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Lichtfest Leipzig: Die Stadt erinnert an den 9. Oktober 1989.
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Lichtfest Leipzig: Die Stadt erinnert an den 9. Oktober 1989.

Gastbeitrag

Deutschland: Was Leipzig und Frankfurt verbindet

So weit entfernt und doch so nah. Leipzig sollte, neben Frankfurt mit der Paulskirche, ein lebendiger Ort der Erinnerung sein. Der Gastbeitrag.

Leipzig / Frankfurt – Auch wenn Deutschland heute eine starke und streitbare Republik ist, sind die Verächter der Demokratie bei uns weiterhin am Werk. Gegen sie dürfen wir uns nicht nur auf die Instrumente des Rechtsstaates verlassen, sondern müssen auch unser Bewusstsein für die Verletzlichkeit und den Wert der Demokratie schärfen.

Es ist deshalb gut, dass der Deutsche Bundestag im Juni die Errichtung einer „Stiftung Orte deutscher Demokratiegeschichte“ beschlossen hat. Ihre Aufgabe wird es sein, „den langen Kampf um Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“.

Frankfurter Paulskirche als „Haus der Demokratie“

Von herausragender Bedeutung ist dabei natürlich die Frankfurter Paulskirche, der in unmittelbarer Nähe ein „Haus der Demokratie“ zur Seite gestellt werden soll. Da die Stiftung zudem ihren Sitz in Frankfurt am Main nimmt, wird hier ein Zentrum der Erinnerung an die deutsche Demokratiegeschichte entstehen,

Wir sind der festen Überzeugung, dass perspektivisch neben Frankfurt ein Ort zu setzen ist, der den speziellen ostdeutschen Beitrag zu unserer Demokratie zur Geltung bringt. Denn leider ist unbestreitbar, dass viele Ostdeutsche bis heute in unserer Demokratie nicht wirklich heimisch geworden sind und gleichzeitig ihr Beitrag zur deutschen Demokratiegeschichte zu kurz kommt.

Natürlich wäre es naiv anzunehmen, dass die Fehlentwicklungen des Einheitsprozesses allein durch die Rückbesinnung auf die Friedliche Revolution geheilt werden könnten. Aber die Forderung nach Augenhöhe und republikanischer Gleichberechtigung in allen Lebenslagen bleibt eine Aufgabe des Tages. Umso mehr, als die Ostdeutschen allen Grund haben, sich mit Stolz daran zu erinnern, dass sie 1989 nicht nur für Wohlstand und Reisefreiheit auf die Straße gegangen sind, sondern gerade auch für Mündigkeit und demokratische Selbstbestimmung.

Leipzig als Zentrum der Friedlichen Revolution und der demokratischen Selbstbestimmung

Kein Ort ist für diese Erinnerung besser geeignet als Leipzig. Die Stadt war ein Zentrum der Friedlichen Revolution. Hier fiel bei der großen Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 die Entscheidung, in welche Richtung sich die Ereignisse entwickeln würden. Hier findet alljährlich am 9. Oktober das international wahrgenommene Lichtfest zur Feier der Friedlichen Revolution statt. Und hier gibt es bereits heute mit dem Museum in der Runden Ecke, der Nikolaikirche oder der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes Orte, an denen die Geschichte greifbar wird. Mehr noch: Leipzig verfügt als pulsierendes Zentrum im Herzen Deutschlands mit einer aktiven Bürgergesellschaft über hervorragende Voraussetzungen, um neben einem Erinnerungs- auch ein lebhafter Debattenort für die Weiterentwicklung unserer Demokratie zu sein.

Wichtige Elemente sind dabei bereits angelegt. Das im Jahr 2019 geschaffene Forum Recht mit seinem Ableger in Leipzig wird die Bedeutung von Recht und Rechtsstaatlichkeit für unsere Demokratie erfahrbar machen. Und die 2018 neu eröffnete Dauerausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum setzt sich mit Diktatur und Demokratie nach 1945 sowie den komplexen Transformationsprozessen nach der Friedlichen Revolution auseinander.

Deshalb ist es folgerichtig, dass sich Stadt und Universität Leipzig auch um das Zukunftszentrum für europäische Transformation und deutsche Einheit bewerben werden. Nun gilt es, auch das geplante „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ zu einem überregional bedeutsamen Ort der Wissensvermittlung, der Auseinandersetzung über Demokratie und der öffentlichen Begegnung zu gestalten.

Leipzig: Zukunftsvision für solidarischen Zusammenhalt

In den vergangenen Monaten konnte in der öffentlichen Berichterstattung der Eindruck entstehen, in Leipzig stünden sich unvereinbare Vorstellungen über den Umgang mit der Friedlichen Revolution gegenüber. Tatsächlich spiegelt sich in diesen Debatten die jede Erinnerungspolitik umtreibende Frage der Gegenwarts- und Zukunftsorientierung wider.

Was möglich wäre, zeigt das im Jahr 2014 eröffnete und mehrfach preisgekrönte „Europäische Zentrum der Solidarität“ (ECS) in Danzig, das neben einem faszinierenden Museum über die Gewerkschaft „Solidarität“ auch deren Zentralarchiv und eine Multimedia-Bibliothek beherbergt. Das ECS ist aber nicht nur Erinnerungsort, sondern auch ein internationales Bildungs-, Kultur- und Begegnungszentrum. Anspruch ist es, ausgehend von der eigenen Geschichte gesellschaftliche Debatten zu inspirieren und anzustoßen. Genau das wünschen wir uns auch für Leipzig.

Dagmar Ziegler (SPD) ist Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Burkhard Jung (SPD) ist Leipziger Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Bundestages.

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