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Berlin: Große Lücken sind in den Regalen mit Konserven in einem Supermarkt an der B1 zu sehen. Die Angst vor dem Coronavirus sorgt für erste Hamsterkäufe in Deutschland.

Kolumne

Das Coronavirus und der Urlaub – Kolumne

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Die Coronavirus-Epidemie führt mancherorts zu Hamsterkäufen. Aber wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Notvorräten und Proviant, der dauerhaft im Keller lagert? Eine Kolumne von Michael Herl.

Eigentlich riecht das ja schon wieder nach Voreiligkeit. Denn mit dem schnellen Abstempeln sind wir ja rasch dabei in unserer modernen Gesellschaft. Gluten ist Teufelszeug, Weißmehl und Milch sind verflucht, ebenso rotes Fleisch und Zigaretten.

Vor diesem Hintergrund wird man doch wohl wenigstens die Frage stellen dürfen, warum denn ein Virus automatisch als bedrohlich empfunden werden muss. Es gibt doch auch gute Bakterien, also die, die uns beim Verdauen helfen, unser Trinkwasser reinigen oder unsere Gugelhupfe aufgehen lassen.

Viren wie Corona „durch und durch böse“

Beim Virus ist das anders. Das ist durch und durch böse. Das zeigt schon seine Herkunft. Das Wort entstammt dem Lateinischen, bedeutet so viel wie „giftiger Schleim“ und ist schlicht ein Krankheitserreger. Ein listiger obendrein, denn er lässt sich immer wieder neue Methoden der psychologischen Drangsalierung einfallen, mit denen er weitaus perfidere Erfolge erzielen kann als durch bloßes Infizieren mit Maladien.

So in meiner entfernteren Verwandtschaft. Es gibt da ein Ehepaar, das seit seiner Verrentung immerzu nach Mallorca fährt. Sie wohnen nicht weit weg von einem jener Landflugplätze, von denen der Ballermann schnell und billig zu erreichen ist.

Coronavirus: Urlaub storniert

Dass dort das Sangriatrinken aus Putzeimern verboten wurde, tat dem keinen Abbruch, Bier tut’s auch. Auch das Flugschämen hat sich nicht in abgelegene Gegenden Deutschlands herumgesprochen. Also geht es seit zehn Jahren alle vier Wochen für ein paar Tage auf Malle.

Bis auf neulich, da ließen sie zwei Flüge zu je 14 Euro ersatzlos verfallen. Schuld war Corona, der neueste Coup der Viren. Besser gesagt, es war nicht Corona, sondern die Angst davor. Oder noch besser gesagt, die Angst vor einer Beschneidung der Freiheit durch die Angst anderer vor Corona.

Coronavirus: Zwangsweise verlängerter Urlaub

Man hatte nämlich in einer Boulevardzeitung gelesen, dass eine Gruppe Deutscher wegen Virusalarms geschlagene fünf Tage auf Teneriffa bleiben musste. Unter ihnen ein Reporter, der mit düstersten Worten die Fürchterlichkeit dieser Zeit beschrieb. Guantanamo muss ein Paradies dagegen sein.

Die Verwandtschaft stornierte daraufhin den Flug. Wäre man doch in Gefahr gelaufen, dort zwangsweise ein paar Tage länger zu bleiben, wo man seit zehn Jahren freiwillig ständig hinfährt. Und dadurch daran gehindert zu werden, nach Hause zu fliegen, sich dort aufs Sofa zu legen und sich auf den nächsten Flug nach Mallorca zu freuen.

Coronavirus: Notrationen für Urlaub im Keller

Nun könnte man denken, das wäre ja alles nicht so tragisch, denn verhungern können die beiden nicht. In ihrem Keller türmen sich nämlich geschätzte tausend Dosen mit Lebensmitteln, die ein normaler Mensch nur in Zeiten der Cholera zu sich nimmt. Darunter konservierte Köstlichkeiten wie Champignons, Mixed Pickles, Fruchtcocktail, Corned Beef, Cocktailkirschen, Brathering, Pichelsteiner, Leipziger Allerlei, Ravioli und Ähnliches.

Notvorräte, wegen des Corona-Alarms angeschafft nach den Richtlinien der Katastrophenschutzbehören, könnte man meinen. Weit gefehlt. All das lagert dort ständig, schließlich ernähren sie sich hauptsächlich davon. Und schließlich sind es die Dinge, die sie auch immer mitnehmen nach Mallorca. Denn „denen ihr Essen kann man ja nicht essen“. Corona hätte sie also schlimmer treffen können.

Von Michael Herl

Und Gott sendete mit Corona die Plage: Kommunion und Weihwasser werden in Zeiten des Coronavirus zum Risiko. Fundamentalisten sehen in der Pandemie eine Strafe Gottes - das ist brandgefährlich.

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