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Nach dem Angriff auf die Synagoge im Paulusviertel von Halle brachten viele Menschen ihre Solidarität zum Ausdruck.
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Corona verdrängt wichtige Themen: Nach dem Angriff auf die Synagoge im Paulusviertel von Halle brachten viele Menschen ihre Solidarität zum Ausdruck.

Kolumne

Raus aus der Corona-Blase!

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Corona ist Schlafmittel und Aufreger zugleich und scheint alles zu beherrschen. Dabei gibt es so viele andere und ebenfalls wichtige Themen. Die Kolumne.

Vielleicht hat es etwas mit Corona zu tun. Es scheint, als gäbe es kein Draußen mehr. Nur noch ein Drinnen, in dem die Selbstbetrachtungen blühen. Wenn ich mir die gängigen Nachrichten anschaue, geht es immer nur um Corona, als wäre das die ganze Welt. Alles scheint zum Stehen gekommen zu sein. Corona, Schlafmittel und Aufreger zugleich, legt sich bleiern über die Lebendigkeit.

Betritt man nun einen Raum, in dem Diskurse stattfinden sollten, ist es das Gleiche: monologisierende Menschen in Zoom-Kacheln halten sich gegenseitig Vorträge – Innenwelten, kaum Austausch. Und in den sozialen Netzwerken ist es noch schlimmer. Nur ein Drinnen, kein Draußen.

Corona verdrängt wichtige Themen wie Rassismus

Dabei waren noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik so viele wichtige Fragen gleichzeitig sichtbar wie heute. Es ist längst kein Schattenboxen mehr, wenn hier endlich über Rassismus gesprochen wird. Wir sehen, auch dank der sozialen Netzwerke, was hier wirklich los ist.

Rassistische Angriffe werden öffentlich, so wie die ausbleibende Hilfe vonseiten der Behörden, wie der Polizei. Das war schon immer so, aber jetzt liegt dieses Problem für alle sichtbar auf dem Tisch. Früher war es allgemein unsichtbar und allen, denen Rassismus widerfuhr wurde erstmal gegaslightet, wie die jungen Leute es formulieren.

Das bedeutet, man setzte alles daran, ihnen ihre Erlebnisse und ihr Trauma auszureden. War das wirklich Rassismus? Hast du dir das nicht nur eingebildet, kannst du doch nicht einfach so behaupten. Sowas in der Art. Heute sind die Stimmen der Betroffenen lauter und selbstbewusster. Und wir hören sie.

Antisemitismus in der Corona-Krise plötzlich kein Thema mehr

Das Gleiche gilt für Antisemitismus, der keine Unterart des Rassismus ist. Die jüdische Community lässt sich auch nicht mehr gefallen, wenn Antisemitismus einfach im Eigenen ignoriert oder wegdefiniert und dafür anderen zugeschoben wird. Das ist das bisher beliebteste Spiel mit dem Thema.

Neuerdings wird versucht, profunde Forschung zu Antisemitismus und einen internationalen Standard im Umgang damit auszuhebeln. Die sogenannte Jerusalemdeklaration erklärt, was alles nicht antisemitisch ist. Oder nicht per se antisemitisch.

Die Erfahrungen, Erlebnisse und das Trauma von betroffenen Juden werden so per Deklaration gegaslighted. Ihr bildet euch das ein, das ist doch alles nur wegen Israel, das ganz allein Schuld an allem ist, was in der Welt Böses passiert – so der Ton.

Raus aus der Corona-Blase! Es gibt viel zu tun

Und in der Erinnerung an das Menschheitsverbrechen der Shoa müssen jetzt auch mal andere Töne angeschlagen werden. was war daran schon besonderes, es gab auch noch andere Verbrechen in der Welt.

Was ich interessant finde ist, dass gleichzeitig und oft gegenläufig so wichtige Fragen diskutiert werden. Und da ist noch mehr. Neben Rassismus, Antisemitismus und anderen, dazugehörenden Abwertungen, die gerade von vielen tapferen Menschen zum Thema gemacht werden, stellt sich die Frage der Interaktion. Wie kann in einer Gesellschaft Diversität, Widersprüchlichkeit und Gleichzeitigkeit so behandelt werden, dass niemand mehr gegaslightet wird?

Ich will raus aus der Corona-Blase! Es sind so wichtige Dinge zu klären. Deswegen: Bitte lasst euch impfen, zieht den Lockdown durch! Macht alles, was nötig ist, damit wieder mehr Realität und weniger Innenwelt ist. (Anetta Kahane)

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