+
Protest gegen die Hygienedemo

Kommentar

Corona-Krise 2020: Die Herdendummheit wächst rapide

Ein Gastbeitrag des Buchautors und Satirikers Jörg Schneider über die Lage der Dinge in Zeiten von Corona und die Aussicht auf den Untergang.

Folgendes: Bisweilen brummt uns die Welt Herausforderungen auf, die einem noch verheerender als üblich vor Augen knüppeln, wie hauchdünn der zivilisatorische Lack auf den Grundfesten unserer vermeintlich humanistisch geprägten und angeblich auf Solidarität basierenden Gesellschaft ist.

Coronavirus-Pandemie vs. Verschwörungstheorie

Oder anders: Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Coronavirus-Pandemie wird momentan (obwohl erfreulicherweise erheblich stolpernd) vermutlich nur noch von der Rasanz der sie angeblich aufschlüsselnden Verschwörungstheorien - und vor allem der rapide wachsenden Herdendummheit ihrer ebenfalls erschreckend ansteckenden Verbreiter – in den Windschatten gestellt.

Denn vorneweg segelt auch hier, wie immer hart am argumentativen Wind, die übliche Armada intellektuell ähnlich fatal Verseuchter in ihr Ankerzentrum aus ideologischer Verblend- und -blödung … und ein ohne Not darin Herumlungern gilt nicht von ungefähr als deppenexklusives Tun.

Attila Hildmann: Mit Atemschutzkreuz und Hakenmaske

Damit wir uns da nicht bereits vorab missverstehen: Selbstverständlich ist Kritik an den „Corona-Maßnahmen“ (und auch das Hinterfragen jeder anderen Regierungsverordnung) nicht nur vollkommen legitim, sondern als gesellschaftliches Regulativ auch notwendig. Eine Demokratie braucht immer Raum für Widerrede, mannigfaltige Sichtweisen und die Möglichkeit, sie allesamt frei und ohne Repressalien oder einen drohenden Knüppel über den Schädel äußern zu dürfen. Und natürlich sind auch Zweifler an offiziellen Meldungen nicht automatisch Verschwörungstheoretiker. Denn schräg wird es ja erst – dann allerdings gewaltig -, wenn es ins allzu offensichtlich Absurde und nur mäßig getarnt Bauernfängerische rutscht.

„Widerstand 2020“-Sturmtruppe in Zeiten von Corona

Daher hier auch mal von meiner Seite: Nein, ich möchte - vollkommen überraschend - kein Mitglied der stellenweise doch bedrohlich blindlings herumirrlichternden „Widerstand 2020“-Sturmtruppen werden! Lieber würde ich einen Eimer Batteriesäure trinken. Und allein die Idee, ich könnte das auch nur annähernd in Erwägung ziehen, ist bereits so weit hergeholt wie die Kinder von Madonna; rekrutiert sich der erwähnte Verein (neben sicherlich auch einigen tatsächlich einfach nur verunsicherten Leuten) doch zu nicht unerheblichen Teilen aus dem altbekannten Paralleluniversumspanoptikum unterschiedlichster Verschwörungspraktiker, theoretischer Paranoiker, volksidiotischer Langzeitahnungsloser und natürlich jeder Menge „ganz normal besorgter Bürger“. Nur eben – bis die nächste Sau durchs virtuelle Dorfgemeinschaftshaus gehetzt wird – jetzt allesamt erstmals frisch vereint im aktuellen Pandemie-Panini-Corona-Sammelalbum 2020.

Aluhut und Abstand - Protest gegen die Hygienedemo. 

Unzurechnungsfähigkeitstoleranz schwierig während Corona

Und mal ganz unter uns, liest ja keiner mit: Die allerdings wirklich sensationelle Widerlichkeit, „die Kanzlerin“ mit „dem Führer“ bzw. eine Atemschutzmaske mit einem Judenstern oder auch wahlweise Hakenkreuz (je nach Zugehörigkeitsgefühl) zu vergleichen, wie man es aus den „Widerstandsreihen“ öfter vernehmen konnte, zerdeppert in ihrer nahezu beschreibungsresistenten Dämlichkeit endgültig den letzten Zentimeter Unzurechnungsfähigkeitstoleranz, der bis dato noch den Schwachkopf vom Arschloch trennte.

Netflix ist kein Holocaust

Wir leben nämlich keineswegs in einer Diktatur, nur weil man seine grundgesetztlich geregelten Freiheitsrechte mal auf begrenzte Zeit – und ja irgendwie auch ein klitzekleinwenig aus gutem Grund – nicht auf Kosten anderer schamlos herunterleben sollte. Klar, ist das alles nicht so einfach und den meisten steht das Wasser in finanzieller Hinsicht bis zum Hals, wenn nicht sogar drüber; aber die zwischenmenschliche Selbstverständlichkeit, dennoch vielleicht mal für ein paar Wochen (und es darf ja auch jeder raus) zum Wohle aller in einer beheizten Wohnung mit fließend Milch und Honig, Lebensmittelvorräten für mehrere Weltkriege und jedem nur erdenklichen elektronischen Unterhaltungsfirlefanz in seiner Freizeit einmal ausnahmsweise die Füße etwas stiller als gewohnt zu halten, ist jetzt auch nicht zwingend an vorderster Frontallappenfront mit dem Holocaust zu vergleichen.

Und dürfte doch unserer, gerade in Solidaritätsfragen oftmals ohnehin recht lethargisch herumlungernden Gesellschaft ja eigentlich entgegenkommen, denn wann konnte man schon mal mit Nichtstun wiederum was für die Allgemeinheit tun?

Über die Freiheit des Einzelnen

Daher sollte man es lieber mit Immanuel Kant halten, dem (neben Herrn Naidoo, jenem grotesken Hybridwesen, halb Atlantisentdecker, halb Scherzartikel; einem sich selbst bar jeglichen Restverstandes hochnotpeinlich zum heldenhaft bewaffneten, dickeirigen Freiheitskämpfer stilisierenden Veganer und der Dame, die auf dem wackeligen Video eines Homeshopping-Kanals lediglich durch eine Viertelstunde googeln die über Jahrzehnte angeeigneten Fachkenntnisse weltweit anerkannter Virologen als kompletten Blödsinn entlarvt hat) vielleicht größten Denker, den unser Land je hervorgebracht hat:

„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Immerhin eine der zentralen Säulen und Erkenntnisse der Aufklärung und des Humanismus und damit gleichsam auch zentrales Fundament eines im Idealfall solidarischen und harmonisches Miteinanders.

Mit völkischen Blödyers bei der Brechstange gehalten

Ob die Coronavirus-Pandemie jedoch tatsächlich die von vielen frühzeitig herbeigeoptimistelte Zeitenwende und nachhaltige Rückbesinnung auf wesentlichere Werte einläutet, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen; steht es doch vielmehr nahezu brecheisenfest zu befürchten, dass selbst die Halbwertzeit der größten Katastrophe nicht mit der Lernunfähigkeit des Menschen konkurrieren kann.

Im Gegenteil; mir wird angst und bange, wenn ich sehe, welcher Ungeist sich allerorts gerade in den Vordergrund rempelt.

Protest gegen die Hygienedemo

Denn während demagogische Hasseinpeitscher ihre grölende Abendlandsermeute mit völkischen Blödoyers bei der Brechstange halten und ein dreiundsiebzigjähriger Fünfjähriger jeden Tag aufs Neue seine offensichtlich bodenlose Universaldummheit vom eigenen Kindertellerrand in den Äther pöbelt, hobeln wir alle uns mit der Zerstörung des globalen Ökosystems gemeinsam die einzige nachhaltige Sitzgelegenheit unter unseren Ärschen weg. Alles in allem kein allzu glänzendes Zeugnis für unsere evolutionäre Unentbehrlichkeit, die sich ja gerade unsere Dümmsten immer wieder gerne selbst mal attestieren.

Corona-Zeitenwandel, Kompetenz und Gelbe Tonnen

Und doch gibt es Hoffnung auf Veränderung, gab mir doch bspw. erst vor wenigen Tagen eine Kölner Freundin eine vielversprechende, wenn auch recht ambivalente Beobachtung mit auf den Weg in den täglichen Vollrausch, indem sie ebenso komplex wie subtil (und damit rundum einleuchtend) erkannte: „Verschwörung früher: Einige wenige Eingeweihte sind im Bilde, der Rest der Meute tappt im Dunkeln. Verschwörung heute: Millionen und Abermillionen wissen Bescheid, nur ein paar traumwandelnde Seelen nicht.“

Oder wie sich ein seit Tagen weitflächig im Internet breitmachendes Bild nicht weniger schlüssig fragt: „Was soll das denn bitte schön für 'ne beschissene Verschwörung sein, wenn sogar so'n Spacken wie Du alles darüber weiß?“

Dabei ist gerade hier, wie so oft, routinierte Kompetenz und Expertise gefragt, auch wenn die in der Überschrift verbratene Herdendummheit natürlich ein kompletter Trugschluss ist, denn die beeindruckende Überqualifikation und allumfassende Bildung selbst des letzten (vormals Laien- jetzt Profi-) Trottels überraschen natürlich schon. Immerhin waren wir erst gestern noch eine Republik voller Klimaexperten und haben es quasi über Nacht zu einer Nation mit kollektivem Virologenstatus gebracht.

Dabei wusste doch bereits Max Goldt vor beinahe 25 Jahren: „Man wird auch nicht Ästhetik-Professor dafür, dass man mit nassen Haaren auf die Straße geht und in die Gelbe Tonne rotzt.“

Von Jörg Schneider 

Unterdessen hat das RKI erklärt, warum die Reproduktionszahl in Deutschland aktuell steigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare