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Flüchtlinge verlassen ein Boot.
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Flüchtlinge verlassen ein Boot.

Gastbeitrag

Der Schutz Geflüchteter braucht mehr Einsatz

  • VonPeter Ruhenstroth-Bauer
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Die Zahl der Vertriebenen wächst. Ihre Rechte sind in vielen Pakten festgehalten – sie müssen eingelöst werden. Ein Gastbeitrag von Andrea Zietzschmann und Peter Ruhenstroth-Bauer.

Es gibt diesen Moment in der Musik, wenn das Orchester der Berliner Philharmoniker zu einer Einheit wird. Einen Punkt, an dem jedes Mitglied des Orchesters – bestehend aus 29 Nationen – aufeinander hören muss, gar aufeinander angewiesen ist. Nur so kann das musikalische Kunstwerk funktionieren. Diesen Moment spüren auch die Gäste und füllen immer wieder aufs Neue die Philharmonie. Musik braucht keine Worte. Sie überwindet Grenzen. Für einen Moment sind wir alle miteinander verbunden.

Kaum verlassen wir den Saal, tauchen wir zurück in eine Realität, in der zwar alles miteinander zusammenzuhängen scheint, uns gleichzeitig aber Welten trennen. Über 84 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Menschen wie wir. Sie besuchen keine Philharmonie, sondern begeben sich mit ihren Familien auf gefährliche Wege, um ein Leben in Sicherheit und mit Perspektive zu führen. Viele überschreiten Grenzen. Die meisten, knapp 51 Millionen Menschen, bleiben in ihrem Herkunftsland als Binnenvertriebene.

Berliner Philharmoniker leihen Geflüchteten ihre Stimme

Die Berliner Philharmoniker stehen als musikalische Botschafter der UNO-Flüchtlingshilfe an der Seite dieser Menschen, die viele ihrer Rechte verloren haben, und leihen ihnen ihre Stimme. Vielmehr: Sie setzen sich für ihre Menschenrechte ein. Das Einzige, das bleibt, wenn der Schutz durch den Herkunftsstaat und die Rechte, die wir als Bürgerinnen und Bürger eines Landes genießen, aufgeweicht oder gar aufgehoben werden. Ein Schicksal, das zum Beispiel Hunderttausende von Rohingya ereilte, die heute mit großem Lebensmut für eine bessere Zukunft kämpfen.

Aus Myanmar erreichen uns nicht erst seit der erneuten Machtübernahme durch das Militär Nachrichten von Gewalt und Unterdrückung. Schwere Menschenrechtsverletzungen führten schon vor Jahren zur systematischen Massenvertreibung der muslimischen Rohingya aus dem überwiegend buddhistischen Land. Nachdem die Ausschreitungen gegen sie zunahmen, flohen zwischen 2017 und 2018 Hunderttausende Rohingya nach Bangladesch. Heute leben dort knapp 900 000 Rohingya, und so entstand mit über 630 000 Bewohner:innen das weltweit größte Flüchtlingscamp.

Autorin und Autor

Andrea Zietzschmann ist Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker.
Peter Ruhenstroth-Bauer ist Nationaler Direktor der UNO-Flüchtlingshilfe.

Nehmen wir uns heute zum Tag der Menschenrechte eine Pause vom Alltag und der Flut an Information. Nehmen wir uns die Zeit innezuhalten und aufeinander zu hören – so wie in der Musik. Zum Tag der Menschenrechte erinnert die UNO-Flüchtlingshilfe gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern an diese Menschen. Sie erinnern an ihre Menschenrechte. Aber was genau verbirgt sich hinter diesen Rechten?

Im Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Dort ist im Artikel 14 auch das Recht auf Asyl aufgeführt: „Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.“ So haben die Vereinten Nationen eines der menschlichsten Prinzipien – denjenigen Zuflucht zu eröffnen, die in Not sind – in die Allgemeine Menschenrechtserklärung aufgenommen.

Rohingya: Schutz im kleinen Bangladesch

Wer ein Flüchtling ist, wurde 1951 in der Genfer Flüchtlingskonvention geregelt. Bis heute ist sie das wichtigste internationale Dokument für den Flüchtlingsschutz. Daneben regelt ein Zusatzprotokoll seit 1967, wie der Flüchtlingsschutz ausgeweitet wird. Bangladesch bietet den Rohingya aus Myanmar Schutz, obwohl es weder die Genfer Flüchtlingskonvention noch das Protokoll von 1967 unterzeichnet hat.

Die Zahl der Flüchtlinge und Migrant:innen nimmt weltweit zu. 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben deshalb schon 2016 die New Yorker Erklärung für Flüchtlinge und Migrant:innen angenommen, um die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf große Flucht- und Migrationsbewegungen zu verbessern. Daraus ergab sich neben dem UN-Migrationspakt 2018 der globale Pakt für Flüchtlinge.

Geflüchtete: Hoffen auf die Zivilgesellschaft

Es mangelt also nicht an Vereinbarungen. Die Vertreibung der Rohingya konnten sie nicht aufhalten. Ihr Schicksal zeigt uns deutlich, wie wichtig es ist, sich auch als Zivilgesellschaft immer wieder für Geflüchtete starkzumachen. Zahlreiche Aufnahmeländer Geflüchteter gehen mit gutem Beispiel voran. Sie zu stärken und dafür einzustehen, dass immer mehr Länder sich für einen konsequenten Schutz von Geflüchteten einsetzen, ist eine der wichtigsten Botschaften unserer Zeit.

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