Die Medien und die Schuldfrage

Coronavirus zeigt die Arroganz des Westens

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Trotz der Fehler chinesischer Behörden sollten sich Medien bei der Schuldfrage zurückhalten. Der Kommentar.

Als „Der Spiegel“ eine Titelstory „Made in China“ zum Coronavirus druckte, waren viele Chinesinnen und Chinesen enttäuscht und wütend. Sie halten solche Berichte für westliche Scheinheiligkeit. Oder wäre vor zehn Jahren ein Medium auf die Idee gekommen, bei der Vogelgrippe „Made in USA“ zu titeln?

Natürlich hat die Regierung in Wuhan Fehler begangen, hat womöglich den Virusausbruch dadurch verschlimmert. Zu kritisieren ist auch die fehlende Transparenz und die Zensur der Regierung in Peking. Dennoch schimmert bei Berichten internationaler Medien über den Virusausbruch in Wuhan geradezu Schadenfreude durch oder zumindest aber ein Mangel an Empathie.

Für das Gros an Chinesen ist die Situation belastend bis existenziell gefährdend: Die Quarantäne und massiven Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zehren an den Nerven, rauben einigen Kleinunternehmern die wirtschaftliche Grundlage. Die Opfer, die die Leute erbringen – und die die Regierung mit ihren drastischen Maßnahmen angeordnet hat -, sollten auch ausreichend gewürdigt werden.

Die Quarantäne einer Provinz von rund 60 Millionen Menschen ist einmalig in der Menschheitsgeschichte. Vorschnelle Schuldzuweisungen sind deshalb unangebracht.

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