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Steinkohlekraftwerk Datteln mit Block 4 der Firma Uniper.

Gastbeitrag von Fridays for Future und Ende Gelände

Neues Kohlekraftwerk Datteln 4? Dieser Brandbeschleuniger darf nicht sein!

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Mit Datteln 4 soll ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen - trotz Klimakrise. Das muss unbedingt verhindert werden, fordern die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer und Kathrin Henneberger in ihrem Gastbeitrag.

In diesem Jahr wird der Bundestag über den deutschen Kohleausstieg entscheiden. Absehbar ist, dass die Abgeordneten beschließen werden, dass Energiekonzerne noch fast zwei Jahrzehnte lang Kohle verfeuern dürfen. Kombiniert mit der politisch gesteuerten Implosion der Energiewende ist das ein Skandal.

Und noch eine Undenkbarkeit ist vorgesehen: Der Bundestag wird es dem fossilen Energieriesen Uniper wohl erlauben, im Sommer das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 ans Netz zu bringen. Ja, ein neues Kohlekraftwerk im Jahr 2020. Im deutschen Kohleausstiegsgesetz. Das ist Realsatire, die wir uns nicht leisten können.

Vorgegaukelter Klimaschutz: Kohlekraftwerk Datteln 4 würde auf Hochtouren feuern

Uniper schlägt zwar vor, möglicherweise andere Kraftwerke als Ausgleich für Datteln 4 auf Gas umzurüsten oder abzuschalten. Allerdings ist das vorgegaukelter Klimaschutz: Die alten Kraftwerke sind weniger ausgelastet, Datteln 4 würde aber auf Hochtouren feuern. Der BUND rechnet unterm Strich mit mehreren Millionen Tonnen CO2 plus.

Die Politik versagt weiterhin im Angesicht der Klimakrise. Umso wichtiger wird es in diesem Jahr sein, dass unser Protest weitergeht und größer wird. Datteln 4 ist ein Brandbeschleuniger und hätte niemals gebaut werden dürfen. Die Klimagerechtigkeitsbewegung wird alles daran setzen, dass das Kraftwerk nicht ans Netz geht.

Steinkohle-Abbau in Deutschland ist Geschichte - Wirtschaft importiert Rohstoff

Auch abseits der Klimakrise gibt es dafür gute Gründe. Da der Steinkohle-Abbau in Deutschland seit einem Jahr Geschichte ist, importiert die Energiewirtschaft den fossilen Rohstoff ausschließlich aus anderen Ländern, zum Beispiel aus Russland, Kolumbien und Südafrika.

Luisa Neubauer engagiert sich bei Fridays for Future. 2019 erschien ihr Buch „Vom Ende der Klimakrise“, das sie mit Alexander Repenning geschrieben hat.

Die Kohle ist trotz der langen Transportwege billiger, als es die deutsche war. Das hat teilweise damit zu tun, dass sie dort mit Tagebauen leichter zu fördern ist. Aber auch damit, dass die Unternehmen vor Ort kaum Umwelt- und Sozialstandards erfüllen müssen. Unser Kohleimport entspricht der uralten Tradition Europas, andere Weltregionen auszubeuten.

Die in den Steinkohle-Regionen lebende Bevölkerung ist oft Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Dörfer werden zwangsumgesiedelt und Ökosysteme werden vernichtet. Umwelt- und Menschenrechtsaktivistinnen erleben Repressionen.

Steinkohle-Gebiet in Nord-Kolumbien: Bevölkerung leidet unter Tagebau

Wir haben eine lateinamerikanische Indigenen-Organisation kontaktiert, um über die Situation vor Ort zu sprechen. „Auch ich wurde bedroht“, erzählte uns María Cristina Figueroa Bouriyu von der indigenen Bevölkerung der Wayuu aus dem Steinkohlegebiet Cerejón in Nord-Kolumbien.

Ihre Gemeinde leidet unter den nahen Tagebauen, die Wasser und Böden kontaminieren sowie die Luft mit Schadstoffen belasten. Ihre Lebensgrundlage werde zerstört, und besonders Kinder litten unter Mangelernährung und Atemwegserkrankungen. Der Abbau der Steinkohle habe nur „Elend“ zu den Wayuu gebracht, sagt Maria. „Es scheint als würden wir noch in kolonialer Zeit leben, wo sie unsere Territorien und unseren Wohlstand einfach nehmen können.“

Energiekonzernen wie Uniper ist das offenbar genauso egal wie die Tatsache, dass durch ihr Geschäftsmodell Menschen die Auswirkungen der Klimakrise existenziell zu spüren bekommen – und zwar schon heute.

Im Jahr 2019 haben wir einen Vorgeschmack erlebt, wie es sich anfühlt, in einer mehrere Grad heißeren Welt zu leben. Die arktische Tundra, die Regenwälder am Äquator brannten, und jetzt erleben wir in Australien Waldbrände bisher unbekannten Ausmaßes. Machen wir weiter wie bisher, ergreifen wir keine direkten Maßnahmen, lassen wir zu, dass sich die Erde im Durchschnitt um mehr als 1,5 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau erwärmt.

Kathrin Henneberger ist seit Jahren in der Klimabewegung aktiv, aktuell bei „Ende Gelände“. 2008 und 2009 war sie Bundessprecherin der Grünen Jugend.

Es wird prognostiziert, dass das Klimasystem dann an unterschiedlichsten Punkten kippen und eine Erhitzungsspirale in Gang setzen wird. Eine Erhitzung bis zu einer vier bis sechs Grad heißeren Welt ist möglich. Es stellt sich dann keine Lebens-, sondern auch eine Überlebensfrage.

Im Jahr 2020 müssen wir so handeln, wie es Menschlichkeit und Verstand gebieten

Das Jahr 2020 muss zu dem Jahr werden, in dem wir beginnen, so zu handeln, wie es unsere Menschlichkeit und unser Verstand gebieten. Kurzfristige Profitinteressen großer Konzerne können nicht wichtiger sein als das Leben von Menschen, insbesondere in den Ländern des globalen Südens.

Neue Kohleminen, wie Siemens sie aktuell in Australien erschließen will, sind damit nicht vereinbar. Neue Kohlekraftwerke wie Datteln 4 selbstredend auch nicht. Da wir uns auf die Politik der Bundesregierung in dieser Hinsicht offenkundig nicht verlassen können, ist es an uns allen, aktiv zu werden.

Klimabewegung will Datteln 4 verhindern

Die Klimabewegung ist 2018 in all ihren Facetten zusammengekommen, um gegen die Räumung und Rodung des Hambacher Forsts zu streiten. 2019 erlebte sie auch mit Fridays for Future eine neue Hochphase. Das wird sie dieses Jahr wieder tun, um Datteln 4 zu verhindern.

Wir haben verstanden, was auf dem Spiel steht. Jeden Tag schließen sich mehr Menschen an. Und im Gegensatz zur Bundesregierung sind wir gewillt, entsprechend zu handeln.

Luisa Neubauer engagiert sich bei Fridays for Future. 2019 erschien ihr Buch „Vom Ende der Klimakrise“, das sie mit Alexander Repenning geschrieben hat.

Kathrin Henneberger ist seit Jahren in der Klimabewegung aktiv, aktuell bei „Ende Gelände“. 2008 und 2009 war sie Bundessprecherin der Grünen Jugend.

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