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Wer war wann wo mit wem? Eine App soll dazu Daten sammeln.

Pro und Contra

Corona-Virenschutz: Handy-Daten nutzen oder nicht - ist die App die Lösung?

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Deutschland will mit Hilfe von Handy-Daten die Ausbreitung von Corona eindämmen.

  • Kampf gegen das Coronavirus Sars-Cov-2: Deutschland nimmt sich Südkorea zum Vorbild
  • Nutzung von Handy-Daten soll Ausbreitung des Virus eindämmen
  • FR mit Pro und Contra zum Thema Corona-App

Im Kampf gegen das Coronavirus orientiert sich die Bundesregierung offenbar immer stärker an Südkorea. Dem ostasiatischen Land ist es mit Hilfe von Massentests, der Isolierung und der Nutzung von Handy-Daten gelungen, die Ausbreitung des Erregers stark zu verlangsamen - ohne dass das öffentliche Leben zum Erliegen kam.

Ortung von Corona-infizierten Personen: Freiwillige App als wahrscheinliche Lösung 

„Eine konsequente Nachverfolgung von Neuinfektionen und Kontaktpersonen wird ein wesentlicher Baustein sein, wenn man über Exit-Strategien nachdenkt“, sagte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag (30.03.2020) in Berlin. 

Derzeit läuft es in der Frage um die Nutzung von Handy-Daten zur Ortung von Corona-infizierten Personen immer mehr auf einefreiwillige App-Lösung hinaus. Wenn jemand positiv auf das Virus getestet wurde, sollen solche Apps via Bluetooth all die Personen informieren, mit denen der Betroffene eine gewisse Zeit lang nah zusammen gewesen sei. 

Coronavirus-Ausbreitung mit Hilfe von Handy-Daten eindämmen: Datenschützer setzt auf freiwillige Apps

„Wenn ich schließlich vom Gesundheitsamt bestätigt bekomme, infiziert zu sein, könnten über die App alle gewarnt werden, die ich getroffen habe“, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber. Die Bereitschaft der Menschen, sich an einer solchen Lösung zu beteiligen, sei hoch, so Kelber. 

Corona-App: Auch die Opposition ist dafür 

Auch immer mehr Politiker aus der Opposition plädieren für eine freiwillige sogenannte Corona-App auf dem Handy, um leichter Kontaktpersonen von infizierten zu ermitteln. 

Der FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wir sollten die Chancen neuer Technologien auch bei der Bekämpfung des Coronavirus nutzen.“ Auch mehrere Grünen-Politiker sprechen sich für eine Nutzung von Handy-Daten aus. Der netzpolitische Aktivist Markus Beckedahl sagte auf Anfrage: „Die freiwillige App-Lösung wäre die technisch sinnvollste und zugleich grundrechtsfreundlichste Variante."

Kritiker wie der Informatiker Jörn Müller-Quade vom Karlsruher Institut für Technologie fordern stenge Auflagen für die Verschlüsselungen und Aufbewahrung der Daten.

Ein Pro der FR zum Thema Corona-App: Alternative zur Überwachung

Die Corona-App ist für FR-Redakteurin Alicia Lindhoff Alternative zur Überwachung. Eine App, die auf Bluetooth basierte, sei eine gute Idee. Wenn sie denn verantwortungsvoll entwickelt werde - und freiwillig bleibe: „Es ist kein Widerspruch, sich gegen die Ausbeutung der eigenen Daten durch Staaten oder Konzerne zu wehren - und trotzdem die Nutzung von Daten da zu befürworten, wo sie gesellschaftlichen Mehrwert bietet.“

Ein Contra der FR zum Thema Corona-App: Geist in der Flasche 

Anders argumentiert Thomas Kaspar. Der FR-Chefredakteur hält die App für den Geist in der Flasche und ist davon überzeugt, dass absehbar der soziale Druck einer Angstgesellschaft im Eiltempo zunehmen werde: „Auch in der Krise sollte die Reihenfolge eingehalten werden: Erst lückenloser Datenschutz in Gesetzesform, dann die App. Wir sollten uns dabei nicht hetzen lassen.“ 

Von Christian Stör

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