Künstliche Intelligenz

Wie Deutschland bei KI aufholen kann

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Die Bundesregierung muss Künstliche Intelligenz stärker fördern als bisher. Dann kann das Land mit anderen mithalten. Der Gastbeitrag. 

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine der Zukunftstechnologien, die Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern werden. KI wird bereits heute in zahlreichen Produkten und Dienstleistungen eingesetzt, etwa in Navigationssystemen, Digitalkameras oder Drohnen. Industrielle Robotersysteme werden seit einigen Jahrzehnten in der Produktion eingesetzt, etwa in der Automobilindustrie.

Die „Smart Factory“ ist ein wesentlicher Bestandteil von Industrie 4.0. Service-Roboter übernehmen Assistenzfunktionen im Haushalt oder in der medizinischen Pflege. Vielfältige Anwendungsfelder ergeben sich in Verbindung mit der Internetfähigkeit von Haushaltsgeräten (Smart Home), bei der intelligenten Verkehrssteuerung (Smart Mobility) oder der Energieversorgung (Smart Grid).

Außerdem ist sie Teil von Suchmaschinen, der Spracherkennung, digitalen Assistenten oder im Bereich der Cyber Security. Eine besondere Faszination üben humanoide Roboter aus wie Pepper oder Asimo, die über beeindruckende sprachliche Fähigkeiten und eine menschenähnliche Mimik verfügen.

Wie weit das gehen kann, hat jüngst die China Construction Bank gezeigt, als sie ihre erste Filiale ohne Personal eröffnete. Sie haben gezeigt, dass Service Roboter, virtuelle Assistenten und intelligente Geldautomaten nahezu alle standardisierten Bankgeschäfte abwickeln können.

Vielfach wird beklagt, dass Deutschland zu wenig in den Bereich Künstliche Intelligenz investiert und in vielen Bereichen keine marktführende Stellung besitzt. Richtig ist, dass derzeit die Tech-Giganten wie Google, Microsoft, IBM oder Apple in den USA oder Alibaba, Tencent oder Baidu in China den Markt für Endkundenanwendungen (B2C) dominieren. Dazu gehören die Bereiche Consumer Electronics (Smartphones, Wearables wie Fitness Tracker sowie dazugehörige Apps oder Gaming).

Die US-Amerikaner sind ebenfalls führend bei innovativen Analysemethoden für große Datenmengen („Big Data Analytics“, „Machine Learning“) sowie bei militärischen Anwendungen wie Drohnen oder beim autonomen Fahren. China hat hingegen eine gewisse Vorreiterrolle bei der Entwicklung vernetzter Städte (Smart City).

Auch bei Start-ups holt China massiv auf. Im vergangenen Jahr konnten chinesische Start-ups sogar mehr Wagniskapital für Künstliche Intelligenz anziehen als ihre Konkurrenten im Silicon Valley.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich? Das B2C-Geschäft ist verloren, da ist der Zug längst abgefahren. Umso wichtiger ist es, die traditionellen Stärken Deutschlands in den Bereichen Maschinenbau und Automatisierung auch im Zeitalter von KI zu sichern und weiter zu entwickeln.

Dies kann am besten in den Bereichen Digitale Fabrik, Robotik, intelligente Stromnetze, dem Automobilbau und bei neuen Mobilitätskonzepten gelingen. Natürlich investieren auch deutsche Spitzenunternehmen wie SAP, Siemens oder Bosch sowie der deutsche Mittelstand in diese Technologien.

Allerdings ging mit der Übernahme des Augsburger Unternehmens Kuka durch einen chinesischen Investor ein weltweit führender Anbieter von Industrierobotern nach China, ein herber Rückschlag für den Technologiestandort Deutschland, der sich so nicht wiederholen darf. Denn der Wettlauf um eine führende Position im Bereich der industriellen KI kann zu einer Schicksalsfrage der deutschen Industrie und somit für Millionen von Arbeitsplätzen werden.

Die Bundesregierung hat beschlossen, bis zum Jahr 2025 drei Milliarden Euro zu investieren, um Deutschland zu einem führenden Standort für KI-Technologien zu machen. Im internationalen Vergleich ist das viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass China angekündigt hat, bis 2030 rund 150 Milliarden US-Dollar zu investieren.

Keineswegs mangelt es in Deutschland an der wissenschaftlichen Exzellenz auf dem Gebiet der KI. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie einige Fraunhofer Institute gehören weltweit zur Spitzengruppe auf ihren jeweiligen Forschungsgebieten. Gerade diese Institute setzen auf eine intensive Kooperation mit der industriellen Praxis und haben bereits etliche Start-ups hervorgebracht.

Hier sollte die Politik ansetzen und deutlich mehr Mittel bereitstellen als bisher. Das von der schwarz-roten Bundesregierung beschlossene Programm kommt spät und greift zu kurz. Denn für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist es essenziell, künftig schneller wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Produkte zu transformieren.

Volker Brühl ist Geschäftsführer des Center for Financial Studies an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt.

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