Jens Spahn hält nach wie vor am Immunitätsausweis fest. Wer gegen das Coronavirus immun ist, soll ihn bekommen.
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Jens Spahn hält nach wie vor am Immunitätsausweis fest. Wer gegen das Coronavirus immun ist, soll ihn bekommen.

Immunitätsausweis

Corona-Pass: Die Schnapsidee von Jens Spahn

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Gesundheitsminister Jens Spahn hält an dem Immunitätsausweis fest. Dabei ist das Vorhaben in Zeiten von Corona gefährlich. Ein Kommentar.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält also den Immunitätsausweis, auch liebevoll „Corona-Pass“ genannt, nach wie vor für erforderlich. Eigentlich hatte er ihn am Donnerstag mit dem zweiten Pandemiegesetz verabschieden wollen, war aber zunächst zurückgerudert, weil ihm die Kritik von allen Seiten um die Ohren blies. Insbesondere die Teilnehmer sogenannter „Hygienedemonstrationen“ hatten sich auf dieses Gesetz und eine damit unterstellte Impfpflicht eingeschossen.

Coronavirus-Immunitätsausweis - Immunisierung nach Erkrankung nicht gesichert

Und tatsächlich ist dieses Vorhaben eine Schnapsidee. Wenn nicht gar eine gefährliche. Menschen, die bereits am Coronavirus erkrankt sind, sollen dies in einem Pass vermerkt bekommen, auf dass ihnen Freiheiten und Pandemie-Lockerungen gestattet würden, die anderen nicht zuteil werden. Spahn geht von einer Immunisierung bei Erkrankung aus, wobei, und das ist der erste Fehler, diese gar nicht final erwiesen ist.

Die Frage jedoch, „welche Einschränkungen wann für wen zulässig“ seien, würde „uns“ verstärkt beschäftigen. In einem Interview mit dem RND zieht er das Gelbfieber als Beispiel heran, wogegen sich impfen muss, wer beispielsweise nach Südamerika reisen möchte. „Andere Staaten planen, die Einreise künftig von einem derartigen Immunausweis abhängig zu machen. Das gibt es bei anderen ansteckenden Krankheiten bereits, beim Gelbfieber zum Beispiel.“ Hier handelt es sich aber um eine Impfung und nicht um einen Nachweis darüber, dass man eine Krankheit bereits durchlebt und dadurch eine vermeintliche Immunität aufgebaut hat. Forscher aus China haben in einer Studie zur Corona-Immunität außerdem festgestellt, dass die Antikörper teilweise schon nach kurzer Zeit nicht mehr im Blut der Genesenen nachweisbar sind. Sie halten einen Immunitätsausweis daher nicht für sinnvoll. 

Spahn provoziert mit Immunitätsausweis Corona-Partys

Spahn vermengt also die punktuelle und nur wenige Menschen zumindest in Deutschland betreffende Pflicht einer Impfung mit der Beweislast einer Immunität, die nur erfüllen kann, wer bereits erkrankt war. Das ist fahrlässig und spielt den Verschwörungstheoretikern und radikalen Impfgegnern in die Hände, die das Coronavirus sowieso als ein von der Staatsmacht aka „Büttel der Pharmaindustrie“ aufgebauschtes Grippevirus behaupten.

Auch müsste Jens Spahn klar sein, dass er de facto in der aktuellen angespannten Lage, in der viele Menschen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und die nichts lieber täten, als in den nächsten Flieger zu steigen, einen Anreiz für Corona-Partys schafft. Denn wer will nicht den begehrten Ausweis, der die Reise in den Süden garantiert und diese nervigen Abstandsregeln obsolet macht.

Es bleibt zu hoffen, dass der Ethikrat diesen Vorschlag in die Tonne tritt, wo er hingehört. Und dass nicht ein hausgemachter Anstieg der Corona-Erkrankungen die Überforderungen des Gesundheitswesens hervorbringt, die Deutschland bislang erspart geblieben sind.

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