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Corona-Krise: Dritte Demonstration der "Querdenken"-Initiative in Stuttgart.

Kolumne

Rückkehr der Verschwörungstheoretiker: Das Paradox des Wahns

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Anhänger von Verschwörungstheorien finden sich in allen politischen Lagern. Das ist aber kein Grund, sie in Ruhe zu lassen. Die Kolumne.

Paradoxien sind eine seltsame Sache. Das ist auch in Zeiten der Corona-Pandemie so. Solange die Furcht vor der Krankheit groß ist und die Maßnahmen streng, geht alles irgendwie. Die Menschen sind hilfsbereit und verstehen die Gründe für den Lockdown. Sie mögen ihn nicht, aber nachzuvollziehen ist er. Sobald jedoch die Lage besser wird, weil die Maßnahmen funktionieren, werden sie infrage gestellt. Das ist paradox. Und auch, dass sobald Erleichterungen kommen, die Leute missgestimmter werden. Je mehr Lockerung, desto unzufriedener. Das ist verständlich, ja auch – auf paradoxe Weise – logisch, denn die Ungerechtigkeiten werden sichtbar, die alten, wie die neuen. Schwer, sich darin zurechtzufinden. Schwer, die Fassung zu behalten, bei all den Sorgen und Ungewissheiten.

Lange war von den Rechtsextremen nichts zu hören. Echte Sorgen überdeckten deren Demagogie. Die Leute orientierten sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen, an der Ehrlichkeit der Politik, auch zugeben zu können, dass vieles ungewiss ist, dass Irrtümer möglich sind, dass trotzdem nach besten Wissen handelt. Das hat funktioniert. Der Respekt für Wissenschaft, der Respekt vor Politik erlebt eine Renaissance. 

Corona-Krise: Die Rückkehr der Querfrontleute und Verschwörungstheoretiker

Doch nun, wo sich die Dinge deswegen zum besseren entwickelt haben, kommen sie wieder zusammen: Neben den klassischen Querfrontleuten, die irgendwann vielleicht links waren und heute komplett ins Surreale abgedriftet sind, sehen wir die Verschwörungstheoretiker und Corona- und Klimaleugner, die Prepper, Reichsbürger, die linken Kulturpessimisten, die so gern in Untergangsphantasien schwelgen, die Impfgegner und alle anderen, die nichts schlimmer finden, als die „jüdische“ Schulmedizin, wie es mitunter Esoteriker ausdrücken.

Die „Hygienedemos“ oder die neue Bewegung „Widerstand2020“ sind ein Biotop der Paradoxien. Da sind die älteren Herren von der Pegida- oder AfD-Front, die sich nichts sehnlicher wünschen als das Ende der liberalen, offenen Gesellschaft. Ausgerechnet sie schreien: „Diktatur!“. Paradox sind sie, wie Prepper, die sich voll ausgestattet auf den Weltuntergang vorbereiten und sich über Hamsterkäufe beklagen oder Leute, die schreiben und sagen können, was sie wollen und es nutzen, um ständig Zensur zu beklagen. Wissenschaftsfeindlich sind sie, gegen jede Art von Evidenz, frei von aufgeklärtem Denken und Handeln und zutiefst antisemitisch. Denn das gehört zum Betriebssystem aller Verschwörungsprogramme dazu. Da wird der Hass auf die Moderne geschürt, weil sie, wie die Demokratie unzulänglich ist und der Hass auf Gruppen und Institutionen, auf Schuldige „da oben“.

Wut auf die „da oben“ in der Corona-Krise: Wahn kennt keine politischen Lager

Überall finden gerade solche Demos statt, draußen, auf der Straße oder drinnen an den Rechnern. An manchen Orten laufen Nazis vom 3. Weg oderPegida, an anderen sind diese Demos gemischt. Der Wahn kennt keine politischen Lager, ihn eint die Paradoxie des Wahnhaften, der Aberglaube, die Verleugnung von Realität, der Widerstand gegen jede Erkenntnis und der Unwille, Konflikte zu sehen und sich ehrlich auf sie einzulassen. Immer ist irgendwer schuld. Dieses Opfergetue ignoriert alle, die wirklich zu leiden haben.

Ich wünschte, es gebe ein Mittel, sich gegen die Ansteckungsgefahr von Verschwörungstheorien und anderen Irrationalitäten zu schützen. Trotzdem ist es wichtig zu versuchen mit Wissen und Vernunft gegen solchen Wahn anzutreten. Vielleicht kann man ihn aufhalten, eindämmen und weniger ansteckend machen, wenn man jetzt erklärt, wie er funktioniert. Parodox, oder? 

Anetta Kahaneist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Zwischen Verschwörungstheorien und Impfdebatten hat vor allem ein altes Feindbild auch in Krisen wie der derzeitigen Corona-Pandemie wieder Hochkonjunktur: der Antisemitismus.

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