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Die Deutschen Akademischen Fluechtlingsinitiative Albert Einstein ( DAFI ) unterstützt Flüchtlinge dabei, Bildung zu erhalten.
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Die Deutschen Akademischen Fluechtlingsinitiative Albert Einstein ( DAFI ) unterstützt Flüchtlinge dabei, Bildung zu erhalten.

Gastbeitrag

Dafi lässt Flüchtlinge studieren

  • vonPeter Ruhenstroth-Bauer
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Trotz Corona-Krise helfen die UN, Bildung für alle zu ermöglichen. Dabei sollten sie stärker unterstützt werden.

Der Lockdown bedeutet gerade für Familien und Kinder einen immensen Kraftakt. Sozial benachteiligten Kindern attestieren Experten in Deutschland massive Nachteile durch den Fernunterricht, der gravierende Spätfolgen nach sich ziehen werde. Was bedeutet dies für geflüchtete Familien, die ihre Kinder oft jahrelang nur in notdürftige Schulen schicken können?

Für jemanden, der um das Überleben kämpft, der vor Gewalt und Krieg fliehen muss, klingen Bildung und Ausbildung nach dem rettenden Ausweg aus einer häufig aussichtlosen Lage und nach einem Neuanfang in einem sicheren Land. Tatsächlich ist es gerade für die fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht eine zentrale Voraussetzung, um wieder auf eigenen Füßen zu stehen und sich selbst eine bessere Zukunft aufbauen zu können.

Für die Vereinten Nationen ist das Menschenrecht auf Bildung fester Bestandteil der ehrgeizigen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Knapp die Hälfte aller Flüchtlinge ist unter 18 Jahre alt. Für sie geht es um Schutz und Sicherheit, aber auch um Perspektiven und Chancen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Die Realität vieler Flüchtlingskinder sieht nicht danach aus: Für mehr als die Hälfte besteht keine Möglichkeit zur Schule zu gehen.

Durch die Corona-Pandemie droht sich ihre Lage noch weiter zu verschlechtern. Durch Schulschließungen und den Rückgang der Wirtschaft wird sich die Situation weiter verschärfen. Viele Flüchtlingskinder werden auch später nicht zum Unterricht zurückkehren. Der Schulbesuch ist für die Familien, die aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen jede Einkommensmöglichkeit verloren haben, zu teuer, und die Kinder müssen zum Familieneinkommen beitragen.

Vor der Pandemie war die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flüchtlingskind keine Schule besuchen kann, bereits doppelt so hoch wie bei einem anderen Kind. Diese Diskrepanz wird jetzt noch größer. Schulschließungen, fehlender Zugang zu Technologien und Medien macht das Recht auf Bildung unmöglich.

In der Sahelzone, wo mehr als 3,6 Millionen vertriebene Menschen leben, ist die Bildungssituation für Flüchtlingskinder dramatisch. Schulen in dieser Region werden häufig von bewaffneten Gruppen angegriffen. Die Gewalt hat zur Schließung von mehr als 2500 Schulen geführt. 350 000 Schülerinnen und Schüler sind betroffen. Für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) ist die Bildungschance zentraler Bestandteil der Arbeit, wenn es um Perspektiven für den Nachwuchs geht.

So wurden in der Sahelzone 2000 Lehrerinnen und Lehrer in Präventions- und Schutzmaßnahmen geschult, um auch in Corona-Zeiten sicher unterrichten zu können. In Mali wurden mehr als 1300 Solarradios und 1300 Päckchen mit Unterrichtsmaterialien in Schulen der Regionen Gao und Timbuktu verteilt, wo besonders viele Flüchtlinge und Binnenvertriebene leben.

Am Internationalen Tag der Bildung soll der Blick auf diese betroffene Gruppe gerichtet sein. Mehr als die Hälfte aller Flüchtlingskinder hat keine Möglichkeit, an Bildung teilzunehmen. Bei der weiterführenden Schulbildung bekommen nur 31 Prozent eine Ausbildung. Für Flüchtlingsmädchen ist die Situation zusätzlich gravierend. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Sekundarstufe in die Schule gehen, ist nur halb so hoch wie bei Jungen. Für die meisten Flüchtlingskinder fast unerreichbar ist die Universität. Nur noch drei Prozent der Flüchtlinge erhalten die Möglichkeit, sich durch eine Hochschulbildung zu qualifizieren.

Hier setzt die Initiative der Bundesregierung „Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein“ (Dafi) an. Mit einem Stipendium werden Flüchtlinge gefördert, die an Unis ein Studium absolvieren können. Durch Dafi konnten so seit 1992 über 18 000 Flüchtlinge in 54 Gastländern studieren.

Der UNHCR sorgt für die Umsetzung des Programms. Ein Erfolgsfaktor des Programms ist der Auswahlprozess, der nicht nur akademische Leistungen, sondern auch Aspekte wie Vulnerabilität, individuelle Motivation und gesellschaftliches Engagement der Studierenden berücksichtigt. Mit ihrer Studienförderung können die Studierenden ihr Studium finanzieren.

Dafi begleitet sie während des Studiums und auch darüber hinaus mit zusätzlichen Bildungs- und Beratungsangeboten. Viele Absolventinnen und Absolventen kehren in ihre Heimat zurück und arbeiten für den Aufbau. Die UN-Flüchtlingshilfe und ihre Stiftung unterstützen das Dafi-Programm finanziell. Zivilgesellschaft und Unternehmen beteiligen sich so, um das große Potenzial geflüchteter Frauen und Männer nicht zu verlieren.

Peter Ruhenstroth-Bauer ist Geschäftsführer und Nationaler Direktor der UN-Flüchtlingshilfe, dem nationalen Partner des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

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