Mit welchem Tier würden Sie Deutschland assoziieren?
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Mit welchem Tier würden Sie Deutschland assoziieren?

Assoziationen

Deutschland - ein treues Reh?

  • vonManfred Niekisch
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Glaubt man einer internationalen Umfrage, kann sich Deutschland größere Schuhe anziehen. Nur in Gestalt welchen Tieres sollte es dann vor der Welt auftreten? Die Kolumne.

Drei Fragen hören Zoodirektoren häufig: „Wann werden die Löwen gefüttert?“ Das ist leicht zu beantworten. Dann: „Wo sind die Toiletten?“ Auch hier ist die Antwort keine allzu große intellektuelle Herausforderung. Und: „Welches Tier wären Sie denn gern?“

Da geht es schnell ab in die Tiefenpsychologie, beim Frager wie beim Befragten. Man kann diese dritte Frage allerdings leicht umdrehen: Mit welchem Tier würde denn der Frager einen assoziieren?

Ansehen der deutschen Wirtschaft angekratzt

Das hat gerade eine große Bundesbehörde getan. Natürlich nicht in Bezug auf Zoodirektoren, sondern richtig groß gleich mit Blick auf ganz Deutschland. Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ, hat 124 Interviews in 24 Ländern geführt um herauszufinden, welches Bild man draußen in der Welt von Deutschland hat.

Aus der gerade veröffentlichten Studie ergibt sich viel Spannendes zu unserer globalen Rolle (Hüter westlicher Werte), zur Bedeutung unserer Kultur (sozusagen Goethe in schöngeistigen Zirkeln versus volle Stadien mit Beatles und Rolling Stones), zu unserem Umgang mit Flüchtlingen (Effizienz mit humanitärer Facette) und vielem mehr. Politik-Fazit: Deutschland kann sich größere Schuhe anziehen, sie würden passen.

Dass das Ansehen der deutschen Wirtschaft dank Dieselskandal schwer angekratzt ist und dass das so gar nicht zum deutschen Image als Wiege der Wertarbeit und Weltmeister in Mülltrennung passt, kam dabei auch heraus. Aber das wissen wir ja selbst. Da klagten Industriekreise allzu oft, die Umweltschützer bremsten die deutsche Wirtschaft kaputt. Jetzt tut sie das selbst – und die Welt merkt es.

Aussagekräftig verglichen manche der internationalen Interviewpartner Deutschland mit Tieren. „Deutschland ist wie eine afrikanische Katze. Sie wird Dich eine Weile beobachten, bevor sie näher kommt. Sie heißt Dich nicht sofort willkommen. Erst wenn sie entschieden hat, dass Du gut bist, darfst Du sie streicheln“, hörte man aus Ruanda.

Und dabei waren wir zumindest eine Zeit lang so stolz auf unsere Willkommenskultur. Aus den USA verlautete, wir seien wie ein Elefant, groß, kräftig und auch ein bisschen schwerfällig. Da wäre die Gegenfrage angebracht, ob das denn nicht auch auf das eigene Land zutrifft.

Rätselhaft bleibt eine mexikanische Stimme, die Deutschland mit einem Löwenrudel vergleicht, das sich zunehmend den Löwen anderer Weltregionen annähern müsse. Unsere Anführerin wäre dann realpolitisch die Mutti des Rudels? Und die hat ein paar Junglöwen, die schon mal laut brüllen, aber den Ton (noch) nicht treffen?

Da lobt man sich das Bild, das aus Brasilien auf uns geworfen wird: Deutschland sei wie ein Reh, zierlich, agil, wachsam und treu. Die letzten beiden Merkmale würde man zwar eher beim Deutschen Schäferhund vermuten, aber gut ist das Bild für deutsche Tugendhaftigkeit, wenn man beim Reh nicht zuerst an seine haarigen Beine denkt.

Es kommt eben darauf an, welche Merkmale man in den Mittelpunkt des Vergleichs stellt. Deutschland als Gelbbauchunke? Wäre gar nicht so schlecht! Ein gut getarnter Überlebenskünstler, mit überraschenden Farbeffekten und geheimnisvoller Stimme, harmlos und mit Blick auf die Welt durch eine herzförmige Pupille. Aber nein, erstens ist die Unke zu unauffällig und zweitens im Bestand bedroht. Dann lieber etwas zwischen Reh und Löwe.

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