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Deutschland als Zuchtmeister

  • Christian Bommarius
    VonChristian Bommarius
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Die Debatte über eine neue Rolle der Bundesrepublik.

An der Einsicht, dass Deutschland die führende Macht Europas ist, führt offenbar kein Weg vorbei. Das löst unter den Deutschen – sowohl in der politischen Klasse als auch in der Bevölkerung – eher Skepsis und Unbehagen aus als Euphorie. Schon vor zwei Jahren hatte das britische Magazin „Economist“ Deutschland als unangefochtene Vormacht in Europa charakterisiert, diese Feststellung aber mit dem Vorwurf verbunden, das Land sei nicht bereit, die Rolle anzunehmen. Vor einigen Tagen hat nun auch der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler Deutschland als Hegemon bezeichnet. Diese Rolle sei der Bundesrepublik gewissermaßen schicksalhaft zugefallen. Damit hat Münkler eine Debatte angestoßen, die im besten Fall zu einer neuen Selbstvergewisserung der Deutschen führen könnte.

In der „Welt“ weist Dirk Schümer die Einschätzung Münklers entschieden zurück: „Münklers Pointe ist nun, dass er diese Rolle des europäischen Zucht- und Zahlmeisters gar nicht in der bisher üblichen Bescheidenheit von sich weist, sondern als politisches Credo der Bundesrepublik für die Zukunft verankern möchte. Dafür fordert er eine große gesellschaftliche Debatte, ‚in der Chancen und Risiken der Zentralmachtrolle offen ausgesprochen werden‘. Damit wäre der Kontinent wieder bei Bismarcks gesamtdeutscher Machtpolitik angelangt, deren Ergebnis – eine wirtschaftliche und politische Dominanz Europas – von den anderen Ländern in zwei immer fürchterlicheren Weltkriegen erfolgreich bekämpft wurde. Schon Henry Kissinger hat mit dem ihm eigenen Zynismus darauf hingewiesen, dass das jetzige Europa wieder an genau demselben Punkt angelangt ist – nur dass die Deutschen inzwischen vor ihrer eigenen Macht zurückschrecken.“ Im übrigen, schreibt Schümer, ließen die europäischen Verträge eine dominierende Supermacht gar nicht zu: „Das bis zum Surrealismus komplexe Vetosystem des Balancierens und Bremsens, mit dem die EU sich seit Jahrzehnten durch die Krisen wurschtelt, hat man ja gerade erdacht, damit keine Großmacht über die Interessen der anderen, auch nicht der kleineren und ärmeren Partner, hinwegwalzt.“

Reinhard Müller bestreitet in der „FAZ“ die Rolle Deutschlands als Hegemon zwar nicht, aber anfreunden mag er sich damit nicht: „Hinter manchem Lob von außen steckt der nachvollziehbare Wunsch, von der deutschen Stärke zu profitieren: Sei es durch die Forderung nach einem europäischen Sozialstaat, auf den Frankreich hinarbeitet, das deshalb auch Deutschland jetzt großzügig mit dem Titel ‚Grande Nation‘ bedenkt. Sei es durch die Erwartung, ein Hegemon, ganz gleich ob gut- oder widerwillig, müsse eben den Euro-Raum zusammenhalten und das Flüchtlingsproblem größtenteils selbst schultern – koste es, was es wolle.“ Alles hat eben seinen Preis – selbst eine Rolle, die niemand gewollt hat.

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