Demonstration gegen den Berliner Mega-Vermieter „Deutschen Wohnen“.
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Demonstration gegen den Berliner Mega-Vermieter „Deutschen Wohnen“.

Deutsche Wohnen

Der Eintritt in den Dax ist Verpflichtung

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Mit der Deutschen Wohnen erreicht das zweitgrößte deutsche Immobilienunternehmen den Dax. Mietervereine kritisieren den Konzern vielfach. Der ungezügelte Immobilienkapitalismus muss gezügelt werden, meint Thomas Kaspar in seinem Kommentar.

Wenn die Deutsche Wohnen heute zur Hauptversammlung lädt, darf ihr Chef Michael Zahn den Aktionären erzählen, was des Turbokapitalisten-Herz erfreut: Sein oft kritisiertes Immobilienunternehmen hat die Deutsche Lufthansa aus dem Dax gekickt und wird damit auch bald im Portfolio von noch mehr Anlegern auftauchen. Coronakrise? Ach, was! Der zweitgrößte deutsche Wohnungskonzern hat sich nach einem Abwärtsknick Ende März rasant erholt und ist in steiler Kurve nach oben in Richtung Allzeit-Hoch.

Der rasant steigende Aktienkurs des Berliner Mega-Vermieters holt all jene zurück auf den Boden der Tatsachen, die gehofft hatten, dass sich in der Folge von Corona etwas an unserem Verständnis von Gemeinschaft und Gemeinwohl ändern könnte. Denn die Deutsche Wohnen verkörpert vieles von dem, was eben nicht weitergeführt werden sollte. Wenn Kevin Künast davon sprach, dass Besitzer von mehr als 20 Wohnungen enteignet werden sollten, hatte er die Praktiken von börsennotierten Unternehmen wie der Deutschen Wohnen mit 160.000 Wohnungen direkt vor seiner Haustür vor Augen.

Seit er nur noch Aktionären verpflichtet ist, wächst der Konzern ununterbrochen. Und zeigt, wie entfesselter Kapitalismus geht: Zinseszinsen werden sofort reinvestiert, wie 2017 als die Firma mal eben 3900 Wohnungen in Berlin für 655 Millionen Euro kaufte. So bläht sich ein kaum noch kontrollierbarer Moloch auf, dem Mietervereinigungen wie in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg vorwerfen Wohnungen gezielt verfallen zu lassen, um sie erst „energetisch zu modernisieren“ und dann Mieterhöhungen von 20 Prozent durchzusetzen.

Nein, es kommt keine Freude auf, wenn solche Unternehmen den Dax erreichen. Es ist im Gegenteil ein Grund noch stärker an der Rekommunalisierung von Wohnungen zu arbeiten, Gemeinwohlinteressen für Mieter etwa durch Mietendeckel einzufordern und alles zu tun um dem ungezügelten Immobilienkapitalismus Grenzen zu setzen.

Nicht Aktionäre verpflichten, sondern das Grundgesetz. Dort steht: Eigentum verpflichtet. Vielleicht auch der Dax? 

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