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Aktivist Ken Jebsen mit Corona-Maske auf einer Demonstration in Stuttgart. 

Verschwörungstheorien 

Ken Jebsen und die Corona-Propaganda

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In Zeiten von Corona sind die Verschwörungstheoretiker präsent. Ken Jebsen (KenFM), bekannt von den Mahnwachen 2014, scheint auch vom Virus zu profitieren. Ein Kommentar.  

Wenn es nicht so gefährlich wäre, könnte man einfach über den Wahnsinn lachen, der sich zur Zeit auf Deutschlands Straßen abspielt. Von Seiten der Politik wird zwar rauf und runter gepredigt, die Demonstranten der sogenannten Corona-Proteste nicht „über einen Kamm“ zu scheren. Doch selbst die Bürgerlichen unter ihnen scheinen kein Problem zu haben, gemeinsam mit Reichsbürgern und Rechtsextremen sämtlichen Verschwörungstheorien das Wort zu reden. Da kann dann ein Attila Hildmann
mehrfach betonen, sich von der extremen Rechten zu distanzieren, wenn sich doch auch aus diesem Pool seine Fanbase rekrutiert, eben weil er mit seiner Sprache und mit seinen Posen deren Grundhaltung bedient.

Ken Jebsen (KenFM): Tanzen gegen Medien und Corona

Richtig irre wird es, wenn, wie in Berlin geschehen, ein Mann gegen die Medien antanzt: „Befreit euch von Massenmedien, Konsumkultur, Überwachungsstaat, GmbHBRD … Der Virus existiert nicht“, jauchzt er untermalt mit Trommelrhythmen beseelt vor sich hin. Es ist der selbe Zungenschlag, der 2014 im Kontext der Montagsdemonstrationen bzw. Mahnwachen durch die Städte geisterte. Angeblich, um für Frieden in der Ukraine zu protestieren, tatsächlich waren die Veranstaltungen ein Sammelbecken fürReichsbürger und Verschwörungstheoretiker. In dieser Phase hatte sich der Aktivist Ken Jebsen als Leitfigur und Dauerredner einen Namen gemacht, wobei sein Stern recht fix wieder verblasste.

In Zeiten von Corona fühlt er sich erneut dazu berufen, zu mahnen, was das Zeug hält. „Ab sofort treffen wir uns täglich um 20.00 Uhr, pünktlich zur Tagesschau, auf dem Balkon oder am offenen Fenster und rufen gemeinsam: ‚Ihr könnt mich alle am Arsch lecken!‘ ‚Ich lass‘ mir das nicht länger gefallen!‘ ‚Mein Körper gehört mir!‘“, schreibt er gar auf seinem Kanal KenFM und inszeniert sich als in seiner physischen Unversehrtheit bedrohter Widerstandskämpfer. 

Ken Jebsen (KenFM) über die Tagesschau: Corona-Propagandamedium?

Die Tagesschau sei das „wichtigste Propagandamedium“ der ARD, das die Menschen „mental“ vergifte, preist er seine Protestidee weiter an. Dass er mit „Mein Körper gehört mir“ in leichter Abwandlung einen feministischen Slogan klaut, dürfte wohl überlegtes Kalkül sein. Immerhin geht es eigentlich um das Abtreibungsverbot, das explizit in eigene Freiheitsrechte eingreift, hingegen der viel behauptete Impfzwang nicht auf der Agenda steht. Kanzleramtschef Helge Braun hat erneut betont, eine Impfpflicht werde es in Deutschland nicht geben. Das dürfte auch Jebsen mitbekommen haben, doch den Lügenpolitikern kann natürlich ebenso wenig geglaubt werden wie der Lügenpresse. Dann würde ja die ganze Verschwörungspropaganda in sich zusammenbrechen.

Für die potentielle Anhängerschar gibt es weiter noch konkrete Handlungsanweisungen: „Im Anschluss, das ist ganz wichtig, kommt es zur Meditation, … ihr setzt euch für zehn Minuten auf den Balkon und meditiert für den Frieden.“ Wieso denn jetzt für den Frieden? Das impliziert ja, dass es in diesem Land einen Krieg gäbe im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Ist er inhaltlich gerade nach Syrien geswitcht? Oder fabuliert er gar einen Krieg der „an der Spitze der Pyramide“ stehenden gegen die da unten herbei? In jedem Fall greift er auf seine Agenda von 2014 zurück und bringt sich gleichsam wie in alten Zeiten als Führerpersönlichkeit in Stellung.

Ken Jebsen (KenFM): Friedensmeditation gegen Corona-Propaganda 

„Dann sind wir nämlich die neue Tagesschau“, frohlockt Ken Jebsen bei der Vorstellung, vier Millionen zur Friedensmeditation auf die Straße zu treiben, anstatt sich „diese Propaganda“ reinzuziehen. Und er muss es wissen – mit Propaganda kennt er sich nämlich aus. 

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