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Schwarz-Rot Gold würde zum CSD-Motto besser passen als der Regenbogen. 

Cologne Pride 2020

„Einigkeit! Recht! Freiheit!“ - Der CSD goes Patriotismus

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Ist das euer Ernst? „Einigkeit! Recht! Freiheit!“ als Motto für Cologne-Pride im kommenden Jahr? Die Kolumne.

Glaubt man der Motto-Beschreibung des Cologne-Pride für 2020, dann trägt die sich zum 30. Mal jährende Deutsche Einheit zumindest eine Mitschuld. „Einigkeit! Recht! Freiheit!“ – unter diesem Slogan sollen sie wohl bei der nächsten Christopher-Street-Day-Parade (CSD) durch Köln ziehen: all jene Menschen, die gegen die Diskriminierung Homosexueller und anderer sexueller Minderheiten auf die Straße gehen. Es sind die ersten Zeilen der deutschen Nationalhymne, die auch am 3. Oktober vor dem Reichstag geschmettert werden; schwarz-rot-goldene Einigkeit, ein Fest für jede patriotische Seele.

Auf der Webseite des Kölner Lesben- und Schwulentags heißt es, das Motto stünde für die „gemeinsamen Werte aller Menschen in diesem Land“, womit „insbesondere im Jahr der Feierlichkeiten“ eine pluralistische und offene Gesellschaft betont werde.

Cologne-Pride will Werte nicht den Rechten überlassen

Ist das euer Ernst? Das stimmt doch hinten und vorne nicht. Diese drei Worte, die mit Ausrufezeichen versehen besonders knackig daherkommen, stehen – so verwendet – explizit im Dienst des „deutschen Vaterlandes“, das es „brüderlich“ in seiner Großartigkeit zu stärken gilt.

Aber der Cologne-Pride meint das ja eigentlich ganz anders. Man wolle die Deutungshoheit „dieser Werte“ nicht den „Rechtspopulisten“ überlassen. Welche Werte denn? Man kann dieses Trio nicht abgespalten von der Hymne lesen. Hier haben diese „Werte“ einen konkreten Bezug und der ist entspannt „Pegida“-kompatibel. Aber brechen wir es gerne auf „unsere demokratische Rechtsordnung“ herunter: Wem ist denn diese staatliche „Einigkeit“ implizit? Kleiner Tipp: All jene, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, auch wenn sie in diesem Land geboren sind, gehören nicht dazu. Und noch viel weniger sind es diejenigen, die aus Verfolgung oder Not in dieses „Vaterland“ geflüchtet sind.

Nationalhymne auf dem Christopher Street Day gefordert

Womit wir beim „Recht“ wären. Da sieht es nicht viel besser aus, denn vorm Gesetz sind die Menschen eben nicht alle gleich. Aber das weiß Cologne-Pride ja eigentlich selbst. Wie erklären sie das mit der „Freiheit“ dann jenen Brüdern und Schwestern, die wegen ihrer Sexualität geflüchtet sind und denen dennoch die Abschiebehaft droht? Dazu reicht meine Fantasie nicht aus.

Warum meinen eigentlich so viele, den sogenannten Rechtspopulismus mit einer Symbolik von vorgestern bekämpfen zu müssen? Wofür braucht es denn überhaupt diesen Deutschland-Bezug? Das Reaktionäre löst sich doch nicht dadurch auf, dass sich der Absender ändert beziehungsweise behauptet wird, diese mit „unseren eigenen Interpretationen“ zu besetzen.

Dass mittlerweile gefordert wird, die Nationalhymne auf dem Christopher Street Day zu singen, zeigt vielmehr, wie sehr der gesellschaftliche Rollback Einfluss auch in jene Szene genommen hat, die sich seit Jahrzehnten von patriarchalen Gesellschaftsmodellen emanzipiert.

Hymne singen und die Deutschlandfahne schwingen auf dem CSD?

Und hier exakt die Ausgrenzung betreibt, gegen die sie eigentlich einsteht. Denn wer soll jenseits des queeren deutschen Mannes die Hymne singen und die Deutschlandfahne schwingen? Die Lesben fürs Vaterland? Die Rainbow Refugees?

„Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland!“, endet der musikalische Nationalstolz light. Wobei das deutsche Vaterland halt nicht jede und jeden an seinem Glück teilhaben lässt.

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