Kolumne

Corona hilft dem Klima

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Der Blick aus der ukrainischen Antarktis-Bar zeigt roten Schnee und macht Sorge. Ein Virus enttarnt unnötige Dienstreisen und Eiswein ist nicht alternativlos.

Blutrot gefärbter Schnee ist für Fans des Fernseh-Tatortes ein vertrauter Anblick. Jetzt erreichen solche Bilder die Weltöffentlichkeit aus der Antarktis. Rund um die ukrainische Forschungsstation im vielleicht gar nicht mehr so ewigen Eis verleihen Algen der Schneedecke eine tiefrote Färbung.

Keine blutige Angelegenheit, aber dennoch geeignet, einen das Gruseln zu lehren. Grünalgen blühen dort rot auf der Schneedecke. Das ist an sich nichts Neues, aber höchst besorgniserregend wegen des ungewöhnlich großen Ausmaßes. Der Klimawandel mit den hohen Temperaturen an den Polen ist schuld daran.

Die Ukraine verdankt ihre Station in der Antarktis den Briten. Diese verkauften die Anlage 1996 für den symbolischen Betrag von einem britischen Pfund. Das war praktisch gedacht. Die Briten mussten ihren Müll der Jahrzehnte nicht wegräumen, denn die Station gehörte ihnen ja nicht mehr.

Der Ukraine hinterließen sie umweltbelastende alte Öltanks, kaputte Ausrüstungsgegenstände, tiefgefrorene Essensabfälle und jede Menge Hausmüll rund um die Station. Hätte das einst glorreiche Britannien den Schrott beseitigen und die Station abbauen müssen, hätte das Millionen gekostet.

Sehr nett für Antarktis-Fahrer ist es, dass die Ukraine die gastfreundliche Bar in der Station mit übernommen hat und weiterführt. Besucher können dort jetzt das rote Naturschauspiel erleben. Von Genuss lässt sich angesichts der Gründe hierfür nicht sprechen.

Überhaupt zeitigt der Klimawandel immer mehr abstruse Phänomene. Dass es dieses Jahr nur knapp hundert Liter Eiswein gibt, weil der Winter keine ausreichend tiefen Temperaturen brachte, ist eines davon. Es kann wohl verschmerzt werden, denn es gibt genug Getränkealternativen, um die Zeit zu überbrücken, die gewonnen ist, weil Veranstaltungen wegen des Coronavirus abgesagt wurden.

Trotz aller virusbedingten Zugangsbeschränkungen wurde Greta Thunberg per (umstrittener) Ausnahmeregelung ins Parlament der Europäischen Union gebeten, zur Vorstellung des Klimagesetzes. Die PR-Strategen der EU fanden es wohl eine schlaue Idee. Wollten sie damit, trotz Corona, ihre Kritikfähigkeit unter Beweis stellen, oder davon ablenken, dass keine durchgreifenden Beschlüsse gegen den Klimawandel gefasst wurden? Greta Thunberg hat sich dadurch nicht korrumpieren lassen, sondern den EU-Politikern die Leviten gelesen.

Im Unterschied zur nationalen und europäischen Klimapolitik schafft es das Coronavirus, einen echten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Absagen von Großveranstaltungen, Flügen oder Fernreisen wirken sich senkend auf den CO2-Ausstoß aus.

Plötzlich kündigen Firmen und sogar die Europäische Zentralbank an, nur noch unbedingt nötige Dienstreisen durchzuführen. Da drängt sich die Frage auf, ob etwa bisher mit unnötigen Reisen Steuer- und Firmengeld verbraten und Budgets und Klima belastet wurden.

Man darf gespannt sein, welcher Politiker die CO2-Reduktion dieser Tage einer erfolgreichen Klimapolitik zuschreibt. Ehre wem Ehre gebührt, selbst wenn es ein Virus ist.

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