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Der Elefant im Raum

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EZB-Chefin Christine Lagarde, hier bei einem Auftritt im Juli 2022, sollte den eingeschlagenen Weg weitergehen, so unser Kommentator.
EZB-Chefin Christine Lagarde, hier bei einem Auftritt im Juli 2022, sollte den eingeschlagenen Weg weitergehen, so unser Kommentator. © Boris Roessler/dpa

Die Europäische Zentralbank muss im Kampf gegen die Inflation weiter die Zinsen erhöhen - auch wenn es unangenehme Nebenwirkungen hat. Der Kommentar.

Viel ist von Inflationsbekämpfung die Rede, und oft klingt es einfach: Die EZB muss nur die Zinsen erhöhen, dann fängt sie die Preisentwicklung schon wieder ein. Aber dazu muss man auch sagen, auf welche Art höhere Zinsen die Inflation bremsen. Das Thema ist im Moment der Elefant im Raum, über den niemand reden mag, weil er alles nur schwieriger macht. Steigende Zinsen dämpfen die Nachfrage, also die Konjunktur.

Und wenn man es mit der Inflationsbekämpfung ernst meint, muss man Zinsen notfalls so weit erhöhen, dass es die Wirtschaft vorübergehend in die Rezession schickt. Das ist mehr als eine unerwünschte Nebenwirkung – es kann die Voraussetzung für sinkende Inflationsraten sein.

Das spiegelt sich am Ölmarkt: Der Bedarf für den Rohstoff wird sinken, weil die Wirtschaft gebremst werden muss. Wenn der Preis in dieser Erwartung bereits im Vorfeld der Zinsentscheidung fällt, ist das schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Solche hoffnungsvollen Signale befreien die EZB aber nicht davon, ihren eingeschlagenen Weg weiterzugehen – auch wenn es unangenehme Nebenwirkungen hat.

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