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Proben auf das Coronavirus in einem Labor. Für die nächste Pandemie oder das nächste Virus muss vorgesorgt werden - das bedeutet aber nicht nur genügend Personal. Notfallbetten und Mundschutzmasken.

Kolumne

Corona ist mehr als nur ein Virus

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Der Ausbruch der nächsten Pandemie ist allein mit medizinischen Mitteln nicht zu verhindern. Wir müssen mehr tun, um uns zu schützen. Die Kolumne.

Sie beherrscht derzeit alles, die Corona-Pandemie. Nachrichten, Talkshows, das Privatleben und die Berufswelt. Inzwischen setzt sich die Erkenntnis durch, dass das Virus selbst so neuartig nicht ist. Neu an ihm ist allerdings, dass es seine explosionsartige Massenausbreitung unter den Menschen antreten konnte. Irgendwie brach es aus dem Körper von Wildtieren aus und lässt sich nun nicht mehr einfangen.

Viele Virologen sahen eine solche Seuchenwelle kommen, schließlich haben SARS und Co uns vorgewarnt. Derzeit sehen wir panisch staunend zu, was das Virus global anrichtet. Für Vorsorge ist es längst zu spät. Jetzt geht es vorrangig um die Eindämmung der Pandemie und ihrer sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

Virologen sind sich einig: Ein weiteres Virus liegt schon auf der Lauer

Weil sich die Virologen ziemlich einig sind, dass irgendein weiteres Virus und die nächste Pandemie schon auf der Lauer liegen, muss jetzt endlich an wirkliche Vorsorge gedacht werden. Das bedeutet nicht, dass vorgesorgt ist, wenn genügend Personal, Notfallbetten, Mundschutzmasken vorgehalten werden. Die Vorsorge muss weitaus früher und breiter ansetzen.

Wir müssen alles vermeiden, was unsere Umwelt weiter schädigt, und alles Mögliche tun, um bestehende Schäden zu reparieren. Schließlich ist klar geworden, dass die Waldvernichtung vor allem in den Tropen, die großindustrielle Landwirtschaft mit zu viel Einsatz von Dünger und dem, was beschönigend Pflanzenschutzmittel genannt wird, sowie die Klimaerwärmung und der dramatische Verlust an biologischer Vielfalt dazu geführt haben, dass die Umweltprobleme durchschlagen auf unsere Gesundheit.

Wir überfordern unseren Planeten

Das Erdsystem ist aus den Fugen geraten, der uns umgebende Schutzschild schmilzt dahin. Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen weisen seit Jahren darauf hin, dass wir unseren Planeten überfordern und im eigenen Interesse unsere Lebensweisen in den Industrienationen grundsätzlich ändern müssen.

Weniger Fernreisen, runter mit dem Verbrauch von Energie und von nicht erneuerbaren Ressourcen, mehr Nachhaltigkeit sind Forderungen, die tief eingreifen in das Leben derer, die es sich bisher gemütlich machen konnten in einer Welt aus üppigem Konsum und selbstverständlich gewordenen Privilegien.

Vorausschauend und planvoll den Lebensstil ändern

Die Vorstellung, dass damit Schluss sein soll, macht vielen Menschen Angst. Liebgewonnene Gewohnheiten aufzugeben ist schwer. Doch seit Wochen ist dies schlagartig Realität geworden. Wir nehmen die verordneten Einschränkungen hin. Weil sie sein müssen, weil es angeblich nicht anders geht.

Da wäre es doch sehr angebracht, vorausschauend und planvoll mit Änderungen unseres Lebensstils anzufangen, aus Einsicht und demokratisch. Das Virus als rein medizinisches Problem zu verstehen, greift zu kurz. Wir erleben gerade, mit welch enormen wirtschaftlichen Kosten, sozialen Härten und emotionalen Opfern es verbunden ist, ein Virus wieder einzufangen, wenn es einmal ausgebrochen ist.

Weitere solche Ausbrüche zu verhindern, ist eine gesellschaftliche Herkulesaufgabe. Ohne umfassenden Schutz von Natur und Umwelt dürfte sie zur Sisyphusarbeit werden.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

Im FR-Interview erklärt die „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer, was wir aus der aktuellen Situation für den Kampf für mehr Klimaschutz lernen können.

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