Kolumne

Und dann kaufen wir Barcelona

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Berlin bekommt einen zusätzlichen Feiertag. Warum nur einen? Nach meiner Rechnung würden mehr freie Tage einen wirtschaftlichen Boom auslösen.

Wie es aussieht, bekommt Berlin schon nächstes Jahr einen weiteren arbeitsfreien Tag. Als erstes Bundesland erheben wir den Internationalen Frauentag am 8. März zu einem offiziellen Feiertag. Das sind doch mal schöne Nachrichten zum Jahresende.

Zum einen, weil uns das im Einsatz für Frauenrechte und Gleichberechtigung symbolisch den Rücken stärken wird. So wie etwa auch diese zwei Monate Elternzeit der Väter deren Partnerinnen den Rücken stärken. Also sehr, sehr symbolisch. Zum anderen verkürzen wir den Abstand bei Feiertagen zu Ländern wie Bayern oder Baden-Württemberg.

Im Zuge der Diskussion um einen weiteren arbeitsfreien Tag wurde gerne betont, dass die Länder mit den meisten Feiertagen ein höheres Bruttoinlandsprodukt haben als das feiertagsarme Berlin. Ich glaube, die Süddeutschen wollten uns damit sagen, dass sie trotzdem viel fleißiger sind als wir. Aber hat das wirklich etwas mit der Arbeitsmoral zu tun?

Vielleicht sind es ja auch die Feiertage selbst, die die Wirtschaftskraft ankurbeln. Als Regierende Bürgermeisterin würde ich deshalb hier zumindest versuchsweise einfach weitere 50 Feiertage einführen, um diese Möglichkeit zu überprüfen.

Wir hätten dann etwa am 8. Mai frei, am 17. Juni, am 19. März (Eisbär Knuts Todestag), am 28. September (weil Hertha BSC da mal gegen den FC Bayern München gewonnen hat) und natürlich auch am 8. Januar (David Bowies Geburtstag). Die Hauptstadt könnte meinen Berechnungen zufolge einen derartigen Produktivitätsboom erleben, dass wir uns von dem erwirtschafteten Geld einfach Barcelona kaufen könnten. Dann hätten wir endlich besseres Wetter und einen Strand.

Es kann nämlich unmöglich an mangelnder Arbeitsmoral liegen, dass Berlin immer noch so arm ist. Immerhin ist die Wirtschaftskraft in keinem Bundesland prozentual so stark gestiegen wie hier in den letzten Jahren. Die Cafés erscheinen mir tagsüber immer leerer, die Restaurants abends immer voller. Irgendwie hat jeder einen Job, aber niemand mehr Zeit. Das war in den Neunzigerjahren noch genau umgekehrt. Es ist mittlerweile eine eifrige Betriebsamkeit in der Stadt eingekehrt.

Wenn man allein auf dieses Jahr zurückschaut, sieht man größtes Engagement auf allen Seiten. Die Nachrichten aus Berlin waren voller Menschen, die einfach nicht von ihrer Arbeit lassen wollten. Hans-Georg Maaßen beispielsweise oder Horst Seehofer und Alice Weidel. Niemand wollte aufhören zu arbeiten.

Früher hat es nur ein paar falsche Fußnoten in der Doktorarbeit oder drei-, vierhundert privat genutzte Flugmeilen gebraucht und schon haben die Leute ihren Job geschmissen und sich arbeitslos gemeldet. Heute kommen sie selbst in ihr Büro zurück, wenn ihnen gekündigt wurde, so wie Hubertus Knabe, der Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen. Das ist doch bitteschön eine Arbeitsmoral, die ihresgleichen sucht.

Ich bin insofern zuversichtlich, dass Berlins Wirtschaft weiterhin aufholen wird und es nicht mehr lange dauert, bis wir unseren Kindern Eigentumswohnungen in München und Stuttgart kaufen können. Dann werden die dort tagsüber in Cafés rumhängen und den Süddeutschen zeigen, dass Arbeit nicht alles im Leben ist. Und danach kaufen wir Barcelona.

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