1. Startseite
  2. Meinung

Kurswechsel nicht in Sicht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Joachim Wille

Kommentare

Der Trend ist eindeutig: Dürre in Texas.
Der Trend ist eindeutig: Dürre in Texas. © Tony Gutierrez/dpa

Es ist ein Schock, aber keine wirkliche Überraschung, dass die 1,5 Grad schon bald überschritten sein dürften. Der Kommentar.

Die Erde soll sich „nur“ um 1,5 Grad erwärmen. Dieses Ziel bekräftigen Politik und Wirtschaft immer wieder gerne. In Sonntagsreden zum Klimaschutz. Tatsächlich wird, und zwar weltweit, bei weitem nicht genug getan, um es einzuhalten. Insofern ist es zwar ein Schock, aber keine wirkliche Überraschung, dass die „1,5“ bereits in einem der nächsten Jahre erstmals überschritten werden dürfte. Das hat die Weltmeteorologie-Organisation am Dienstag aufgrund einer neuen Studie so vorausgesagt. Das letzte Rekordjahr war 2016, mit 1,2 Grad Plus gegenüber vorindustrieller Zeit.

Man muss wissen: Das 1,5-Grad-Limit wird dann noch nicht dauerhaft gerissen sein. Die Temperatur wird zeitweise wieder absinken. Doch der Trend ist eindeutig. Dass eine langfristige Überschreitung der 1,5 Grad tatsächlich noch verhindert werden kann, glaubt niemand mehr. Selbst die optimistischsten wissenschaftlichen Szenarien gehen längst davon aus, dass sie zeitweise überschritten werden und die Temperatur später dank CO2-Entnahme aus der Atmosphäre wieder unter diese Schwelle abgesenkt wird.

Realistisch betrachtet, werden wir (und unsere Kinder und Enkelkinder) froh sein können, wenn wenigstens das obere Limit aus dem Pariser Weltklimavertrag nicht überschritten wird – das Zwei-Grad-Ziel. Die bisherigen CO2-Pläne der Regierungen müssen dafür noch deutlich nachgeschärft werden. Und vor allem auch umgesetzt. Bisher ist der notwendige Kurswechsel nicht in Sicht. Die globalen Emissionen sanken zuletzt nur wegen Corona-Lockdowns einmal spürbar. Nun, da diese vielerorts aufgehoben sind, wird wieder eingeheizt, als gebe es kein Morgen. Die Corona-Konjunkturspritzen stabilisierten die klimaschädliche Wirtschaft, statt ihren Umbau zu beschleunigen.

Welche Folgen Putins Ukraine-Krieg auf den globalen Klimaschutz hat, ist derweil noch offen. Zu hoffen ist, dass die Reaktionen weitsichtig sind. Also: Dass die Staaten den Umstieg auf erneuerbare Energien radikal beschleunigen, statt das fossile Zeitalter durch Investitionen in überholte Technologien zu verlängern. Sonst wird auch das Zwei-Grad-Limit Makulatur.

Auch interessant

Kommentare