sozialpolitik so zu agieren, dass die nächsten Generationen noch Gestaltungsspielraum haben. Es gilt erst Recht für die Bildungspolitik: Wenn es in einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung nicht endlich gelingt, auch die Kinder aus bildungsfernen Familien gut auszubilden, werden in Zukunft die Fachkräfte fehlen, die das Land am Laufen halten.

Gerechtigkeit und Solidarität zwischen den Generationen ist auch wichtig für den inneren Frieden im Land. Studien belegen, dass das persönliche Verhältnis zwischen Großeltern, Eltern und Kindern in einer großen Mehrheit der Familien sehr gut funktioniert und man sich gegenseitig hilft, wo man kann. Wenn es aber abstrakter um die Frage der Verteilung von Ressourcen zwischen Jung und Alt geht, sieht die Sache schon anders aus. Inzwischen verbreiten sich in sozialen Netzwerken sogar Frust- und Wut-Videos, in denen junge Menschen über die Bevorzugung von alten Menschen bei der Impfung schimpfen. Das ist ein Alarmsignal.

Es sollte nun nicht darum gehen, die Impfpriorisierung hektisch zu ändern oder vorschnell aufzuheben. Es braucht aber dringend Botschaften auf anderen Feldern an die junge Generation, die belegen, dass nicht alle ökologischen und ökonomischen Ressourcen verfrühstückt sind, wenn sie im Leben durchstarten wollen.

Das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken, wäre ein gezielter Schritt, der jungen Generation mehr Gehör zu verschaffen und beim Ringen um die Ressourcen den Jungen mehr Gewicht zu geben.

Bericht Seite 4

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