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Deflation in den Köpfen

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Von: Markus Sievers

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So schwach wie seit vier Jahren nicht: der Euro.
So schwach wie seit vier Jahren nicht: der Euro. © REUTERS

Nichts ist bedrohlicher für die Stabilität in der Eurozone, als wenn sich die geringe Preissteigerung in den Köpfen festsetzen sollte.

In der Tarifpolitik beginnt die Zeit der Muskelspiele. Alles ganz normal. Und doch lassen die ersten Debatten aufhorchen. Zur Mäßigung rufen die Arbeitgeber die IG Metall auf – mit der Begründung, bei einer Inflationsrate von unter einem Prozent könne man doch nicht ein Plus von 5,5 Prozent fordern. Was auf den ersten Blick plausibel erscheinen mag, birgt Brisanz.

Nichts ist bedrohlicher für die Stabilität in der Eurozone, als wenn sich die geringe Preissteigerung in den Köpfen festsetzen sollte. Erwarten die Menschen erst einmal, dass die Inflation auf Dauer niedrig bleibt, und richten sie sich etwa bei den Löhnen darauf ein, dann droht keine Deflation mehr. Dann haben wir Deflation, die befürchtete Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft.

Dies muss unter allen Umständen verhindert werden. Dafür aber braucht die Europäische Zentralbank (EZB) die Unterstützung der Tarifparteien, gerade der in Deutschland. Bei Inflation von drei oder vier Prozent dürfen die Gewerkschaften keinen Ausgleich dafür bei den Arbeitgebern verlangen. Sonst entsteht ganz schnell die Inflationsspirale, bei der erst die Preise steigen, dann die Löhne und dann wieder und immer schneller die Preise.

Dieses Prinzip gilt genauso in die umgekehrte Richtung. Deflation fängt in den Köpfen an. Aus den Köpfen der deutschen Arbeitgeber sollten diese Gedanken ganz schnell wieder verschwinden.

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