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Viele Läden wie hier in Frankfurt müssen wegen des Coronavirus die Gitter unten und die Türen geschlossen halten.

Kolumne

Das Coronavirus ist Tante Emmas Tod

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Corona schiebt die Digitalisierung an und bereitet selbst am Grab noch Probleme. Ob nach der Pandemie alles wieder wird wie vorher, ist fraglich.

Das Coronavirus scheint ein richtiger Glücksfall zu sein, finanziell gesehen, für die großen Internet-Versandhändler. Ihre Zuwachsraten schnellen angesichts geschlossener Läden und zwangsweiser oder vorsorglicher Zuhausebleiber in die Höhe. Sehr zum Schaden all der Einzelhändler, die mit guter Beratung und solidem Sortiment ihre Kunden zufriedenzustellen versuchen und nun vergeblich auf Kundschaft warten, selbst wenn die Rollgitter oben bleiben dürfen.

Die Krise kann das Ende für viele Tante-Emma-Läden (und Gastronomen) bedeuten, die nicht die wirtschaftliche Kraft haben, Wochen und womöglich Monate einfach zu überbrücken. Da kann man nur hoffen, dass die Hilfsankündigungen der Regierungen von Bund und Ländern wirksamer eingelöst werden als die Versprechungen in der Klimapolitik.

Corona-Krise: Wer kann bleibt zu Hause – Zum Vorteil der Internet-Versandhändler

Wer kann, richtet sich zu Hause gemütlich ein. Dafür sprechen unter anderem die Spitzenumsätze, welche Weinhändler (natürlich hinter vorgehaltener Hand) vermelden. Einkäufe über das Internet, Homeoffice, Satellitenfernsehen statt Breitwandkino, Videokonferenzen statt Reisen, nach Abklingen der Pandemie dürften sich viele darauf umgestellt haben. Es wird spannend zu sehen, wie sehr diese gesteigerte Flucht in die Digitalisierung anhält, wenn die Ansteckungsgefahr längst keinen Anlass mehr dazu bietet.

Tante Emma und Kolleginnen sowie Kollegen brauchen unsere Solidarität jetzt mehr denn je. Bei ihnen einzukaufen stützt die lokale Wirtschaft, produziert weniger Verpackungsmüll und reduziert Transportwege. Das wiegt die unbestrittenen Vorteile der Käufe bei den weltumspannenden Online-Versandhäusern locker auf.

Solidarität zeigt gerade besonders schöne Seiten, wie die nachbarschaftlichen Angebote des Einkaufens für Risikopatienten. Hamsterkäufe sind dagegen unsolidarisch, wenngleich nicht ganz so ruchlos wie der Versuch des US-Präsidenten Donald Trump, den Impfstoff samt der ihn entwickelnden Firma exklusiv für sein Land zu kaufen. Ein Hoch dem Hauptanteilseigner Dietmar Hopp, der diesem Ansinnen eine deutliche Absage erteilte und der jetzt Jubel-Banner auch der Ultras in der Stadion-Kurve verdient hätte.

Corona-Pandemie verändert unser Leben und macht selbst am Grab nicht halt

Corona verändert unser Leben und macht selbst am Grab nicht halt. Es stellt die Bestattungsunternehmer vor ganz neuartige Probleme. Nicht wegen der zusätzlichen Todesfälle, sondern wegen der behördlich verordneten Restriktionen bei Beerdigungen.

Nur der engste Familienkreis darf teilnehmen, selbst Geschwister und Enkel werden ausgeschlossen. Wer will seine Liebsten schon so unter die Erde bringen, noch dazu ohne tröstende Umarmungen? Die gekühlten Lagerkapazitäten reichen nicht aus, um die traurigen Veranstaltungen auf die Nach-Virus-Zeit zu verschieben. So bereitet das Virus noch auf dem Friedhof Probleme.

Niemand weiß, was uns diese Pandemie noch alles beschert. Hoffentlich bleiben danach vom Digitalisierungsschub nur die guten Seiten übrig und Einzelhandel, Gastronomie und unsere Sozialkontakte erwachen wieder zu vollem Leben. Distanz halten wir dann nur noch zu denen, die wir sowieso nie umarmen würden.

Von Manfred Niekisch

Abstand halten ist wegen des Coronavirus notwendig, doch vor allem im Einzelhandel ist das nicht so einfach. Betreiber in Frankfurt suchen jetzt nach Lösungen.

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