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Japans Premier Shinzo Abe (l.) mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

China und USA

Dank Donald Trump entstehen neue Allianzen

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Die neue Freundschaft zwischen China und Japan zeigt, wie Donald Trump ganz ungewollt die Globalisierung fördert. Der Leitartikel.

Der erklärte Antiglobalist Donald Trump fördert die Globalisierung in Asien nach Kräften. Da sich die USA für ihre Partner in Fernost als unzuverlässig erweisen, suchen diese nach Alternativen – und schmieden Bündnisse, die vor kurzem noch undenkbar gewesen wären. Chinas Präsident Xi Jinping bezeugt seine Freundschaft, indem er Japan einen Panda überlässt. Japans Premier Shinzo Abe wiederum kann sich plötzlich Freihandel mit dem großen Nachbarn vorstellen. All das wirkt sich auch auf Deutschland aus, das bisher von der chinesischen Antipathie gegen Japan profitiert hat.

Vor zwei Jahren sah es noch ganz anders aus. Abe schmiedete mit Obama einen pazifischen Handelspakt, der China gezielt ausgrenzen sollte. Die chinesische Marine gebärdete sich derweil immer aggressiver auch in japanischen Gewässern. Nun bricht eine neue Freundschaft zwischen Japan und China aus, und selbst die ist nur ein kleiner Teil des veränderten Gesamtbilds. Am Donnerstag hat Japan mit einem anderen großen Land in Asien einen weiteren wichtigen Vertrag abgeschlossen: eine Technikpartnerschaft mit Indien. China bindet derweil mit seiner Seidenstraßeninitiative die Länder der Region in ein eigenes Handelssystem ein. Japan ist zunehmend bereit hier mitzuspielen, wie aktuell ein gemeinsames Projekt zur Stadtentwicklung in Thailand zeigt.

Auf der großen politischen Bühne wiederholt sich damit eine Spaltung, die sich auch in einzelnen Gesellschaften beobachten lässt: Die geistige Kluft zwischen den Konservativen (oder den „Nationalisten“, wie Trump sich seit kurzem selbst nennt) und den Befürwortern von Handel und offenen Grenzen. Auf der einen Seite führt das zu Brexit und Strafzöllen, auf der anderen Seite entstehen ganz neue und immer gigantischere Freihandelsblöcke.

Japan hat in den vergangenen zwei Jahren bereits ein Abkommen mit der EU über den Abbau von Zöllen durchgezogen. Wenn Abe nun Kurs auf eine Öffnung gegenüber China nähme, wäre der Effekt gigantisch. Chinesische Kunden – inklusive des Staates – bevorzugen deutsche Autos, weil sie Japan gegenüber gewaltige Animositäten hegen. Politischer Gegenwind hat Unternehmen wie Toyota, Honda oder Mitsubishi Heavy dort gewaltig gebremst.

Volkswagen oder Siemens haben mehr Konkurrenz zu befürchten, wenn Japan und China ihre Wirtschaften integrieren. Peking ist auch nur deshalb so freundlich zu Deutschland, weil es Technikpartner braucht. Doch Japan bietet mindestens das Gleiche – und ist immerhin ein asiatisches Nachbarland.

Dabei ist es für Politiker in Asien ebenfalls nicht ganz einfach, ihrer Bevölkerung den zunehmenden Freihandel schmackhaft zu machen. Sowohl Japan als auch China sind mit einem erheblichen Maß an Abschottung gut gefahren. China kontrolliert immer noch seine Währung, statt sie am Markt freizugeben. In Japan und Südkorea bekämpft die Bauernlobby jede Etappe der Grenzöffnung. Japans Bevölkerung ist nicht erpicht darauf, künftig noch deutlich mehr gepanschte Lebensmittel aus China im Supermarkt zu finden. Umgekehrt dreht Abe den Chinesen gerade Reis und Gemüse aus der Provinz Fukushima als unbedenkliche Qualitätswaren an.

Doch die asiatischen Nationen wissen auch, woher ihr heutiger Wohlstand kommt: von Handel und Export. Das Gleiche gilt für Deutschland, das jedoch das Glück hat, ganz selbstverständlich in die EU eingebunden zu sein, die größte intensiv integrierte Freihandelszone der Welt.

Die Globalisierung hat viele Fehler. Gerade der freie Finanztransfer macht die Armen in vielen Regionen ärmer, die Reichen reicher. Sie fördert Verantwortungslosigkeit, schafft grenzüberschreitende Konkurrenz um Arbeitsplätze und damit eine Niedriglohnspirale. Doch Trumps Positionierung als „Nationalist“ gegen die „Globalisten“ zwingt zu einer Gegenpositionierung auf der Seite des Pluralismus und der internationalen Kooperation.

Den „Globalisten“, schimpft Trump, liege am Wohl des ganzen Planeten, nicht nur eines einzelnen Landes. Ein Schuft, wer da kein Globalist ist.

In Deutschland ist die Solidarität mit anderen Erdteilen oder mit Menschen, die anders aussehen oder sprechen, vielen Menschen schwerer zu vermitteln. Zunehmender Freihandel ist wohl der falsche Ansatz, um Akzeptanz zu schaffen: Er führt eher zu wirtschaftlichem Druck, statt kurzfristig positiv erfahrbar zu sein. Doch eine arbeitsteilige Wirtschaft heißt auch, dass am Ende alle mehr haben.

Wenn Importe dazu führen, dass in einem anderen Land die Armut sinkt und Arbeitsplätze entstehen, ist das nicht auch eine gute Nachricht? Zumal wenn der eigene Wohlstand ebenfalls steigt. Im Handel mit Europa, den USA und dem Rest der Welt hat China seine Wirtschaft so weit entwickelt, dass es eine Milliarde Menschen aus der Armut holen konnte. Das ist eine sensationell gute Nachricht für diejenigen, die die Menschheit nicht nach Nation und Ethnie sortieren, sondern als Solidargemeinschaft begreifen.

Deutschland und die EU sollten offen sein für Freihandelsangebote aus Staaten, die von den USA enttäuscht sind. Mit Japan läuft der Freihandel bereits an. Warum nicht auch gegenüber China mehr Offenheit zeigen?

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