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Ein Viertel der Schülerschaft ist durch Corona abgehängt.
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Ein Viertel der Schülerschaft ist durch Corona abgehängt.

Leitartikel

Corona? Nicht nur klagen!

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Damit Kinder und Jugendliche nicht die Hauptlast der Corona-Krise tragen, muss für Schulen und Unis mehr gemacht werden. In den Ferien ist genau die Zeit dafür. Der Leitartikel.

Ist das jetzt ein Déjà-vu? Haben wir das nicht alles schon einmal gesehen? Die Ferien beginnen, das nächste Schuljahr steht vor der Tür. Die Menschen reisen, freuen sich am Sommer (wo er denn nicht in Sturzbächen die Häuser wegschwemmt). Corona ist weit weg.

Wenn da nicht ein entscheidender Unterschied wäre: Wir befinden uns im Jahr 2021. Dem zweiten Jahr der Pandemie. Dass uns das alles an Schon-einmal-Dagewesenes erinnert, kommt nicht von ungefähr. Kurioserweise müssen wir dafür nach vorne schauen. Was wird sein, wenn die Ferien enden und die Schule startet?

Schon steht fest: Masken werden auch im Unterricht wieder getragen werden müssen, regelmäßige Tests landauf, landab auf den Stundenplänen stehen. Die Furcht vor der Ansteckungswelle, in die Klassenräume getragen von Reiserückkehrern und ihren Nächsten, ist groß und berechtigt. Noch wird weitgehend regulärer Schulbetrieb versprochen, doch schon ist wieder die Rede von Wechselunterricht und Homeschooling. Die Universitäten steuern auf ein nächstes Online-Semester zu. Lehre und Lernen auf Distanz, als wäre das ein tragfähiges Modell. Kann man nichts machen? Wirklich?

Schüler und Schülerinnen, Studierende, die Auszubildenden an den Berufsschulen: Sie alle haben viel versäumt. Weit mehr als (nur) Lernstoff. Haben allein zu Hause vor sich hingebrütet, auf das Miteinander beim Lernen und in der Freizeit verzichten müssen.

Nun soll aufgeholt werden, Sommercamps in den Ferien bieten Gelegenheit zum Nacharbeiten von englischer Grammatik, Dreisatz und Versmaß. Im nächsten Schuljahr wird es zusätzliche Nachhilfeangebote in den Schulen geben, ein paar Stunden die Woche, vielleicht auch einmal die Gelegenheit, in einer kleinen Lerngruppe das ein oder andere nachzuholen. Jedenfalls dann, wenn Unterricht überhaupt wieder gemeinsam stattfinden wird (siehe oben).

Das wird nicht genügen. Ein Viertel der Schülerschaft ist durch Corona abgehängt. Wie viele Studierende haben hingeschmissen?

Es genügt auch nicht, immer wieder zu beklagen, dass Kinder und Jugendliche die Hauptlast der Corona-Krise zu tragen hätten. Es ist nicht allein „die Politik“, die das ändern muss. Es ist eine ganze Gesellschaft, die ihren Fokus dorthin richten muss, wo ihre eigene Zukunft liegt: bei den Jungen. Sie muss das aus ganz eigennützigen Gründen tun. Ohne eine gut ausgebildete, psychisch stabile junge Generation ist der Wohlstand nicht zu halten.

Zwei Milliarden Euro gibt der Bund, um die Corona-Schäden im Bildungssystem zu beheben. Neun Milliarden war es dem Bund wert, eine deutsche Fluggesellschaft zu retten. Von den Aberhunderten von Milliarden Euro, die diese Pandemie schon gekostet hat, ist das Allerwenigste in die Bildung geflossen.

Wo sind sie, die entschiedenen Anstrengungen, das Ruder herumzureißen? Wo sind die Lüfter, die auch im Winter einen Unterricht im Klassenraum sicherer machen? Wo sind die Lehrkräfte, die Sozialpädagog:innen, die Psycholog:innen, die in die Schulen strömen, um Kindern und Jugendlichen zurückzuhelfen auf den Weg in eine von guter Bildung und Betreuung getragene vielversprechende Zukunft?

Wo sind die innovativen Ideen für eine Schule, die Lernen in ganz neuen Dimensionen ermöglicht? Die Pop-up-Klassenräume im Freien, die Platz für Gedanken und Sicherheitsabstände lassen? Die frei geräumten Bürgerhäuser, in denen Kinder und Jugendliche Raum finden zum gemeinsamen Lernen?

Statt dessen droht Schule in einen alten Trott zurückzufallen, der Althergebrachtes in neuer Form digital weiterträgt, statt jenen Rückenwind zu geben, die mit ihren Ideen für eine neue Lust am Lernen sorgen könnten.

Unter den Bedingungen von Corona geht das nicht? Kann man nichts machen? Wirklich?

Wenn es nicht diese Krise ist, die hilft, den Kompass der Bildung neu auszurichten, was dann? Und ja, über all dem schwebt das Damoklesschwert der Covid-Infektion. Vor allem für die Jüngeren, denen eine unsäglich ignorant agierende Ständige Impfkommission (Stiko) die Empfehlung für die Immunisierung verweigert – und hinter deren Rücken sich eine Bundes- und Landespolitik versteckt, statt jenen ab zwölf Jahren, für die es einen zugelassenen Impfstoff gibt, flächendeckend und schnell ein privilegiertes Angebot zur Impfung zu unterbreiten.

Wenn wir kein Déjà-vu wollen, müssen wir etwas anders machen als bisher. Und wenn das Privilegien für Jüngere sein sollten, dann wäre das die richtige Richtung, statt in der Notdürftigkeit hängen zu bleiben. Es ist dafür allerhöchste Zeit. Und vielleicht ist es die letzte Gelegenheit - vor der nächsten Pandemie, die uns ereilt.

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