Alice Weidel und Jörg Meuthen haben ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Deutschsein.
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Alice Weidel und Jörg Meuthen haben ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Deutschsein.

AfD und Identitäre

Blau-braune Alman-Kartoffeln im Rassismus-Wahn

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Jörg Meuthen schwadroniert vom „Rassismus gegen Deutsche“. Das ist eine durchschaubare Mogelpackung, die viele Deutsche nicht mitmeint. Die Kolumne.

Niemand dürfe wegen seiner „Rasse“ benachteiligt werden: So steht es seit 1949 im Grundgesetz, doch bis vor kurzem hat sich darum kaum jemand geschert. Dabei gilt „Rasse“ längst als gesellschaftliches Konstrukt, das für die Nazi-Ideologie zwingend ist.

Mittlerweile ist die Problematik jedoch bei der Exekutive angekommen, weshalb es reine Formsache sein sollte, den Gesetzestext auf den aktuellen Wissensstand zu heben. Wären da nicht Leute aus der Union, wie etwa Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Der empfindet die Causa als „Theoriekram“, während Andrea Lindholz vom Innenausschuss von einer „hilflosen Scheindebatte“ spricht. Fraktionsvize Thorsten Frei findet gar, dass eine „Aktualisierung“ eh nicht voran bringe.

Bei Rechten greift ein „Rassen“-Schema, das an eine Blut-und-Boden-Ideologie gekoppelt ist

Oha. Ist diesen Damen und Herren Politikern nicht aufgefallen, dass Rassismus, mit dem sie alle nichts zu tun haben wollen, die Konstruktion unterschiedlicher „Rassen“ bedingt? Weil dadurch angeblich trennende Unterschiede markiert werden, die die einen abwerten, die anderen überhöhen? Und dass man diesen Begriff besser den Rassisten überlässt?

Ein Beispiel liefert der Vordenker der extrem rechten „Identitären Bewegung“ Martin Lichtmesz. Der schrieb dem in Oldenburg geborenen Journalisten Hasnain Kazim auf Twitter, „dass ein Pass aus einer Kuh kein Pferd macht, nur weil sie in einem Pferdestall geboren wird“. Auch wenn er ins Tierreich switcht, ist seine Botschaft eindeutig. Weder Geburtsort noch Staatsangehörigkeit scheinen auszureichen, um einen Deutschen als solchen anzuerkennen. Vielmehr greift hier ein „Rassen“-Schema, das an eine rassistische Blut-und-Boden-Ideologie gekoppelt ist, die ohne Ausgrenzung und Abwertung nicht auskommt.

AfD-Chef Jörg Meuthen schwadroniert vom „Rassismus gegen Deutsche“ 

Entsprechend schräg ist eine Diskussion, wie sie in den sozialen Netzwerken geführt wird. „Längst findet Rassismus auch gegenüber uns Deutschen statt“, heißt es auf der Facebook-Seite von AfD-Chef Jörg Meuthen, der immer noch fahrlässig als „gemäßigt“ eingestuft wird.

Er und seinesgleichen wollen unbedingt zu den Betroffenen gehören, schließlich kennen sich die Blau-Braunen mit der Opferrolle bestens aus. Interessant wäre nämlich, wen Meuthen als „deutsch“ definiert. Sicherlich keine, die Alice Weidel mit „Passdeutsche“ meint, sondern all die Michels, die auf dem Schulhof als „deutsche Kartoffel“ aka Alman beschimpft würden und „beim Fußball“ nicht mitspielen dürften.

„Rassismus gegen Deutsche“: Heiße Luft derer, die von „Herrenmenschen“-Attitüden nicht lassen können

Runtergebrochen scheinen seine Deutschen alle weiß zu sein und Teil jenes christlichen Abendlandes, das schon alleine wegen des „großen Austauschs“ („Identitäre“, AfD) bedroht sei und beschützt gehöre. Der „Rassismus gegen Deutsche“ ist somit eine leicht durchschaubare Mogelpackung, die deutsche Sinti, Roma, Muslime oder Schwarze nicht mitmeint, sondern eine weiße „Rasse“ definiert, die überhaupt die Macht zum Rassismus haben. Es ist maximal heiße Luft derer, die von „Herrenmenschen“-Attitüden nicht lassen können.

Ergänzend sei erwähnt, dass seit Januar 2019 in Innenminister Horst Seehofers Statistik politisch motivierter Straftaten die Kategorie „Deutschfeindlich“ auftaucht. Wegen sagenhaft 132 Delikten („Ausländerfeindlich“: 3625) wird ein rechter Kampfbegriff in „staatliches Handeln“ (taz) überführt, ohne dessen Hintergrund zu reflektieren. Der nämlich ist rassistisch.

Eine Menge gilt es noch aufzuarbeiten – „Rasse“ aus der Rechtsprechung zu streichen, wäre mal ein Anfang.

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